Lena Breitschwerd, Master ReWi

Vorbereitung

Der Bewerbungsprozess beginnt mit einer schriftlichen Bewerbung, nach der man im Erfolgsfall zu einem Bewerbungsgesprächeingeladen wird. Bei diesem wird man in Gruppen zu diversen Aspekten der amerikanischen Gesellschaft und Kultur befragt, beispielsweise zu aktuellen politischen oder kulturellen Ereignissen. Ein paar Tage danach erhält man schließlich eine Zu-oder Absage. Ungefähr Ende Februar erhielt ich eine E-Mail von meiner amerikanischen Ansprechpartnerin für das Austauschprogramm - In meinem Semester war dies die Professorin Donna Nixon. Anschließend musste ich einige studienrelevante Unterlagen wie Sprachnachweise und Zeugnisse an die amerikanische Universität schicken.

 

Visum

Um im Rahmen des Austauschprogrammesindie USA einreisen zu dürfen, benötigt man ein F1 Studentenvisum. Dies kann man online bei der amerikanischen Botschaft beantragen. Hierfür benötigt man ein sog. I-20 Formular der amerikanischen Universität, das einem ca. im Juni per Post zugeschickt wird. Sobald dieses Formular vorliegt, sollte man zeitnah das Visum beantragen. Auf der Website der amerikanischen Botschaft muss man dann einen Fragenkatalog zu seiner Person und zum Grund des Aufenthalts in den USA ausfüllen. Nachdem die zwei Gebühren in Höhe von insgesamt ca.$ 300 überwiesen wurden, kann man einen Termin im amerikanischen Konsulat vereinbaren. Es gibt mehrere Konsulate in Deutschland, eines davon ist in München. Beim Termin im Konsulat werden Fingerabdrücke genommen, man muss ein Foto abgeben und man unterhält sich kurz mit einem Mitarbeiter über den Grund für das Visum und den Aufenthalt. Nach ein paar Tagen erhält man schließlich den Reisepass mit dem Visum auf dem Postweg zurück.

 

Krankenversicherung

Die amerikanische Universität verlangt eine Krankenversicherung für die Dauer des Aufenthaltsund hat dafürrelativ hoheAuflagen. Die UNCbietetauch eine eigene Krankenversicherungan, diejedoch verhältnismäßig teuer ist. Nach einem kurzen Vergleich habe ich mich für die Auslands-krankenversicherung des ADAC entschieden.

 

Wohnung

Der große Vorteil der UNC ist, dass man sich als Austauschstudent nicht um eine Wohnungkümmern muss. Die Universität hat für alle Austauschstudenten der Law School einen Platz im Wohnkomplex „Baity Hill“ reserviert. Hierfür muss man sich lediglich online bei der Unterkunft registrieren, über die Details und das Prozedere der Registrierung wird man zu gegebener Zeit von derAnsprechpartnerin der UNC informiert. Während des Auslandssemesters wohnt man mit einem anderen Austauschstudenten in einem Apartment in der „Mason Farm Road“. Dies ist ca.15 min zu Fuß von der Law School entfernt und liegt mitten im Grünen. Das großzügige Apartment ist möbliert und besteht aus zwei Schlafzimmern, einem Bad und einer Wohnküche. Die Miete beträgt monatlich zwischen $ 620 und $ 645, was für amerikanische Verhältnisse sehr günstig ist. Im Haus gibt es auch eine Waschküche mit mehreren Waschmaschinen und Trocknern, die man für $ 1 pro Waschgangund $ 0,50 je Trockengang nutzen kann.

 

Anreise/Ankunft

Sobald ich herausgefunden habe, wann das Semester beginnt und endet, habe ich angefangen, mich nach Flügen umzusehen. Das beste Angebot habe ich in einem Reisebüro gefunden. Der nächste Flughafen in der Nähe von Chapel Hill ist der „Raleigh/Durham International Airport“ (RDU). Direktflüge von München gibt es meines Wissens nach nicht, deswegen musste ich beim Hinflug einen Zwischenstopp in Philadelphia und beim Rückflug in London einlegen. Einige meiner Kommilitonen haben ihre Anreise mit einem Kurzaufenthalt verbunden, hierfür würden sich beispielsweise New York oder Miami anbieten. Ich bin abends in Raleigh angekommen und wurde von unserer Betreuerin Rebecca, einer Mitarbeiterin von Donna, am Flughafen abgeholt. Am besten fragst du vor deiner Anreise nach, ob es möglich ist, dass dich jemand abholt. Alternativ kann man auch den Bus oder Uber nutzen.Die Wohnung konnte man zwischen 9 Uhr und 15 Uhr beziehen, deswegen habe ich für die erste Nacht ein Zimmer in einem Hotel gebucht. Das Apartment ist zwar möbliert, jedoch sind beispielsweise weder Decken, Bettlaken noch Bettbezüge vorhanden. Leider konnten wir auch nichts von unseren Vorgängern übernehmen. Deswegen bin ich mit einigen meiner Kommilitonen zum Walmart in der Nähe gefahren und habe alles Notwendige eingekauft. Wenn du in Chapel Hill ankommst, kannst du aber deine Betreuerin nach Haushaltsgegenständen fragen, weil meine Kommilitonen und ich einige Dinge wie Töpfe, Bettdecken usw. für unsere Nachfolger hinterlassen haben. Du solltest auf jeden Fall daran denken, Adapter einzupacken, denn in den USA ist ein anderes Steckdosenformat üblich.

 

Leben in Chapel Hill

Chapel Hill ist eine Campusstadt mit ca. 60.000 Einwohnern im Herzen von North Carolina, einem Bundesstaat an der Ostküste der USA. Die Stadt besteht im Wesentlichen aus dem Campus der Universität, dementsprechend sind auch die meisten Einwohner Studenten. Viele davon tragen im Alltag hauptsächlich UNC-Merchandise-Kleidung, in „Carolina Blue“. Daneben prägen die Studentenverbindungshäuser und Sportstadien das Stadtbild. Während einem Semester an der UNC darf man sich die Sportveranstaltungen auf keinen Fall entgehen lassen! Diese sind für Studenten, mit Ausnahme der Basketballspiele der Männer, kostenlos. Das Basketball Stadion ist ca. 3 Min von deiner Unterkunft entfernt. Es lohnt sich definitiv, auch als Nicht-Basketball-Fan ein Spiel zu besuchen und diesen zentralen Teil der amerikanischen Kultur zu erleben. Manchmal finden auch Spiele der amerikanischen Profi-Basketball-Liga NBA statt. Auch American Football Spiele im großen Stadium mitten in Chapel Hill sollte man sich ansehen, die Atmosphäre und Begeisterung bei solchen Veranstaltungen ist einfach einmalig! Als Student darf man auch viele Sportangebote der Universität kostenlos nutzen. Es gibt unter Anderem Schwimmbäder, Tennisplätze, Fußballplätze und Fitnessstudios, die auch verschiedene Kurse wie Yoga und Zumba anbieten. Es ist also für jeden etwas dabei. In Chapel Hill gibt es keine Diskotheken, doch das heißt nicht, dass es langweilig wird. Vor allem in der „Franklin Street“ gibt es sehr viele Bars und tolle Restaurants.

 

Einkaufen

Zwar gibt innerhalb der Stadt einen kostenlosen Bus, jedoch sind Supermärkte damit schwer zu erreichen. Um Einkaufen zu gehen benötigt man also ein Auto. Zusammen mit ein paar anderen Austauschstudenten habe ich manchmal ein Uber gebucht und die Kosten für die Fahrt geteilt. Ich kann auch definitiv empfehlen euch bei der Autovermietung ZipCar anzumelden. Circa5 min von eurem Wohnhaus steht ein Mietauto das man für $ 5,50 pro Stunde mieten kann. Das Auto haben wir zum Einkaufen und für Ausflüge in North Carolina, zum Beispiel zum See „JordanLake“ genutzt. Nach kurzer Eingewöhnung ist das Autofahren in den USA gar kein Problem. Für den wöchentlichen Einkauf empfehle ich den Aldi in Durham, ca.10 min mit dem Auto von Baity Hill entfernt. Dort bekommt man alles Nötige zu einem sehr günstigen Preis. Vor allem Obst und Gemüse sind dort billiger als in anderen Supermärkten.

 

Wetter

Das Wetter war sehr abwechslungsreich während meines Semesters. Im August und September war es heiß und schwül, im Oktober und November hat man einen wunderschönen goldenen Herbst und im Dezember hat es schließlich geschneit. Beim Packen muss man sich also auf verschiedene Wetterlagen einstellen. In Amerika hat jedes Gebäude eine Klimaanlage, die meistens sehr kalt eingestellt sind. Es hilft also, auch bei sehr heißem Wetter einen Pullover mitzunehmen und lange Hosen zu tragen, wenn man z.B. in die Law School oder zum Einkaufen geht.

 

Law School

Die Law School ist ca. 15 Minuten zu Fuß von dem Apartment entfernt. Man kann jedoch auch einen Bus oder Leihfahrräder nehmen.

 

Zu Beginn des Semesters finden einige Einführungsveranstaltungenstatt, bei denen man die Law School und die Abläufe kennenlernt. Dadurch wurde mir der Einstiegsehr erleichtert.

Während der Vorbereitung bekommt man von der Universitäteine Liste mit den Kursen zugeschickt, die man belegen kann. Bei der Auswahl muss man beachten, dass man für das Visum Veranstaltungen mit insgesamt mindestens 9 LP belegen muss, das entspricht etwa drei bis vier Kursen.

 

Meine Kurse:

  1. Introduction to the Law of the US(1 LP)–Prof. Donna Nixon. Diesen Kurs belegen alle ustauschstudenten der LawSchool. Man lernt während der sechswöchigen Vorlesung die Grundlagen des amerikanischen Rechts und des politischen Systems kennen. Im Rahmen des Kurses haben wir auch eine Filmnacht und einen Ausflug zum Supreme Court of North Carolina gemacht, dem höchsten Gericht des Bundesstaates. Der Kurs endete mit einem kurzenTest zum Unterrichtsstoff. Prof. Nixon hält die Vorlesung sehr lebendig und abwechslungsreich.
  2. Business Associations(4 LP)-Prof. Thomas Lee Hazen. Dieser Kurs behandelt das amerikanische Gesellschaftsrecht. Man muss zwar während des Semesters viellesen, jedoch hält Professor Hazen die Vorlesung lebendig und mit Humor.Ein großer Pluspunkt war, dass der Professor keinen Studenten während der Vorlesung aufruft, sondern sich viele der amerikanischen Studenten freiwillig melden. Der Kurs schließt mit einem Multiple Choice Test mit 180 Fragen ab.
  3. Income Taxation (4 LP) –Prof. Leigh Osofsky. Dieser Kurs behandelt das amerikanische Einkommensteuerrecht. Da ich in Augsburg auch den Steuerschwerpunkt belege, war es spannend zu lernen, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten es zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Steuerrecht gibt. Auch diese Vorlesung wurde lebendig gehalten und der Vorlesungsstoff gut aufgeteilt. Jede Woche hat man „Unit Assignments“ bekommen, so dass man sich entsprechend auf die nächste Woche vorbereiten konnte. Man wurde zwar während der Vorlesung wie in den USA üblich aufgerufen, jedoch war das kein Grund zur Panik:Die Professorin ruft die Studenten nach der Namensliste auf. Dadurch war es abschätzbar, wann man mit einer Frage rechnen musste. Die Fragen behandelten immer den Stoff der Woche, z.B. nach der Lösung einer Aufgabe oder nach einem Fall, den man lesen sollte.

Die Kurse werden vor Beginn des Semesters gewählt, jedochkann man diese in den ersten zwei Unterrichtswochen auch noch ändern, falls man mit einem Kurs unzufrieden ist.

 

In den USA wird mit der „Socratic Method“ gelehrt, das bedeutet, dass sich die Studenten für die jeweilige Vorlesung vorbereiten müssen und der Professor die Studenten während der Vorlesung zum Stoff befragt. Jedoch keine Panik! Im „Syllabus“ jeder Vorlesung, eine Art Einführung des Professors mit einer Übersicht des Stoffes und den Zielen der Vorlesung, beschreibt der Professor,wie er dabei vorgeht: Ob er während der Vorlesung willkürlich jemanden aufruft, gar nicht aufruft, oder z.B. die Studenten nach der Namensliste abfragt. Grundsätzlich wird man sehr selten aufgerufen. Falls es doch mal passieren sollte ist das jedoch halb so schlimm, denn die Professoren waren meiner Erfahrung nach immersehr nett.Während des Auslandssemesters an der UNC wird man sehr gut betreut. Wenn man Probleme oder Sorgen hat, gerade zu Beginn des Semesters, kann man sich immer an seine Ansprechpartnerwenden, die einem dann mit Rat und Tat zur Seite stehen.

 

Reisen

Bei einem Auslandssemester in die Vereinigten Staatendarf das Reisen natürlich nicht zu kurz kommen. Allerdings muss man die Anwesenheitspflicht in den Vorlesungen beachten. Während des Semesters bieten sich die Herbst-und Thanksgiving-Ferienan, sowie zu Beginn des Semesters auch verlängerte Wochenenden. Da meine Klausuren schon Anfang Dezember vorbei waren, habe ich noch die Tage bis zu meinem Heimflug für einen Ausflug genutzt.Ichhabe meine Ferien inNew York, Chicago und Washington D.C. verbracht. An den Wochenenden habe ich häufig zusammen mit anderen Austauschstudenten die Gegend um Chapel Hill mit dem Mietwagen erkundet und unter anderem Wilmington an der Küste von North Carolina besucht. Günstige Flüge findet manz.B. bei skyscanner.com, außerdem erreicht man mit dem Megabus in fünf Stunden Washington D.C. für ca.$ 30.

 

Zu guter Letzt

Mein Semester an der University of North Carolina in Chapel Hill war eine tolle Erfahrung, die ich definitiv nicht missen möchte. Wenn ihr die Chance habt ein Auslandssemester in den USA und insbesondere an der UNC zu machen: Macht es! Ihr werdet es nicht bereuen. Ich danke Professor Möllers und seinem Team für diese tolle Erfahrung! Außerdem bedanke ich mich beiDonna und Rebecca, diemich und meine Kommilitonen während des Aufenthalts sehr gut betreut haben. Wenn du noch weitere Fragen zu meinem Auslandssemesters hast, kannst dumir gerne eine Email schreiben: Lena.Breitschwerd@student.uni-augsburg.de

Suche