Pressemitteilung 76/26 - 30.07.2026

Augsburger Forschung im All: Universität an europäischer ESA-Mission beteiligt

Ab 2030 soll die europäische Mission Schwerewellen in rund 90 Kilometern Höhe untersuchen – die wissenschaftliche Leitung liegt bei der Universität Augsburg und dem DLR

Erfolg für die Universität Augsburg in der Weltraumforschung: Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat die Satellitenmission SOVA-S zur Umsetzung ausgewählt. Ziel ist es, ab 2030 die obere Atmosphäre mit einer speziellen Infrarotkamera zu untersuchen. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Prof. Dr. Michael Bittner, Professor für Atmosphärenfernerkundung an der Universität Augsburg und Abteilungsleiter am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), sowie bei Priv.-Doz. Dr. Sabine Wüst von der Universität Augsburg und Gruppenleiterin am DLR. Gemeinsam verantworten sie die wissenschaftlichen Ziele der Mission, das Messkonzept und die wissenschaftliche Nutzung der Missionsdaten.

Die Universität Augsburg war über die Forschungsarbeiten der Professur für Atmosphärenfernerkundung wesentlich an der wissenschaftlichen Konzeption beteiligt. Der Start ist für 2030 geplant. Die operative Gesamtprojektleitung liegt bei den Industriepartnern unter Führung von OHB CzechSpace.

Prof. Dr. Michael Bittner und PD Dr. Sabine Wüst (beide Universität Augsburg) stehen vor einem Modell des Satelliten der die Messinstrumente des Projektes SOVA-S enthalten wird. © Universität Augsburg

Bereits im Mai 2025 war bekannt geworden, dass SOVA-S zu den Finalisten in einem hochkompetitiven Auswahlverfahren der ESA gehört. Mit der Auswahl wird jetzt aus dem Missionsvorschlag ein konkretes Raumfahrtprojekt.

„Dass SOVA-S nun tatsächlich umgesetzt wird, ist für uns ein großer Erfolg und zugleich eine große wissenschaftliche Chance. Viele Jahre vorbereitender Forschung an der Universität Augsburg und am DLR fließen damit in eine europäische Satellitenmission ein, die uns helfen wird, Prozesse in der oberen Atmosphäre deutlich besser zu verstehen“, sagt Prof. Dr. Michael Bittner.

Worum es bei der Weltraummission geht

SOVA-S steht für „Satellite Observation of Waves in the Atmosphere – Scout“. Die Mission soll atmosphärische Schwerewellen global beobachten – und zwar in einem schwer zugänglichen Höhenbereich: in der Übergangszone zum Weltraum in etwa 90 Kilometern Höhe.

„Diese wellenartigen Strömungen spielen eine wichtige Rolle für Klimaprozesse und die Wechselwirkung zwischen Atmosphäre und Weltraum. In Modellen sind sie bislang aber nur unzureichend erfasst, weil globale Beobachtungsdaten fehlen. SOVA-S wird solche Daten zur Aktivität von Schwerewellen am Rand zum Weltraum liefern“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Sabine Wüst.

An Bord des Kleinsatelliten wird eine hochauflösende Infrarotkamera sein. Sie misst die Intensität des sogenannten Airglows, also eines schwachen natürlichen Luftleuchtens in der Atmosphäre. Veränderungen in diesem Leuchten machen Schwerewellen sichtbar und erlauben Rückschlüsse auf deren Stärke, Ausbreitungsrichtung und Wellenlänge. Dazu wird an der Augsburger Professur für Atmosphärenfernerkundung bereits seit Jahren geforscht.

Wissenschaftliche Leitung aus Augsburg

Die wissenschaftliche Leitung der Mission liegt bei Prof. Dr. Michael Bittner und Priv.-Doz. Dr. Sabine Wüst. Sie haben mit ihrem Team die wissenschaftlichen Ziele der Mission entwickelt und die fachlichen Anforderungen an die Messungen formuliert. Unterstützt werden sie dabei durch ein international zusammengesetztes unabhängiges Wissenschaftsgremium, die Science Advisory Group, die von Prof. Dr. Christian von Savigny von der Universität Greifswald geleitet wird. Vorbereitende Arbeiten wurden in den vergangenen Jahren auch im Rahmen von Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten an der Universität Augsburg geleistet.

Die Gesamtverantwortung für Entwicklung, Bau und Betrieb des Satelliten liegt bei einem Industriekonsortium unter Führung von OHB CzechSpace. Dieses setzt die Mission im Auftrag der ESA gemeinsam mit den wissenschaftlichen Partnern um.

Von der Zugspitze ins All

Nach dem geplanten Start im Jahr 2030 soll SOVA-S für zwei bis fünf Jahre Daten aus einem erdnahen Orbit liefern. Daran wird sich eine mehrjährige wissenschaftliche Auswertungsphase anschließen, an der dann viele Forschungseinrichtungen aus verschiedenen Nationen beteiligt sein werden.

 

Flugkonfiguration des Satelliten: Die Messinstrumente sind auf den Erdboden ausgerichtet und der Satellit umkreist die Erde in einer Höhe von etwa 550km, um das atmosphärische Luftleuchten zu erfassen (rotgrüner Schleier), dass die erde umgibt. © Universität Augsburg

Die vom Boden aus an der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus auf der Zugspitze seit vielen Jahren durchgeführten Airglowmessungen des DLR und der Universität Augsburg bildeten eine wesentliche wissenschaftliche Grundlage für die Entwicklung des Missionskonzepts. Nach dem Start werden diese Messungen außerdem zur Validierung der Satellitendaten eingesetzt. „Geplant ist hier auch die Koordination eines weltweiten bodengebundenen Messnetzes zur begleitenden Validierung“, sagt Wüst.

„Mit der Auswahl durch die ESA wird aus SOVA-S ein konkretes europäisches Weltraumprojekt. Für die Universität Augsburg und das DLR ist das ein sichtbares Zeichen dafür, dass langjährige Forschung zur oberen Atmosphäre auch im internationalen Wettbewerb überzeugt“, sagt Bittner.

tb

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