Universität im Aufbruch!? Podiumsdiskussion setzt Schlusspunkt zum 50. Jubiläum

Augsburg/ AK/ TG Mit einer Gesprächsrunde zum Thema „Aufbruch!? Rolle und Selbstverständnis der Universität heute“ endeten die Feierlichkeiten rund um das 50. Jubiläum der Universität Augsburg, das mit einem digitalen Festakt, einem hybriden Pop-up-Store und weiteren virtuellen Formaten spannende Akzente setzte. Für immer geprägt sein wird das Jubiläum durch die Corona-Pandemie; eine weitere, neue Herausforderung für die Institution Universität in einer Welt beschleunigten Wandels in Gesellschaft, Kultur, Politik und Wirtschaft.

© Universität Augsburg
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Wie soll sich die Stätte des Forschens und Lehrens weiterentwickeln? Welche Fragen gilt es in Zukunft zu klären? Hierüber diskutierten die Augsburger Universitätspräsidentin Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, ihr Hamburger Kollege Prof. Dr. Dieter Lenzen sowie der Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, Dr. Gregor Peter Schmitz. Es moderierte Prof. Dr. Günther Kronenbitter (Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/Volkskunde).

Viele Fragen stellten sich den Universitäten aus der Gesellschaft heraus, die sich ihn ihnen spiegelt, bemerkt Sabine Doering-Manteuffel. Die „große Transformation“, die mit der Digitalisierung aller Lebensbereiche, aber auch einem Mentalitätswandel einhergehe, stoße einen vielfachen Wandel in den Hochschulen an, erkennt sie. Soziale Sicherheit und Integration gehörten ebenso zu den großen Fragen wie der Umgang mit Innovationen und neuen Wissenskulturen. Und nicht zuletzt stellten sich die Universitäten der Anforderung, ökologisch zu handeln – sei es in der Abfall- und CO2-Bilanz, in der Erforschung grüner Technologie bis hin zur Achtsamkeit als Lebensprinzip. Das bedeute für die Zukunft der Universitäten, schlussfolgert die Präsidentin der Universität Augsburg, den Abschied vom klassischen Auftrag, allein für Forschung und Lehre zuständig zu sein, und die Entwicklung hin zu Laboren gesellschaftlichen Wandels.

Der transatlantische Einfluss

Davor, Lieferanten „bestellter“ Innovationen zu werden, warnte hingegen der Präsident der Hamburger Universität, Dieter Lenzen, der sich vor allem um die akademische Freiheit sorgt. Bedrängt werde sie vom „atlantischen“, also US-amerikanischen Verständnis der Universität als Stätte der Berufsausbildung und der wirtschaftlichen Verwertungsinteressen statt klassischer Bildung und Forschung. Dieser Wandel spiegele sich auch in der Umstrukturierung der universitären Ausbildung im Rahmen des Bologna-Prozesses oder in den Exzellenz-Wettbewerben von Bund und Ländern wider, die immer mehr den Transfer – und somit die Anwendbarkeit von Forschungsergebnissen – in den Mittelpunkt rückten. Dies stelle die Universitären vor neue Herausforderungen und Fragen: Was bedeute dann noch allgemeine Bildung und zweckfreie Erkenntnis, welche wichtige Werte im deutschen Hochschulsystem sind? Was ist der Sinn von Universität? Wie sichert man Autonomie und akademische Freiheit?

Geistige Freiräume, um unbehelligt über gute Politik nachzudenken

Dem entgegen steht eine andere, nicht minder bedenkliche Entwicklung: Einen „Angriff auf das Expertentum“; auf Objektivität, Wahrheit, Unabhängigkeit sowohl der Universitäten als auch des Journalismus, beobachtet Gregor Peter Schmitz, AZ-Chefredakteur. In populistischen Debatten würden Forschende belächelt, ihre Erkenntnisse zurückgewiesen oder ihre Wahrhaftigkeit verunglimpft. Als Gegenmaßnahme bzw. als Antwort sieht er die Öffnung der Universitäten in die Gesellschaft, die stärker wahrnehmbar sein müsse, beispielsweise durch ein personelles Hin- und Herwechseln von Wissenschaft und Politik. Auch müsse der Bildungs-Auftrag wieder in den Mittelpunkt rücken, ohne dass der Zugang zu Bildung und „akademische Blasen“ die Gesellschaft spalten. Universitäten und Medien rief der Chefredakteur zu einer Allianz auf, strategische geistige Freiräume zu schaffen: Für den gemeinsamen Austausch und das Nachdenken über Politik und aktuelle Fragen.

Aufklärung und Wahrheit als bleibende Aufgaben

Ob die Universität all die Erwartungen erfüllen könne, die in unserer schnelllebigen Zeit an sie gerichtet werden, fragte Moderator Prof. Dr. Günther Kronenbitter (Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/Volkskunde), vor dem Hintergrund der Diskussion. Für Lenzen ist Aufklärung auch in Zukunft und unbeirrt von den großen Fragen die Aufgabe der Universität – die aber durch neue Formate wie Kooperationen mit Medien oder zum Beispiel dem Theater kommuniziert und in die Gesellschaft getragen werden müsse. Was inzwischen mit viel mehr Partizipation des Publikums stattfindet, wie Chefredakteur Schmitz anmerkte, der die Verantwortung jedes Bürgers für die Gesellschaft und für ruhigere Debatten betonte. Für die Augsburger Präsidentin Doering-Manteuffel ist die Universität weiterhin eine „Hüterin der Wahrheit“ und daran solle sie trotz aller Irritationen aus der Gesellschaft festhalten und weiterhin gestalten: „Wir brauchen einen Ruhepol in solchen irritierten und ruhelosen Zeiten und dafür braucht es Menschen, die bereit sind, diese Institutionen zu gestalten“, unterstreicht sie.

Eindrücke der Podiumsdiskussion

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