Wie entstehen auf Zellebene Alzheimer und Parkinson?

Seit Kurzem ist Dr. Leonardo Silva-Dias als Stipendiat der Alexander von Humboldt Stiftung an der Universität Augsburg zu Gast. Der promovierte Chemiker untersucht biomolekulare Abläufe rund um krankhafte Veränderungen in Nervenzellen. Seine Forschung könnte helfen, die Entstehung neurodegenerativer Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson besser zu verstehen.

 

Die Universität Augsburg heißt einen neuen internationalen Gastwissenschaftler willkommen: Dr. Leonardo Silva-Dias ist im April 2026 als Humboldt-Fellow nach Augsburg gekommen. Gastgeber ist Prof. Dr. Christoph A. Weber, Leiter des Lehrstuhls für Theoretische Physik II und der Forschungsgruppe „Mesoscopic Physics of Life“.

Bindemittel auf Zellebene

In Augsburg arbeitet Silva-Dias an der Schnittstelle von Physik, Biologie und Chemie. Er untersucht bestimmte Abläufe auf Zellebene, die unter anderem dazu führen, dass Proteine in

Als Humboldt-Fellow nach Augsburg gekommen: der Chemiker Dr. Leonardo Silva-Dias. © Universität Augsburg

Nervenzellen verklumpen. Solche Verklumpungen, sogenannte Proteinaggregate, sind typische Merkmale von neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson. An dem Prozess beteiligt sind Bindemittel innerhalb der Zelle. Diese Bindemittel sind im Körper notwendig, um bestimmte Strukturen innerhalb der Zelle, sogenannte biomolekulare Kondensate, zu bilden. Das sind dynamische Strukturen in Zellen, die sich ohne feste Membran bilden und wichtige Funktionen übernehmen. Ist deren Bildung gestört, kann es zu krankhaften Veränderungen kommen.

Alzheimer besser verstehen

Doch wie läuft das konkret ab? Welche Mechanismen stecken dahinter? Das möchte Silva-Dias in seiner Arbeit untersuchen. „Mein Ziel ist es, ein theoretisches Rahmenwerk zu entwickeln, das diese Abläufe beschreibt“, sagt er. Er möchte herausfinden, warum es in dichten Zellumgebungen wie dem Zellinneren (Zytoplasma) zu fehlerhaften Abläufen kommt und wie diese reguliert werden können.

„Ich hoffe, dass wir neue Einblicke in die Entstehung von Proteinaggregaten gewinnen und damit zu einem besseren Verständnis neurodegenerativer Erkrankungen beitragen können.“ Dieses Wissen könnte langfristig helfen, neue Ansätze für Therapien zu entwickeln.

Von Brasilien nach Deutschland

In Augsburg wird Silva-Dias eng mit der Forschungsgruppe „Mesoscopic Physics of Life“ von Christoph A. Weber zusammenarbeiten. Diese beschäftigt sich mit physikalischen Prozessen in biologischen Systemen auf mittleren Größenskalen – insbesondere mit Abläufen bei der räumlichen Organisation des Zellzytoplasmas und der Bildung von Urzellen am Ursprung des Lebens. Zudem wird Silva-Dias die Hochleistungsrechner der Universität nutzen, mit denen komplexe Simulationen möglich sind.

Leonardo Silva-Dias studierte Chemie an der Bundesuniversität von São Carlos in Brasilien, wo er auch promovierte. Studien- und Forschungsaufenthalte führten ihn an die University of Connecticut und die Brandeis University in den USA.

Stipendium

Das Humboldt‑Forschungsstipendium ermöglicht exzellenten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Ausland einen bis zu 24‑monatigen Forschungsaufenthalt in Deutschland. Die Alexander von Humboldt Stiftung fördert damit weltweit überdurchschnittlich qualifizierte Forschende und unterstützt sie mit individueller Betreuung und einem breit gefächerten Netzwerk.

 

Weitere Infos zur Forschungsgruppe „Mesoscopic Physics of Life“ (Engl.):

https://www.uni-augsburg.de/de/fakultaet/mntf/physik/groups/theo2/

 

cg

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