Wie Bodenerosion in tropischen Regionen Landwirtschaft, Wasserhaushalt und Klima beeinflusst
Start einer neuen Emmy-Noether-Forschungsgruppe der Universität Augsburg, die von der Deutschen Forschungsgesellschaft mit 1,78 Millionen Euro gefördert wird
Es ist eine Veränderung, die oft unbemerkt bleibt: Während tropische Agrarregionen immer höhere Erträge liefern, verändern sich die Böden möglicherweise schneller als wir denken – und zwar nicht zum Besseren. Genau diesem kaum beobachteten, aber global folgenreichen Prozess widmet sich ab März 2026 eine neue Emmy-Noether-Forschungsgruppe an der Universität Augsburg unter der Leitung des Bodenwissenschaftler Dr. Pedro Batista. Im Zentrum der Forschung steht Brasilien: größter Produzent von Soja, Kaffee und Zuckerrohr, sowie zugleich Hüter riesiger Wasser- und Waldressourcen. Doch der Erfolg der intensiven Landwirtschaft hat Schattenseiten. Insbesondere im Cerrado, dem savannenartigen Ökosystem im Zentrum des Landes, hat die Bodenerosion aufgrund von Entwaldung und Intensivierung der Landwirtschaft massiv zugenommen. Wie stark sich die Böden dadurch verändern – und was das langfristig für Ernährungssicherheit, Wasserhaushalt und Klimaschutz bedeutet – ist bislang kaum erforscht. Hier setzt die neue Emmy-Noether-Forschungsgruppe an. Das Team um Dr. Pedro Batista will erstmals die „Lebensläufe“ tropischer Böden im 21. Jahrhundert nachzeichnen. Mit Felddaten vor Ort, modernen Erosionsmesstechniken und neu entwickelten Simulationsmodellen soll sichtbar werden, wie schnell Böden ihre Funktionen verlieren – und welche Kettenreaktionen das auslöst: für Ernten, für Wasserspeicherung, für den Kohlenstoffkreislauf. Denn der Boden ist zentraler Speicher für Wasser und Kohlenstoff. Dessen Verlust wirkt sich daher unmittelbar auf landwirtschaftliche Erträge, regionale Wasserkreisläufe und den Klimaschutz aus. „Tropische Böden sind besonders gefährdet“, erklärt Batista. „Sie sind oft sehr alt, stark verwittert und haben nur einen dünnen, fruchtbareren Oberboden. Ist diese erst einmal erodiert, ist der Schaden kaum noch rückgängig zu machen und die Folgen sind schwer abzuschätzen.“ Für den Bodenwissenschaftler ist das Thema mehr als ein Forschungsprojekt. Er stammt aus einer ländlichen Region Brasiliens und hat die Folgen von Bodenerosion schon früh erlebt. Dennoch, betont er, stehe die Neugier im Mittelpunkt: „Meine größte Motivation ist die Grundlagenforschung – der Wunsch, Prozesse zu verstehen und neue Dinge herauszufinden.“ „An der Arbeitsgruppe für Wasser- und Bodenressourcenforschung der Universität Augsburg entsteht dafür ein neuer Modellansatz zur Analyse tropischer Bodensysteme. Mit ihm lassen sich dann großskalige Szenarien simulieren: Wie verändern sich Böden? Was bedeutet das für Ernten, Kohlenstoffspeicher oder die Wasserregulation?“, sagt Prof. Dr. Peter Fiener, in dessen Arbeitsgruppe Batista mit seinem Projekt angesiedelt ist. Die Forschung soll damit zentrale Wissenslücken in den Tropen schließen und Werkzeuge schaffen, um Bodendegradation frühzeitig zu erkennen und besser zu managen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Vorhaben mit rund 1,78 Millionen Euro. Das Emmy-Noether-Programm ermöglicht es, herausragenden Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, frühzeitig eine eigene Forschungsgruppe aufzubauen. Die Forschungsgruppe arbeitet in einem internationalen Netzwerk mit Partnern aus Deutschland, Brasilien, den USA, Großbritannien und Frankreich. Partner der Universität Augsburg beim Projekt:
E-Mail:
pedro.batista@geo.uni-augsburggeo.uni-augsburg.de ()
E-Mail:
peter.fiener@geo.uni-augsburggeo.uni-augsburg.de ()
E-Mail:
michael.hallermayer@presse.uni-augsburgpresse.uni-augsburg.de ()
Wissenschaftlicher Kontakt
Medienkontakt