Forschungsprojekte Dr. Dr. Christopher Schliephake

Aktuelle Projekte und Schwerpunkte

Historische Ökologie der Antike

Welchen Platz haben die antiken Menschen im sog. „Anthropozän“? Kannten die antiken Kulturen Formen von „Nachhaltigkeit“? Wie lassen sich Methoden der naturwissenschaftlichen Klimaforschung mit älteren textbasierten Umweltgeschichten zusammenbringen? Und überwog in der Antike tatsächlich ein Bild vom geordneten Kosmos mit einer grundsätzlich harmonischen Mensch-Natur-Beziehung? Diese und weitere Fragen werden in eine Reihe von Untersuchungen behandelt, die Methoden der antiken Umweltgeschichte mit dem interdisziplinären Theoriebestand der „Environmental Humanities“ zusammenbringen oder antike Mythen als ‘ökologische’ Medien der Wissensvermittlung begreifen. 

Ausgewählte Publikationen:
Ecocriticism, Ecology, and the Cultures of Antiquity (Ecocritical Theory and Practice). Lanham, MD, 2017 (Reprint 2018).
The Environmental Humanities and the Ancient World: Questions and Perspectives (Cambridge Elements in Environmental Humanities). Cambridge (erscheint Anfang 2020).
Nachhaltigkeit in der Antike: Diskurse, Praktiken, Perspektiven (zus. mit Gregor Weber und Natascha Sojc) (Geographica Historica). Stuttgart (erscheint Ende 2020).

Plutarch von Chaironeia und seine Zeit

Welche Bedeutung hatten Schilderungen von Traum und Traumdeutung im Werk Plutarchs von Chaironeia (ca. 45-125 n. Chr.)? Wie grenzte er, der Apollonpriester in Delphi, den Wert von Trauminterpretationen von anderen Arten der Divination ab? Und welche Rolle spielten Träume im Kulturkontakt zwischen Griechenland und Rom, nicht zuletzt in Prozessen der Aushandlung von kulturellen Räumen und Identitäten? Diese Fragen sind Thema des Habilitationsprojekts. Sie werden ergänzt durch weitere Forschungen zur sog. "Zweiten Sophistik" (etwa zu Pausanias oder Artemidor von Daldis) sowie zu Einzeluntersuchungen, die etwa die Konzeption des 'Friedens' (und von 'Friedensfürsten') in den Doppelbiographien Plutarchs in den Blick rücken, oder aber danach fragen, welche Rolle 'Schreiben' und 'Lesen' in den Werken Plutarchs spielen.

Ausgewählte Publikationen:
Traum, Traumdeutung und kulturelle Identitäten im Werk Plutarchs von Chaironeia (Habilprojekt)
“Träume und Traumdeutung als Phänomene der ‚Liminalisierung‘ in der griechisch-römischen Antike am Beispiel von Artemidors Oneirokritika“ (erscheint 2020)

Rezeptionsgeschichte der Antike

Warum benutzten britische Spione und Abenteurer die Quellen zum Eroberungszug Alexanders des Großen, als sie sich Anfang des 19. Jahrhunderts in die weitestgehend unbekannten Regionen des Punjab oder Afghanistans begaben? Welche Bedeutung kommt der Antike in kolonialen, v.a. postkolonialen Debatten um den Kulturkontakt zwischen 'West' und 'Ost' zu - und wie werden antike Texte von afro-amerikanischen Autor*innen rezipiert, um Fragen kultureller Identität zu problematisieren? Schließlich: wie wirkt das antike Erbe auf Weltentwürfe im Kontext imaginativer Fantasy- oder Science Fiction Literatur? All diese Fragen thematisieren die transkulturelle Dimension von Antikenrezeptionen und öffnen zugleich einen Raum, um über diachrone Entwicklungslinien, historische und fiktive Geographien sowie Grenzziehungen aller Art nachzudenken.

Ausgewählte Publikationen:
On Alexander’s Tracks: Exploring Geographies, Memories, and Cultural Identities along the North-West Frontier of British India in the Nineteenth Century (Oriens et Occidens 30). Stuttgart 2019.
“Die Blendung des Kyklopen – Antikenrezeption und (post-)kolonialer Diskurs“, in: Mitteilungen des Instituts für Europäische Kulturgeschichte 22 (2014): 13-34.
“Black Classicism: The African-American Reception of the Classical Tradition – the Example of Reginald Shepherd.” Amerikastudien/American Studies 61.1 (2016): 53-68.

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