Forschung
Forschungsschwerpunkte
Die Forschung der Abteilung für Integrative Gesundheitsversorgung und Prävention am Institut für Umweltmedizin zielt auf die systematische wissenschaftliche Untersuchung und Weiterentwicklung Integrativer Medizin im Sinne der Kombination konventioneller Verfahren mit evidenzbasierter Naturheilkunde und Komplementärmedizin. Im Zentrum steht die rigorose Evaluation von Wirksamkeit, Wirkmechanismen und Sicherheit sowie von ökologischen und gesundheitsökonomischen Aspekten. Damit möchte die Abteilung einen Beitrag zur Entwicklung einer tragfähigen, nachhaltigen und evidenzbasierten integrativen Gesundheitsversorgung, die sowohl individuellen als auch gesellschaftlichen Anforderungen gerecht wird, sinnstiftend beitragen.
Inhaltlich konzentriert sich die Forschung auf folgende Schwerpunkte: die wissenschaftliche Evaluation und Implementierung von Natur- und Waldtherapie, die Analyse traditioneller Medizinsysteme, insbesondere im Kontext von Nachhaltigkeit („Whole Systems Research“) sowie die Entwicklung und Untersuchung integrativmedizinischer Versorgungsmodelle unter besonderer Berücksichtigung von Implementierung(sbarrieren) und Versorgungstranslation. Ein weiterer Fokus liegt auf der Mind-Body-Medizin, vor allem auf der Erforschung spezifischer und unspezifischer Wirkfaktoren, etwa durch den Einsatz moderner Biomarker, digitaler Technologien und systemmedizinischer Ansätze.
Die Forschungsaktivitäten der Abteilung sind eng mit klinischer Versorgung und Lehre verzahnt und orientieren sich auch an aktuellen Herausforderungen wie Klimawandel und Gesundheit, Resilienzförderung und nachhaltiger Entwicklung in Medizin und Gesundheitswesen. Durch interdisziplinäre und interprofessionelle Kooperationen sowie die Einbindung in primärärztliche Forschungs- und Versorgungskontexte sollen wissenschaftliche Erkenntnisse langfristig gezielt in die Praxis überführt werden. Ziel ist es, solide evidenzbasierte integrativmedizinische Therapieverfahren klinisch zu etablieren und innovative Versorgungskonzepte zu entwickeln, die zu einer qualitativ hochwertigen, patientenzentrierten, zeitgeistigen und zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung beitragen können.
Forschungsprojekte
Ein zentraler Baustein unserer Forschungsarbeit ist die systematische Entwicklung gemeinsamer Grundlagen für das klinische Fach Naturheilkunde und Komplementärmedizin. Zwei laufende Delphi-Studien legen dafür das wissenschaftliche Fundament – gefördert durch die Karl und Veronica Carstens-Stiftung. Zahlreiche weitere geplante Projekte befinden sich aktuell in Antragstellung und werden nach bewilligter Projektförderung hier vorgestellt.
Delphi-Konsensusprozess zur Terminologie im Feld Naturheilkunde, Komplementärmedizin und Integrative Medizin (NHK/TCIM)
Was genau ist Naturheilkunde? Wo beginnt Integrative Medizin, und wo endet sie? Diese scheinbar einfachen Fragen sind in der wissenschaftlichen Praxis weiterhin ungeklärt – mit spürbaren Folgen für Forschung, Lehre, Patientenversorgung und (Wissenschafts-)Kommunikation. Diese Delphi-Projekt zur Kernteminologie im Bereich Naturheilkunde und Traditioneller, Komplementärer und Integrativer Medizin (NHK/TCIM) setzt hier an.
In einem strukturierten Konsensverfahren – der sogenannten Delphi-Methode – erarbeiten Expertinnen und Experten aus Medizin, Wissenschaft und Praxis gemeinsam verbindliche Definitionen und Begriffe für das deutschsprachige NHK/TCIM-Feld. Ziel ist ein konsentiertes Terminologieglossar, das als Referenz für künftige Leitlinien, Studienprotokolle und Lehrbücher dienen kann. Das Projekt läuft von Januar 2026 bis Dezember 2027 und wird gefördert durch die Karl und Veronica Carstens-Stiftung.
Delphi-Konsensusprozess zur Terminologie der Natur- und Waldtherapie
Natur- und Waldtherapie gewinnt als therapeutisches Handlungsfeld zunehmend an wissenschaftlicher Aufmerksamkeit – doch einheitliche Standards, Definitionen und Qualitätskriterien fehlen bislang weitgehend. Ein zweites Delphi-Projekt widmet sich genau dieser Lücke: In einem mehrstufigen internationalen Konsensprozess erarbeiten Expertinnen und Experten aus dem deutschsprachigen Raum und darüber hinaus gemeinsame terminologische Grundlagen für die Natur- und Waldtherapie als Gesundheitsintervention.
Das Projekt umfasst sowohl ein internationales Panel (20–25 Expertinnen und Experten, drei Runden) als auch ein DACH-spezifisches Panel (10–15 Teilnehmende, zwei Runden) und schließt methodisch an aktuelle Ansätze der Versorgungsforschung und des Social Prescribing an. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für Qualitätsstandards, zukünftige klinische Studien und die Implementierung von „Green Prescription“-Konzepten dienen.
Weitere Projekte
Weitere Forschungsprojekte befinden sich in Antragstellung und werden hier fortlaufend ergänzt.