Pressemitteilung 3/26 - 14.01.2026

Wie Geschlecht und Gender Forschungsergebnisse prägen

Neue Leitlinien für eine präzisere und inklusivere biomedizinische Forschung

Eine internationale Forschungsgruppe hat im renommierten Fachjournal Nature Neuroscience neue Empfehlungen veröffentlicht, wie biologische Geschlechtsunterschiede (Sex) und soziale Geschlechteraspekte (Gender) systematisch in die Forschung integriert werden können. Die Leitlinien zeigen, warum viele bisherige Studien wichtige Unterschiede übersehen haben – mit Folgen für Diagnostik, Therapie und Prävention. Mitautorin der Publikation ist Prof. Dr. Miriam Kunz, Lehrstuhl für Medizinische Psychologie und Soziologie der Medizinischen Fakultät an der Universität Augsburg.

Eine internationale Forschungsgruppe hat neue Empfehlungen veröffentlicht, wie biologische Geschlechtsunterschiede (Sex) und soziale Geschlechteraspekte (Gender) systematisch in die Forschung integriert werden können. Colourbox

Die Publikation analysiert ein zentrales Problem der biomedizinischen und neurowissenschaftlichen Forschung: Über viele Jahre hinweg wurden Studien häufig an überwiegend männlichen Stichproben durchgeführt oder Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht systematisch ausgewertet. Gleichzeitig blieb der Einfluss sozialer und kultureller Geschlechterrollen auf Gesundheit, Verhalten und Krankheitsverläufe oft unberücksichtigt.

Die Autorinnen und Autoren zeigen auf, dass sowohl biologische Faktoren (z. B. Hormone, Genetik) als auch psychosoziale Faktoren (z. B. Rollenbilder, Stressbelastung oder Gesundheitsverhalten) entscheidend beeinflussen können, wie Krankheiten entstehen, wahrgenommen und behandelt werden. Auf dieser Grundlage formuliert das internationale Gremium 13 konkrete Empfehlungen, die Forschende von der Studienplanung über Datenauswertung bis hin zur Berichterstattung unterstützen sollen.

Blinde Flecken in der Forschung vermeiden

Unzureichend berücksichtigte Geschlechts- und Genderaspekte können dazu führen, dass Forschungsergebnisse verzerrt oder nur eingeschränkt übertragbar sind – etwa wenn Therapien bei Frauen anders wirken als bei Männern oder Symptome unterschiedlich interpretiert werden. Die Empfehlungen zielen darauf ab, wissenschaftliche Qualität zu erhöhen und Forschungsergebnisse für alle Menschen relevanter und verlässlicher zu machen.

„Wenn wir Sex und Gender nicht mitdenken, riskieren wir blinde Flecken in der Forschung“, erklärt Prof. Dr. Miriam Kunz.„Unsere Empfehlungen zeigen, wie Studien so gestaltet werden können, dass Unterschiede sichtbar werden – und damit letztlich auch die Versorgung verbessert wird.“

Beitrag aus Augsburg

Prof. Kunz bringt ihre ausgewiesene Expertise an der Schnittstelle von Psychologie, Medizin und Sozialwissenschaften in die Arbeit ein. Ihre Forschung beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, wie biologische und psychosoziale Faktoren gemeinsam Wahrnehmung, Verhalten und Gesundheit beeinflussen – ein Ansatz, der auch die Publikation maßgeblich prägt. „Gerade in der Neurowissenschaft und Medizin ist es entscheidend, biologische und soziale Dimensionen nicht getrennt zu betrachten. Nur so können wir komplexe Phänomene wie Schmerz, Stress oder Krankheitsverläufe wirklich verstehen“, so Kunz.

Internationale Leitlinien mit Signalwirkung

Die Veröffentlichung in Nature Neuroscience richtet sich an Forschende weltweit und versteht sich als praxisnaher Leitfaden für eine moderne, verantwortungsbewusste Wissenschaft. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass die Berücksichtigung von Sex und Gender kein Zusatz, sondern ein grundlegender Qualitätsfaktor guter Forschung ist.

Originalpublikation

Recommendations for the inclusion and study of sex and gender in research,
Nature Neuroscience (2025),  DOI: 10.1038/s41593-025-02164-1

 

 

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