Pressemitteilung 94/26 - 22.09.2026

DFG bewilligt neue Forschungsgruppe „Thinking with Wetlands“

Großer Erfolg für die Augsburger Umwelt- und Kulturwissenschaften

Mit der Bewilligung der neuen Forschungsgruppe „Thinking with Wetlands“ stärkt die Universität Augsburg ihr Profil in der Verbindung von Kulturwissenschaften und Umweltforschung. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt wird in den kommenden Jahren federführend von Augsburg aus koordiniert.

Blick über eine Moorlandschaft mit Wasser und bräunlichem Gras. Im Hintergrund ein kleiner Baum mit lichter Krone und blauer Himmel.
Symbolbild © Colourbox

Die neue Forschungsgruppe unter Leitung von Prof. Dr. Simone M. Müller, DFG-Heisenberg Professorin für Globale Umweltgeschichte und Environmental Humanities an der Universität Augsburg, untersucht die historische, umwelt- und wissensgeschichtliche Bedeutung von Feuchtgebieten im Zeitraum von 1630 bis 1997. Die Initiative verbindet die Expertise des Instituts für Europäische Kulturgeschichte (IEK), des Wissenschaftszentrums Umwelt (WZU) und des Bukowina-Instituts.

Sümpfe, Moore, Marschen wurden lange als wilde, schwer kontrollierbare Räume wahrgenommen, die es zu kultivieren galt. Heute weiß man, welche lebenswichtigen Funktionen diese Grenz- und Übergangszonen innehaben: Feuchtgebiete binden Kohlenstoffdioxid, schützen Küstenlinien, filtern und reinigen Wasser.

Im Rahmen der „Environmental Humanities“ wirft die neue Forschungsgruppe „Den Sumpf mitdenken – Geschichten aus der Zwischenzone, 1630–1997“ einen neuen Blick auf die Erfahrungen und oft umstrittenen Visionen und Terminologien der Beziehung zwischen Mensch und Feuchtgebiet. Insgesamt soll Aufschluss darüber gewonnen werden, wie Menschen in Mittel- und Westeuropa mit Sümpfen gelebt und gedacht haben, sie als Quelle philosophischer Inspiration wahrnahmen – und warum sie schon früh für ihren Schutz kämpften.

Natur und Mensch im Wechselspiel

Die Präsidentin der Universität Augsburg, Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, gratuliert und betont die strategische Bedeutung: „Die Bewilligung dieser DFG-Forschungsgruppe ist ein großartiger Ausweis der wissenschaftlichen Exzellenz an unserer Universität. Sie zeigt eindrucksvoll, wie gewinnbringend unsere Geistes- und Kulturwissenschaften mit der modernen Umwelt- und Klimaresilienzforschung verzahnt sind. Ich gratuliere dem gesamten Team um Frau Professorin Müller herzlich zu diesem Meilenstein.“

Den innovativen Forschungsansatz verdeutlicht die Sprecherin der Forschungsgruppe, Prof. Dr. Simone M. Müller: „'Thinking with Wetlands' geht von einer grundlegenden Prämisse der Umweltgeschichte aus. Wir fragen nicht nur, wie Menschen Natur verändert haben, sondern auch, wie menschliches Handeln von der Natur geprägt wurde. Wie haben Menschen ihrer Zeit Landschaften durchstreift, berührt oder über Gerüche wahrgenommen? Wie haben sie sich Schlamm und Wasser ausgesetzt und sich davon inspirieren lassen – sei es in der Kunst, der Wissenschaft oder bei technologischen Entwicklungen wie dem Anlegen künstlicher Feuchtgebiete als Wasserkläranlagen? Um hier Antworten zu finden, reicht es nicht, im Archiv zu sitzen und die Vergangenheit zu studieren. Wir müssen uns selbst diesen Landschaften aussetzen, um beispielsweise zu verstehen, was Volta meint, wenn er von ‚Sumpfluft‘ spricht.“

Langfristige Förderung und Nachwuchssicherung

Das Format der DFG-Forschungsgruppe ermöglicht mehreren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, über eine Dauer von bis zu acht Jahren intensiv an dieser Aufgabe zu arbeiten. Ein besonderer Fokus liegt auf der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses: In den verschiedenen Teilprojekten werden in den kommenden Monaten zahlreiche neue Stellen für Promovierende und Postdocs geschaffen. Die Arbeiten in Augsburg werden voraussichtlich Anfang 2027 offiziell aufgenommen.

 

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Globale Umweltgeschichte und Environmental Humanities

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