Tim Zeelen: Aufmerksamkeit für andere Tiere? Auf der Suche nach einer theologischen Tierethik abseits des normethischen Mainstreams

Seit der „Umweltenzyklika“ Laudato si’ (2015) von Papst Franziskus ist der Umgang des Menschen mit seiner natürlichen Umwelt als Thema in der katholischen Morallehre gesetzt. Die Gestaltung der Mensch-Tier-Beziehung bleibt allerdings in offiziellen kirchlichen Äußerungen unterbelichtet und inkohärent. Auch für die theologische Ethik ist dies zu konstatieren.

 

Diese seit Jahrzehnten von einzelnen Autor:innen beklagte ‚Tiervergessenheit der Theologie‘ ist in Anbetracht der ökologischen Krise und der qualitativ und quantitativ vielfältigen Beziehungen des Menschen zu anderen Tieren problematisch. Eine theologische Ethik im Anthropozän sollte eine orientierende Reflexion der Beziehungen des Menschen zu anderen Tieren bieten.

 

Das Projekt sucht hierzu den Dialog mit Ansätzen in der Tierethik jenseits des normethischen Mainstreams. Letzterer kennzeichnet sich vor allem durch den Fokus auf die sogenannte Statusfrage (welche Wesen sind aufgrund welcher Eigenschaften moralisch zu berücksichtigen?) und die Normbegründung (welche Handlungen sind moralisch ver- oder geboten?).

 

Ähnlich wie in der Ethik insgesamt, hat auch in der Tierethik dieser normethische Mainstream Kritik erfahren. Sollte die Ethik z. B. nicht auch darüber nachdenken, wie wir gelungene Beziehungen gestalten, welche Rolle Emotionen in unserer werthaften Welterschließung spielen, welche Strukturen unser Denken und Handeln beeinflussen oder was unseren Blick auf andere (Tiere) kennzeichnet? Diese und ähnliche Fragen werden nicht zuletzt von feministischen Ansätzen oder solchen aus dem Umfeld der Human-Animal Studies in den Vordergrund gerückt.

 

Der zu erweisende Ausgangspunkt des Projekts ist die These, dass sich in Lehrschreiben von Papst Franziskus vergleichbare Akzente ausmachen lassen, wie z. B. Relationalität, Kontext und Emotionen. Diese sollen erhoben und systematisch auf eine theologische Tierethik im Dialog mit u. a. Autor:innen aus dem Umfeld der Feminist Animal Studies und den Human-Animal Studies hin entwickelt werden. Auf diese Weise werden normativ gehaltvolle Elemente für eine theologische Tierethik gewonnen, die sich in einer konstruktiven und kritischen Weise sowohl anschlussfähig an den innerkirchlichen als auch allgemeinen tierethischen Diskurs erweisen können.

 

Das Projekt ist an der Universität Fribourg angesiedelt.

 

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