Neue Biomarker für die Therapie von Krebs bei Kindern identifiziert
Studie liefert Ansätze für personalisierte Therapiemöglichkeiten
Ein internationales Forschungsteam entdeckt neue Biomarker für die personalisierte Therapie von soliden Tumoren bei Kindern. An der Studie sind Forschende des Instituts für Informatik der Universität Augsburg beteiligt. Die Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift „Cancer Research“ veröffentlicht. Krebserkrankungen bei Kindern sind zwar selten, aber sie stellen die häufigste Ursache krankheitsbedingter Todesfälle von Kindern dar. Vor allem bei Rückfällen oder besonders aggressiven Tumoren sind die Heilungschancen bislang gering. Innovative Therapieansätze werden daher dringend benötigt. Ein internationales Forschungsteam, an dem die Universität Augsburg beteiligt ist, hat nun umfangreiche Daten für Hochrisiko-Tumore bei Kindern analysiert. Dabei kombinierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler moderne Multi-Omics-Methoden – also hochauflösende und gleichzeitig umfassende Analysen des Genoms und weiterer molekularer Ebenen des Tumorgewebes – mit funktionellen Tests zur Medikamentenempfindlichkeit an patientenspezifischen Tumormodellen. So konnten mögliche Angriffspunkte in den Tumoren identifiziert werden, an denen genau auf den Patienten angepasste Therapien ansetzen können. Besonders vielversprechend sind die Ergebnisse in Hinblick auf zwei Arten von Tumoren: Der Wilms-Tumor, auch Nephroblastom genannt, ist ein bösartiger Nierentumor, der nur im Kindesalter auftritt. Wenn dieser Tumor eine bestimmte Mutation im SIX1-Gen aufweist, dann ist er empfindlich gegenüber MEK-Inhibitoren – einer Medikamentenklasse, die bereits bei anderen Krebsarten eingesetzt wird. Diese greift in die biochemische Signalübermittlung ein, die die Zellteilung und das Absterben von Zellen reguliert. Das Neuroblastom ist die dritthäufigste bösartige Neubildung bei Kindern. Der Tumor betrifft oft die Nebennieren, kann aber auch an anderen Stellen im Körper entlang der Wirbelsäule auftreten. Die Studie konnte zeigen: Zumindest eine Teilgruppe dieser Tumore ist besonders anfällig gegenüber BCL-2-Hemmern wie Navitoclax. Das Medikament wird bisher in klinischen Studien zur Behandlung von Blutkrebs und bei anderen Krebsarten eingesetzt. „Unsere Ergebnisse liefern äußerst wertvolle Hinweise darauf, dass Untergruppen kindlicher Tumorpatienten möglicherweise mit spezifischen Therapien behandelt werden können, die für die entsprechenden Tumore bisher nicht eingesetzt werden“, erläutert Prof. Dr. Matthias Schlesner, Inhaber des Lehrstuhls für Biomedizinische Informatik, Data Mining und Data Analytics an der Universität Augsburg. Er war als leitender Bioinformatiker an der Studie beteiligt. „Es sind noch weitere Untersuchungen notwendig, doch die vorliegenden Daten sind bereits sehr vielversprechend, was neue zielgerichtete Therapieoptionen angeht.“ Damit bestätigen die Ergebnisse auch aktuelle globale Trends in der onkologischen Forschung: „Die Studie zeigt eindrucksvoll, wie die Kombination aus umfassenden molekularen Analysen und funktionellen Tests an patientenspezifischen Tumormodellen die Präzisionsonkologie auch in der Kinderheilkunde entscheidend voranbringen kann“, betont Schlesner. Entstanden ist die Studie mit dem Namen „Predictive Biomarkers in Pediatric Solid Tumors“ in einer Kooperation mit dem Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ) und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Die Daten, die in der Studie analysiert wurden, stammen aus dem internationalen INFORM-Register für pädiatrische Hochrisiko-Tumore. Das INFORM-Register (Individualized Therapy for Relapsed Malignancies in Childhood) ist ein internationales Präzisionsonkologie-Programm, das vom KiTZ koordiniert wird und molekulare Profile von Kindern mit Rückfall- oder Hochrisiko-Tumoren erfasst. Ziel dieses Programms ist es, auf Basis der vorliegenden Daten neue Therapieoptionen zu entwickeln und in die klinische Praxis zu überführen. ElHarouni D, Hernansaiz-Ballesteros R, Peterziel H, Balasubramanian GP, Previti C, Schramm K, Blattner-Johnson M, Kabbe R, Jones BC, Oppermann S, Jones DTW, Pfister SM, Witt O, Saez-Rodriguez J, Oehme I, Jäger N, Schlesner M. Integrative Multiomics and Drug Sensitivity Profiling Reveal Potential Biomarkers and Therapeutic Strategies in Pediatric Solid Tumors. Cancer Research. 2025 Dec 19:OF1-OF12. doi: 10.1158/0008-5472.CAN-24-1938. Epub ahead of print. PMID: 41417259.
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