Peer Support in der Medizin: Augsburger Modell findet bundesweites Interesse
Unterstützungsangebot für Medizinstudierende setzt Maßstäbe
Was an der Universität Augsburg als Pilotprojekt begann, entwickelt sich zu einem bundesweiten Netzwerk: Das Peer-Support-Programm für Medizinstudierende wird inzwischen an vier weiteren medizinischen Fakultäten bundesweit begleitet und umgesetzt. Es stärkt frühzeitig die professionelle Identitätsentwicklung im Medizinstudium und fördert die mentale Gesundheit der angehenden Ärztinnen und Ärzte. Hohe Arbeitsbelastung, schwerwiegende Ereignisse und emotionale Ausnahmesituationen in der klinischen Ausbildung oder die Angst vor Fehlern gehören für viele Medizinstudierende früh zum Alltag. Mit dem Projekt „Peer Support in Medical Education“ hat die Medizinische Fakultät der Universität Augsburg ein Unterstützungsangebot entwickelt, das Studierende bereits im Studium auffängt. Mittlerweile entfaltet das Konzept weit über Augsburg hinaus Wirkung. Vier weitere medizinische Fakultäten bundesweit lassen Studierende als sogenannte Peers ausbilden und haben einen Peer Support. Neben der Technischen Universität München (TUM) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) haben auch die Medizinischen Fakultäten der Goethe-Universität Frankfurt und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg entsprechende Nutzungsvereinbarungen unterzeichnet. Erste Ausbildungsdurchgänge für die Peers haben dort bereits stattgefunden und wurden verstetigt. Peer Support ist ein niederschwelliges Angebot auf Augenhöhe: Speziell ausgebildete Medizinstudierende stehen ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen als vertrauliche Gesprächspartnerinnen und -partner zur Verfügung, wenn diese sich psychisch überlastet fühlen, etwa durch anspruchsvolle Studienanforderungen, schwerwiegende oder belastende Ereignisse im klinischen Einsatz oder persönliche Ausnahmesituationen. Die Gespräche sind niederschwellig, vertraulich und zeitnah verfügbar. Bei Bedarf vermitteln die Peers an weiterführende professionelle Hilfsangebote. Der Peer Support wurde 2022 an der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg als Pilotprojekt entwickelt und erstmals umgesetzt. In Kooperation mit dem gemeinnützigen Verein PSU-Akut e.V. aus München übertrug das Augsburger Team ein ursprünglich für den klinischen Bereich konzipiertes Unterstützungsmodell gezielt auf die besonderen Belastungen des Medizinstudiums. Während das Programm im Medizinstudium etabliert wird, ist das zugrunde liegende Peer-Support-Konzept bundesweit an zahlreichen Kliniken, unter anderem am Universitätsklinikum Augsburg, fest verankert. Die Konzeption des Programms wird durch die VolkswagenStiftung gefördert. Hintergrund des Programms sind nationale und internationale Studien, die zeigen, dass Medizinstudierende schon früh im Studium überdurchschnittlich häufig unter Depressivität, Burnout und psychosozialen Belastungen leiden. Gleichzeitig werden in der medizinischen Ausbildung oftmals Verhaltensmuster wie Perfektionismus, Selbstüberforderung und geringe Selbstfürsorge verinnerlicht. Peer Support setzt innerhalb der Ausbildungsstrukturen an und fördert eine Kultur der Selbst- und kollegialen Fürsorge, die im klinischen Alltag ihre Fortsetzung finden soll. Dass das Augsburger Modell nun an mehreren Standorten übernommen wird und weitere Medizinische und Gesundheits-Fakultäten Interesse bekundet haben, unterstreicht seine Relevanz. Mit dem wachsenden Netzwerk verfolgt der Lehrstuhl für Medizindidaktik und Ausbildungsforschung der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg langfristig das Ziel, ein Kompetenzzentrum für Peer Support in Medical Education aufzubauen – vom Studium bis in den ärztlichen Beruf. So sollen angehende Medizinerinnen und Mediziner früh dafür sensibilisiert werden, Unterstützungsangebote nicht nur selbst zu nutzen, sondern diese Haltung später auch in die klinische Versorgung zu tragen. Zum Peer Support: https://www.uni-augsburg.de/de/fakultaet/med/studium/modellstudiengang-medizin/medizinstudierende/peer-support/ Podcast „Peer Support in Medical Education“
https://open.spotify.com/show/45YHcT3gwWdJksO1pZEtNg
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Unterstützung auf Augenhöhe
„Es geht darum, früh im Studium zu vermitteln: ich darf mir in psychischen Ausnahmesituationen, in denen meine Belastungsgrenzen überschritten werden, Unterstützung holen“, sagt Dr. Iris Warnken, die das Projekt am Lehrstuhl für Medizindidaktik und Ausbildungsforschung leitet und maßgeblich mitentwickelt hat. Peer Support sei deshalb ein zentraler Baustein der professionellen Identitätsentwicklung (Professional Identity Formation) von angehenden Ärztinnen und Ärzten.Gesunde Medizinstudierende – gesunde Ärztinnen und Ärzte
In Augsburg werden die Peers in einem dreitägigen Präsenzkurs ausgebildet und anschließend fachlich begleitet sowie professionell supervidiert. Ergänzend steht belasteten Studierenden eine psychiatrisch-psychotherapeutische Clearing-Sprechstunde an der Universitätsmedizin Augsburg offen.Von Augsburg in die Breite
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