Wie ein zweites Zuhause

Jeta Kadrius universitäre Laufbahn begann 2013, als sie sich für den Bachelorstudiengang Informatik an der Universität Augsburg einschrieb. Die reine Informatik lag ihr nicht ganz, und so wechselte sie zur Geoinformatik. Geoinformatikerinnen und Geoinformatiker, so erklärt Jeta, bilden die Schnittstelle zwischen Geographie und Informatik. Sie verfügen über Fachwissen in beiden Disziplinen und sind hauptsächlich für die digitale Umsetzung und Visualisierung von Daten zuständig. Sie erstellen Algorithmen, die die Interpretation von gewonnenen Geodaten erleichtern, und entwickeln Programme, um diese sinnvoll zu verwenden, beispielsweise in Form von Navigationssystemen.

© Frauke Wichmann für a3kultur

Wichtige Praxiserfahrung schon im Studium sammeln

Ihre Bachelorarbeit hat Jeta in Kooperation mit den Stadtwerken Augsburg und der GI Geoinformatik GmbH erstellt. Für diese hat sie an einer Möglichkeit gearbeitet, wie den Kundinnen und Kunden die Zusammensetzung der Energiequellen im Bezugsgebiet vermittelt werden kann. „Dass die jungen Menschen in ihrem Studium auch Fragestellungen aus dem späteren Berufsalltag kennenlernen, ist für uns sehr wichtig – sowohl in der Informatik als auch in der Geographie“, meint Prof. Dr. Bernhard Bauer. Er leitet als Dekan die Fakultät für Angewandte Informatik (FAI), die den Bogen von künstlicher Intelligenz bis Klimawandel schlägt. Jeta haben ihre Studieninhalte so gut gefallen, dass sie sich dazu entschlossen hat, auch den Master in Geoinformatik zu absolvieren und ihr Wissen weiter zu vertiefen. Wie richtig diese Entscheidung war, merkt man ihr an. Die junge Frau strahlt und weiß: „Natürlich muss man beim Job auch den finanziellen Aspekt bedenken, aber viel wichtiger ist es mir, meine Arbeit mit Leidenschaft machen zu können.“ Im nächsten Semester möchte Jeta die letzten fehlenden Prüfungen absolvieren, um danach mit dem obligatorischen Praxismodul und der Masterarbeit zu beginnen. Um auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen zu haben, sollen die Studierenden erste Praxiserfahrungen sammeln.

Besonders am Herzen liegt Jeta die Arbeit als Tutorin für Studierende aus dem Ausland. Für deren Anliegen hat sie immer ein offenes Ohr. Wie wichtig diese Aufgabe ist, weiß sie aus eigener Erfahrung: Ihre Familie stammt aus Mazedonien. Ihre Mutter ist in München aufgewachsen, Jeta selbst sogar in Augsburg geboren. Nach der Trennung der Eltern ging sie mit ihrem Vater zurück nach Mazedonien, doch für das Studium zog es sie wieder in ihre zweite Heimat. Da ihre Mutter in Deutschland geblieben war, suchte Jeta nach einer passenden Uni in deren Nähe – die Wahl fiel auf Augsburg. Auch wenn sie ihre Entscheidung keineswegs bereut, hatte Jeta einen holprigen Start. Voller Enthusiasmus begann sie ihr Studium und gab sich große Mühe, schnell Anschluss zu finden. Sprachliche Barrieren gab es keine, und doch hatte Jeta zunächst Schwierigkeiten, denn ihre Kontaktversuche scheiterten. Ernst erzählt sie, wie sehr sie mit diesen Zurückweisungen kämpfen musste. Trotz dieser Erfahrungen gab Jeta nicht auf und trat schließlich der Fachschaft für Informatik bei, wo sie nicht nur den ersehnten Anschluss fand, sondern auch Unterstützung bei der Organisation ihres Studiums.

Noch heute engagiert sie sich dort tatkräftig und hat im Laufe der Zeit bei vielen Veranstaltungen mitgewirkt. Nach dem Vorbild einer bekannten Fernsehshow organisierten die Studierenden beispielsweise „Schlag den Prof“, in
Zusammenarbeit mit den Fachschaften für Physik und Mathematik kam der „Scientific Slam“ zustande.

Enger Kontakt zu Kommilitonen und Dozenten

Für Jeta ist das Studium mehr als das Erlernen von Wissen: „Normalerweise bin ich jeden Tag hier, auch wenn ich von Mering pendle. Als Frühaufsteherin bin ich meist schon sehr früh da und fahre auch erst abends wieder nach Hause. Ich lerne an der Uni, besuche meine Kurse und treffe mich mit Freundinnen und Freunden.“ Es scheint ganz so, als habe Jeta an der Uni ein weiteres Zuhause für sich gefunden. Besonders schätzt sie das Zusammengehörigkeitsgefühl der Studierenden, gerade da ihr Studiengang recht überschaubar ist. Der Austausch mit den Kommilitoninnen und Kommilitonen ist ihr sehr wichtig, vor allem auch mit anderen Fakultäten. In Augsburg geht das recht einfach, denn alle Studierenden teilen sich den Campus. Bei einem Auslandssemester in Bern hat Jeta zwar viel gelernt, doch die über die ganze Stadt verteilten Lehrgebäude haben ihr nicht zugesagt. Vielmehr genießt sie das Unileben in Augsburg, das gemeinsame Mittagessen in der Mensa und den spontanen Kaffee zwischen den Vorlesungen. Auch den Kontakt zu Dozentinnen und Dozenten erlebt Jeta äußerst positiv, denn hier zeigt sich ebenfalls der persönliche Aspekt. Die Studierenden können mit der Unterstützung der Lehrenden rechnen, ihrem Entgegenkommen bei Projektarbeiten, der Zusammenarbeit im Seminar, aber eben auch bei außeruniversitären Veranstaltungen. Jetas persönliches Highlight an der Uni ist allerdings der Campussee. Dort verabredet sie sich mit Freundinnen und Freunden, läuft eine Runde, um den Kopf frei zu kriegen und kann entspannen. Wie es nach dem Masterabschluss weitergeht, weiß Jeta noch nicht. Forschungsarbeiten und den Doktortitel kann sie sich gut vorstellen, aber auch die Projektarbeit in der freien Wirtschaft reizt sie. Sorgen macht sich die Studentin keine: „Herausforderungen gehören dazu, man wächst schließlich an seinen Aufgaben!“

Juliana Hazoth/ Teresa Grunwald, Michael Hallermayer (Universität Augsburg)

 

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