25 Jahre Universitätsarchiv: Das Gedächtnis der Universität Augsburg

Seit einem Vierteljahrhundert bewahrt und erschließt das Universitätsarchiv die Geschichte der Universität Augsburg. Es sorgt dafür, dass wichtige Unterlagen aus Verwaltung, Forschung und Gremien dauerhaft erhalten bleiben und – nach den geltenden Regeln – für Wissenschaft und Öffentlichkeit nutzbar sind.

Das Jubiläum wurde am 29. Januar begangen: Im Mittelpunkt stand dabei nicht die formelle Gründung von 1985, sondern der Start des laufenden Archivbetriebs ab 2000/2001.

Ausgewählte Dokumente und Objekte aus dem Universitätsarchiv zeigten auf der Jubiläumsfeier 25 Jahre Universitätsgeschichte. © Universität Augsburg

Was das Universitätsarchiv leistet

Ein Universitätsarchiv ist weit mehr als ein Ort der Aufbewahrung. In ihm liegen Entscheidungen, Strukturen und Entwicklungen in Schichten übereinander: Prüfungsordnungen, Berufungsakten, Forschungsunterlagen, Protokolle oder historische Fotografien. Manche Dokumente werden häufig genutzt, andere ruhen lange unbeachtet – bis neue Fragestellungen ihnen plötzlich Bedeutung verleihen. So entstehen immer wieder neue Perspektiven auf die Vergangenheit, die helfen, Gegenwart und Zukunft einzuordnen.

Für Verwaltung und Forschung unverzichtbar

Gerade für eine vergleichsweise junge Universität hat das Archiv eine besondere Funktion: Es dokumentiert institutionelle Entwicklung, schafft Rechtssicherheit und sorgt für Transparenz. Verträge, Satzungen oder Beschlüsse lassen sich nachvollziehen, Verantwortlichkeiten klären und Entscheidungswege rekonstruieren.
Gleichzeitig ist das Archiv ein zentraler Anlaufpunkt für historische Forschung – intern wie extern. Studierende sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen die Bestände, um die Geschichte der Universität, ihrer Fächer und ihrer Rolle in Gesellschaft und Region zu untersuchen.

Archivarbeit im digitalen Zeitalter

Dass ein Archiv lebendig bleibt, ist kein Selbstläufer. Bestände wachsen kontinuierlich, Ordnungen müssen angepasst, Materialien neu bewertet – und zunehmend müssen digitale Unterlagen dauerhaft gesichert werden. Archivarbeit bedeutet daher stetiges Weiterdenken: Was ist bewahrenswert? Wie lässt sich Wissen langfristig zugänglich halten? Und wie kann institutionelles Gedächtnis auch dann verlässlich funktionieren, wenn Unterlagen nicht mehr in Aktenordnern, sondern in E-Mails und Dateiablagen entstehen?

Seit 25 Jahren leistet das Universitätsarchiv genau diese Arbeit – oft im Hintergrund, aber mit großer Wirkung.

 

Im Gespräch: Dr. Werner Lengger vom Universitätsarchiv

Was bedeutet es für Sie persönlich, das „Gedächtnis“ der Universität Augsburg zu leiten?

Sehr viel – und das aus mehreren Gründen. Ich bin gebürtiger Augsburger, habe an der Universität Augsburg studiert und hier promoviert. Die Universität Augsburg hat mir anschließend die Möglichkeit geboten, meinen Traumberuf Archivar zu verwirklichen. Und nun habe ich als Archivar die verantwortungsvolle Aufgabe, eine Überlieferung zu bilden, die ganz wesentlich darüber entscheidet, was zukünftige Generationen einmal über die Universität Augsburg wissen können.

 

Als Leiter des Archivs kümmert sich Dr. Werner Lengger um das Gedächtnis der Universität Augsburg und sorgt dafür, dass Wissen nicht verloren geht. © Universität Augsburg

Gibt es Dokumente im Archiv, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken, aber eine große Aussagekraft haben?

Ich werde gelegentlich nach der Gründungsurkunde der Universität gefragt. Man stellt sich darunter wahrscheinlich etwas sehr Repräsentatives vor. Tatsächlich ist unsere Gründungsurkunde aber nur ein Eintrag im Bayerischen Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 21 vom 22. Dezember 1969, wo auf Seite 398 das „Gesetz über die Errichtung der Universität Augsburg“ vom 18. Dezember 1969 zu finden ist.

In welchen Situationen wird deutlich: „Gut, dass wir ein Archiv haben“?

Nicht nur die Universität insgesamt feiert ihre größeren Jubiläen, auch die Fakultäten oder weitere universitäre Einrichtungen. Da ist das Universitätsarchiv natürlich ein wichtiger, ja unerlässlicher Ansprechpartner, wenn es um historische Fakten, Unterlagen oder Fotos geht. Nicht minder wichtig ist ein Archiv für die wissenschaftliche, insbesondere die universitäts- und wissenschaftsgeschichtliche Forschung, für die das hier verwahrte Archivgut eine unverzichtbare Quellengrundlage darstellt. Und nicht zuletzt haben die Professorinnen und Professoren damit die Möglichkeit, ihren wissenschaftlichen Vor- bzw. Nachlass hier zu deponieren, so dass er der Forschung zur Verfügung stehen kann.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen für ein modernes Universitätsarchiv?

Natürlich ist die Digitalisierung in vielerlei Hinsicht eine der größten Herausforderungen, der wir uns stellen müssen und auch wollen. Aber wir spüren auch, dass die finanziellen Spielräume enger werden. Mit dem klassischen archivischen Angebot, alte Unterlagen zu verwahren, kann die Existenz eines Universitätsarchivs heute kaum mehr gerechtfertigt werden. Archivarinnen und Archivare sind aufgrund ihrer Ausbildung Fachleute für Verwaltungsunterlagen vom Frühmittelalter bis zur Gegenwart, während in den Verwaltungen heute mehr und mehr Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger arbeiten, die keine Verwaltungserfahrung mehr mitbringen. Hier können die Archive z. B. durch Schulungen und Handreichungen nötige Kompetenzen vermitteln.

Wie verändert die Digitalisierung die tägliche Archivarbeit – fachlich und organisatorisch?

Das ist ein weites Feld. Daher nur ein Beispiel: Das Universitätsarchiv ist bei der Erfüllung seines zentralen Auftrags, der Überlieferungsbildung, darauf angewiesen, dass alle Einrichtungen und Gremien der Universität ihre Unterlagen in einer Form führen und irgendwann dem Universitätsarchiv zur Archivierung anbieten, aus der sich eine möglichst dichte und vollständige Überlieferung bilden lässt. Das waren bislang in der Regel „analoge“ Akten, in Ordnern nach Aktenzeichen abgelegt. Heute wird vielfach kein Papier mehr abgelegt, die relevanten Informationen verteilen sich auf dienstliche E-Mail-Accounts und Dateiablagen auf Serverlaufwerken. Daraus eine Überlieferung zu bilden, wie wir sie uns vorstellen, ist nahezu unmöglich, da wir etwa auf die E-Mail-Accounts noch gar keinen Zugriff haben. Es besteht die Gefahr, dass diese Phase einmal sehr schlecht dokumentiert ist, dass spätere Generationen nur sehr lückenhaft rekonstruieren können, was sich in dieser Zeit an der Universität Augsburg ereignet hat.

Was ist schwieriger: Papier dauerhaft zu bewahren oder digitale Daten langfristig lesbar zu halten?

Beide Überlieferungsformen haben ihre Tücken. Während das bis ins frühe 19. Jahrhundert genutzte Hadernpapier nahezu unverwüstlich ist, stellt das seither verbreitete, meist säurehaltige Papier die Archive vor große konservatorische Herausforderungen. Digitale Unterlagen aller Art haben den Vorteil, dass relativ leicht Kopien an verschiedenen Stellen abgelegt werden können, was sicherstellt, dass sie nicht verloren gehen. Damit sie aber auch in ferner Zukunft noch geöffnet und verlustfrei gelesen werden können, bedarf es zu Beginn der Auswahl geeigneter Dateiformate und gegebenenfalls später immer wieder einmal der Konvertierung in andere Formate, die eine weitere Lesbarkeit gewährleisten.

Wer nutzt das Universitätsarchiv am häufigsten – und mit welchen Fragestellungen?

Ich würde mir wünschen, dass vor allem die Forschung das Archiv nutzt. Aber es dominieren derzeit noch bei weitem die internen Anfragen, vor allem von den Prüfungsämtern, der Studierendenkanzlei oder der Personalabteilung, die zur Beantwortung von personenbezogenen Auskünften bei uns archivierte Prüfungs-, Studierenden- oder Personalakten anfordern.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Universitätsarchivs?

Das Universitätsarchiv konnte sich in den letzten 25 Jahren so gut und erfolgreich entwickeln, weil die jeweiligen Universitätsleitungen immer bereit waren, die nötigen personellen, räumlichen und finanziellen Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Diese Unterstützung wünsche ich mir auch für die Zukunft – insbesondere mit Blick auf die langfristige Sicherung digitaler Unterlagen, damit die Universität auch in kommenden Jahrzehnten verlässlich dokumentiert bleibt.

Zur Person:

Dr. Werner Lengger trat nach seiner Ausbildung an der Bayerische Archivschule am 1. August 2000 seinen Dienst als Universitätsarchivar an. Mit dem Bezug der Räumlichkeiten am Standort Alte Universität im Januar 2001 nahm das Universitätsarchiv seinen Betrieb wirklich auf. Seit der Neufassung des Statuts 2003 leitet er das Archiv.

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