Pressemitteilung 55/26 - 17.06.2026

Hoffnung auf bessere Behandlung kognitiver Einschränkungen bei Schizophrenie

Internationale Studie mit Beteiligung der Augsburger Universitätspsychiatrie untersucht etabliertes Herzmedikament

Menschen mit Schizophrenie leiden häufig nicht nur unter psychotischen Symptomen, sondern auch unter Einschränkungen von Aufmerksamkeit und Gedächtnis. Eine multizentrische Studie, die an vier bayerischen Universitätsklinika durchgeführt worden ist, mit maßgeblicher Beteiligung von Prof. Dr. Alkomiet Hasan von der Universitätspsychiatrie Augsburg und Prof. Dr. Peter Falkai vom LMU Klinikum München zeigt nun, dass der Wirkstoff Spironolacton das Potenzial haben könnte, diese kognitiven Beeinträchtigungen zu verbessern.

 

Etabliertes Herzmedikament könnte helfen, kognitive Einschränkungen bei Schizophrenie zu verbessern.

An der Placebo-kontrollierten klinischen Studie waren mehrere wissenschaftliche Einrichtungen aus Deutschland sowie ein Forschungspartner aus den USA beteiligt. Die Forschenden untersuchten, ob Spironolacton – ein seit den 1960er Jahren bekanntes Medikament zur Behandlung von Herzinsuffizienz – auch positive Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit von Menschen mit Schizophrenie haben kann. Bisher gibt es keine wirksamen pharmakologischen Behandlungsoptionen für die kognitiven Symptome bei der Schizophrenie. In der Studie erhielten die Teilnehmenden über einen Zeitraum von drei Wochen entweder 100 Milligramm oder 200 Milligramm Spironolacton oder ein Placebo. Vor und nach der Behandlung wurden verschiedene kognitive Leistungen wie Aufmerksamkeit und Gedächtnis getestet.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Spironolacton die kognitive Leistungsfähigkeit von Menschen mit Schizophrenie verbessern könnte, wobei die Befunde als präliminär zu verstehen sind: „Kognitive Einschränkungen gehören zu den belastendsten Symptomen der Schizophrenie, weil sie den Alltag und die soziale Teilhabe der Betroffenen stark beeinflussen“, sagt Prof. Dr. Alkomiet Hasan, Inhaber des Lehrstuhls für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Fakultät Augsburg und Erstautor der Studie. „Unsere Ergebnisse zeigen erstmals in einer klinischen Studie, dass ein bereits etabliertes Medikament hier möglicherweise einen therapeutischen Nutzen haben könnte. Allerdings müssen diese Befunde in größeren Stichproben repliziert werden.“

Neue Chancen durch bekannte Medikamente

Die Studie ist zugleich Teil eines wichtigen Forschungsschwerpunkts des Lehrstuhls für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Augsburg und der lokalen Aktivitäten des Deutschen Zentrums für psychische Gesundheit am Standort München-Augsburg: dem sogenannten Drug Repurposing. Dabei werden bereits zugelassene Medikamente darauf untersucht, ob sie auch bei anderen Erkrankungen wirksam eingesetzt werden können. Der Vorteil dieses Ansatzes liegt darin, dass Wirkstoffe, Nebenwirkungen und Sicherheitsprofile häufig bereits gut bekannt sind. „Drug Repurposing eröffnet die Möglichkeit, neue Therapieansätze schneller in die klinische Anwendung zu bringen“, erklärt Prof. Peter Falkai, Lehrstuhlinhaber für Psychiatrie und Psychotherapie am LMU Klinikum München. „Gerade in der Psychiatrie und Psychotherapie, wo dringend neue Behandlungsoptionen benötigt werden, ist das ein sehr vielversprechender Weg.“ Das neurobiologische Labor aus der Klinik von Prof. Falkai hatte die Grundlagenforschung für diese Studie in den letzten 15 Jahren vorangebracht.

Weitere Studien notwendig

Besonders interessant sei dabei, dass Spironolacton bereits seit Jahrzehnten klinisch eingesetzt werde und seine Wirkungen sowie Nebenwirkungen gut bekannt seien. Bevor ein Einsatz in der klinischen Routine möglich ist, seien jedoch weitere Studien mit größeren Patientengruppen notwendig. Die Forschenden betonen, dass die aktuellen Ergebnisse einen wichtigen Schritt darstellen, zugleich aber noch keine unmittelbare Änderung der Behandlungsempfehlungen bedeuten. Ziel weiterer Untersuchungen wird es sein, die Wirksamkeit und Sicherheit der Therapie langfristig zu überprüfen.

Originalpublikation

Hasan, A., Leucht, S., Roeh, A. et al. Antagonizing NRG1-ERBB4 signaling pathway with spironolactone for the treatment of schizophrenia: results of a randomized controlled drug repositioning clinical trial. Communications Medicine 6, 337 (2026). DOI: https://doi.org/10.1038/s43856-026-01714-3

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