Prof. Dr. Rebecca Kesselring übernimmt Professur für Translationale Tumorforschung
Augsburg, 1. Mai 2026 – Die Medizinische Fakultät der Universität Augsburg begrüßt Prof. Dr. Rebecca Kesselring als neue Professorin für Translationale Tumorforschung. Ihre Forschung verbindet grundlegende Erkenntnisse zur Tumorbiologie mit der Entwicklung neuer Therapieansätze – insbesondere im Bereich des kolorektalen Karzinoms. Mit der Einrichtung der Professur stärkt die Fakultät gezielt die Verbindung von Grundlagenforschung und klinischer Anwendung in der Krebsmedizin. „Mit Prof. Kesselring gewinnen wir eine ausgewiesene Wissenschaftlerin, die innovative Ansätze in der Krebsforschung verfolgt und konsequent in die klinische Anwendung überführt“, sagt die Dekanin der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Martina Kadmon. „Ihre Arbeiten tragen dazu bei, personalisierte Therapien weiterzuentwickeln und die Behandlung von Krebserkrankungen nachhaltig zu verbessern.“ Forschung an der Schnittstelle von Tumor, Immunsystem und Mikrobiom Neue Ansätze für personalisierte Krebstherapien Von der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung Stärkung des Forschungsstandorts Augsburg Zur Person:
Im Zentrum der Forschung von Prof. Kesselring steht das sogenannte Tumormikroenvironment – also die komplexe Umgebung von Tumorzellen, die unter anderem aus Immunzellen, Bindegewebe, Blutgefäßen und Mikroorganismen besteht. Diese Umgebung beeinflusst maßgeblich, wie Tumoren entstehen, wachsen und Metastasen bilden. Ein besonderer Fokus ihrer Arbeit liegt auf dem Darmkrebs, einer der häufigsten und tödlichsten Krebsarten weltweit. Hier untersucht sie insbesondere, wie Bakterien und das körpereigene Immunsystem mit Tumorzellen interagieren. „Tumoren sind keine isolierten Zellansammlungen, sondern stehen in ständigem Austausch mit ihrer Umgebung“, erklärt Prof. Kesselring. „Wenn wir verstehen, wie Immunzellen und Mikroorganismen das Tumorwachstum beeinflussen, können wir gezielt neue Therapien entwickeln.“
Ein zentrales Ziel der Forschung von Prof. Kesselring ist es, die Mechanismen der Metastasierung – also der Ausbreitung von Krebs im Körper – besser zu verstehen. Ihre Arbeiten zeigen, dass Bakterien eine bislang unterschätzte Rolle bei der Entstehung und dem Fortschreiten von Metastasen spielen können. „Unsere Forschung deutet darauf hin, dass bestimmte Bakterien Tumorzellen auf ihrem Weg durch den Körper begleiten und die Bildung von Metastasen fördern oder beeinflussen“, so Kesselring. „Das eröffnet völlig neue Ansatzpunkte für Therapien, die gezielt auf das Mikrobiom abzielen.“ Darüber hinaus untersucht sie die Rolle verschiedener Immunzellen, insbesondere von B-Zellen, bei der Tumorentwicklung und beim Ansprechen auf Immuntherapien. Ihre Erkenntnisse könnten dazu beitragen, bestehende Therapien wirksamer einzusetzen oder neue Behandlungsstrategien zu entwickeln.
Die Professur ist bewusst translational ausgerichtet: Erkenntnisse aus dem Labor sollen möglichst direkt in die klinische Praxis übertragen werden. Ziel ist es, die Diagnose, Prognose und Therapie von Krebserkrankungen nachhaltig zu verbessern. „Mein Anspruch ist es, Forschungsergebnisse nicht nur zu verstehen, sondern sie für Patientinnen und Patienten nutzbar zu machen“, betont Prof. Kesselring. „Langfristig möchten wir Therapien entwickeln, die individuell auf die biologischen Eigenschaften eines Tumors zugeschnitten sind.“
Mit der Berufung von Prof. Kesselring baut die Medizinische Fakultät der Universität Augsburg ihr Profil in der onkologischen Forschung weiter aus. Die neue Professur wird eng mit bestehenden klinischen und wissenschaftlichen Einrichtungen wie dem Comprehensive Cancer Center Augsburg CCCA zusammenarbeiten und so zur Weiterentwicklung innovativer Therapiekonzepte beitragen.
Prof. Dr. Rebecca Kesselring studierte Molecular Life Science und Molekulare Biotechnologie an den Universitäten Heidelberg und Lübeck. 2011 erfolgte die Promotion zur Dr. rer. nat. an der Universität zu Lübeck, 2017 die Habilitation im Fach Experimentelle Chirurgie an der Universität Regensburg, wo sie im Anschluss wissenschaftlich tätig war. Zuletzt hatte Kesselring die wissenschaftliche Forschungsleitung der Experimentellen Forschung an der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum Freiburg inne, bevor sie am 1. Mai 2026 die Professur für Translationale Tumorforschung am Universitätsklinikum Augsburg antrat. Sie erhielt verschiedene Preise und Stipendien, darunter den Zukunftspreis der Deutschen Arbeitsgruppe für Chronisch-Entzündliche Darmerkrankungen DACED.