Deckenmalereien: barocke Kleinodien in Augsburg

Karl Nicolai hatte Glück. Der Augsburger Maler bekam 1937, in einer für Künstler schwierigen Zeit, einen lukrativen Auftrag von seiner Heimatstadt. Auf großformatige Blätter kopierte er barocke Wand- und Deckenfresken aus Augsburger Bürgerhäusern. Die Stadtväter bewiesen damit Weitsicht, denn etliche der Malereien überlebten die Kriegszeiten nicht. Am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Universität Augsburg haben Studierende nun anhand von Nicolais Bildern diese Fresken umfassend erforscht und zu etlichen Werken neue Erkenntnisse gewonnen.

Abbildung des Deckengemäldes im ehemaligen Daserschen Stiegenhaus am Ulrichsplatz 13 – Joseph Mages malte das Fresko, das den Fernhandel unter dem Schutz der Gottesmutter mit den Personifikationen der vier Erdteile vorstellt, im Sommer 1762. © Universität Augsburg

Die Aufgabe, die Lehrstuhlinhaberin Prof. Dr. Andrea Gottdang und ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Angelika Dreyer ihren Studierenden stellten, klang simpel, war aber herausfordernd: so viele Informationen zum Bild wie möglich herausfinden. Die Studierenden, allesamt noch im Bachelorstudium, saßen dafür im Archiv, studierten historische Dokumente, analysierten die Malereien und besichtigten, wo möglich, die originalen Fresken. Da es sich bei den untersuchten Bildern um bürgerliche Deckenmalerei handelt, war das nicht immer ganz einfach. „Viele der Häuser sind bewohnt“, erzählt Dreyer, „beispielsweise das Dasersche Anwesen, dort steht unter dem Deckengemälde das Ehebett.“ 

 

Abbildung des Gartenpavillon im ehemaligen Freiherrn von Speth’schen Domherrenpalais - Karl Nicolai malte diese Gouache um 1937 nach einem Fresko von Matthäus Günther, welches um 1762 entstand. © Kunstsammlungen und Museen Augsburg

Studierende schreiben Werkmonografien

Die Recherchen ergaben etliche neue Quellenergebnisse, bislang unbekannte Auftraggeberschaften oder Details zum Gebäude beispielsweise. Die Studierenden erarbeiteten den kunsthistorischen und historischen Kontext, Deckenmalereien sind aber ebenso ein stark an die Architektur gebundenes Bildmedium. „Manchmal“, erzählt Andrea Gottdang, „war aber auch die Ikonographie kompliziert. Was ist auf dem Bild dargestellt? Stimmt eigentlich der Titel, unter dem wir es bislang kennen?“.

So entstanden im Lauf des Forschungsprojekts, das im Stadtarchiv von Kerstin Lengger fachkundig  unterstützt wird, umfangreiche Werkmonografien. Einige werden – und das gleicht einem Ritterschlag – in das Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland (CbDD) aufgenommen. Es erforscht und publiziert Decken- und Wandmalerei zwischen 1550 und 1800 und ist bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften angesiedelt.

 

Ausstellung in den Augsburger Kunstsammlungen

Mit den städtischen Kunstsammlungen und Museen Augsburg und ihrem Direktor Dr. Christof Trepesch fand sich ein Kooperationspartner, der den Studierenden sein Haus großzügig öffnete. Eine Ausstellung zu den 43 untersuchten Fresken wird gemeinsam geplant, ihr Zeitpunkt steht jedoch wegen der Corona-Pandemie vorerst noch nicht fest. Die Studierenden konzipieren jedoch bereits einen ausführlichen Ausstellungskatalog. „Das vermittelt einen Praxisbezug, der uns hier am Lehrstuhl sehr wichtig ist“, sagt Gottdang, die sich begeistert zeigt über den Eifer, mit dem die Studierenden arbeiteten. „Es ist eine helle Freude.“

Bis März 2021 wird das Projekt abgeschlossen sein.

Die Studierenden und Frau Prof. Gottdang nehmen gemeinsam mit dem Leiter der Grafischen Sammlung der Museen und Sammlungen Augsburg, Dr. Christoph Nicht, die originalen Gouachen von Karl Nicolai in Augenschein. © Universität Augsburg

Unsere Forscherinnen

Lehrstuhlinhaberin
Kunstgeschichte
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Kunstgeschichte

Suche