Felia Both: Technik als Transformation. Ein philosophisch-ethisches Framework zu Verschiebungen im menschlichen Selbstverständnis
Ausgangspunkt der Arbeit ist die Beobachtung, dass technische Verfahren zunehmend in Bereiche vordringen, die das menschliche Selbstverständnis, gesellschaftliche Normen und Vorstellungen von Normalität, Diversität, Gesundheit und Krankheit prägen. Diese Entwicklungen sind häufig von einer wissenschaftlichen Praxis geprägt, die auf Quantifizierung, Messbarkeit und empirische Erschließung setzt.
Die Dissertation möchte untersuchen, wie solche Formen technischer Erschließung gesellschaftliche Dynamiken erzeugen, wie neue Formen von Sichtbarkeit, Normierung, Vulnerabilität oder solutionistische Reaktionen. Dabei interessiert insbesondere, wie diese Dynamiken anthropologisch, epistemologisch und ethisch verstehbar werden und welche Spannungsfelder sie eröffnen.
Ziel der Arbeit ist die Entwicklung eines vorläufigen philosophisch ethischen Frameworks, das solche Dynamiken systematisch beschreibt und in Beziehung zu technologischen Entwicklungen setzt. Dieses Framework wird anschließend an ausgewählten Fallbeispielen – etwa aus der Biotechnologie oder der KI – explorativ erprobt. Auf dieser Grundlage soll normativ reflektiert werden, in welchen Kontexten statistisch empirische Zugänge zum Menschen sinnvoll erscheinen und wo alternative Perspektiven erforderlich werden.
Theoretisch orientiert sich die Arbeit an Impulsen aus verschiedenen Bereichen, darunter Phänomenologie, philosophische Anthropologie, Technikphilosophie, Disability Studies und Science & Technology Studies. Eine Untersuchung, welche dieser Perspektiven für das Framework tragfähig sind, ist Teil des Forschungsprozesses.
Methodisch folgt die Arbeit einer explorativen Literaturarbeit, der Identifikation wiederkehrender Muster und der Entwicklung einer Theorie mittlerer Reichweite, die anschließend an Fallbeispielen angewandt und weiterentwickelt wird.