TELITO

Tegernseer LiteraTouren

Projekt „TELITO: Tegernseer LiteraTouren“

 

Die Vermittlung literarischer Kulturschätze am Ursprung durch Literaturpfade und kulturelle Aktivitäten

 

Literatur am Ursprung sichtbar machen und erleben: Dort wo Literatur geschrieben wurde, soll sie erinnert und präsentiert werden. Zu wenig ist bekannt über den mehr als ein Jahrtausend alten literarischen Kulturschatz, über die spektakuläre Literatur, die im Tegernseer Tal bis 1803 entstanden ist. In Vergessenheit geraten ist auch, dass das Kloster Tegernsee einst das benediktinische, literarische Zentrum Altbayerns, ein Mittelpunkt deutscher Glas- und Buchmalerei sowie Musiktheorie war. Heute konzentriert sich die Erinnerungskultur im Tegernseer Tal nur noch auf die Zeit zwischen 1933-1945 sowie auf das Wirken und die Werke einiger weniger Künstler und Schriftsteller.

 

Unter Erinnerungskultur versteht man heute die Gesamtheit sozial zugelassener oder erworbener Umgangsformen einer Gesellschaft, um damit Teile der Vergangenheit im Bewusstsein zu halten und gezielt zu vergegenwärtigen. Unser kulturelles Selbstverständnis entsteht immer wieder im Rückgriff auf die Vergangenheit, und wir selbst haben es auch immer wieder in der Hand, was wir erinnern und was nicht. Einfluss auf die Erinnerungskultur haben auch aktuelle gesellschaftliche Auseinandersetzungen, Verhältnisse und Probleme. Diese können immer wieder dazu führen, dass bisherige Bestandteile der regionalen Erinnerungskultur zurückgedrängt und andere aufgenommen werden.

 

Ziel ist es, den bedeutenden literarischen Kulturschatz ins allgemeine kulturelle Bewusstsein, sowohl der Landbevölkerung als auch Besuchern der Region, zu rufen, in der freien Natur zu präsentieren und die Menschen vor Ort zur aktiven Teilhabe zu motivieren. Dies soll in Form von literarischen Spaziergängen geschehen.

 

Geplant sind 12 Literaturpfade, flankiert durch kulturelle Aktivitäten, die alle der Nachhaltigkeit, Erinnerungskultur und Stärkung der kulturellen Identität der Region dienen: Theater, Poetry Slams, Festivals, Workshops, Seminare, Vorträge, Lesungen, Ausstellungen, Schulprojekte, kommentierte lesefreundliche Ausgaben, Anthologien sowie Apps.

 

Das Projekt „TELITO“ will dazu anregen, dass auch die ländliche Bevölkerung einen neuen niederschwelligen Zugang und eine neue Sichtweise auf Literatur gewinnt. Mit diesem Bewusstsein vertieft sich auch die Bindung an die Region sowie der Stolz, in ihr zu leben.

 

„TELITO“ eignet sich deswegen als ein Modell-Projekt, weil in der Tegernseer Region seit dem Mittelalter bis heute eine so vielfältige bedeutende Literatur ent­­standen ist, an der sich exemplarisch kulturelle Aktivitäten entwickeln lassen zum Nutzen der ländlichen Region. In weiteren Schritten lassen sich die Ergebnisse auf Landes- und Bundesebene übertragen. Denn tatsächlich sind seit dem Mittelalter in allen ländlichen Gegenden, insbesondere in den Klöstern und Fürstenhöfen, bedeutende Werke der Literatur entstanden. Da viele Literatur- und Kulturschätze im Zuge von Säkularisationen in meist staatliche Bibliotheken ausgelagert wurden, ist das Wissen über sie verloren gegangen.

 

Das Vorhaben wird im Frühjahr 2019 starten. Eine Vielzahl von Kooperationen und Partnerschaften ist für das Projekt anvisiert. Eine enge Zusammenarbeit besteht bereits mit dem Museum Tegernseer Tal und soll mit weiteren Partnern vor Ort und bayernweit erfolgen.

 

„TELITO“ ist ein Modell- und Demonstrationsvorhaben im Rahmen des „Bundesprogramm Ländliche Entwicklung (BULE)“ und der Bekanntmachung „LandKULTUR – kulturelle Aktivitäten und Teilhabe in ländlichen Räumen“. Es wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) finanziert. Mit dem Bundesprogramm leistet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung beispielhafter Projekte der ländlichen Entwicklung. Ziel dieses auf Nachhaltigkeit und Übertragbarkeit angelegten Pilot-Projektes ist es, die ländlichen Regionen als Wohn-, Arbeits- und Lebensräume attraktiv zu gestalten, um gleichwertige Lebensverhältnisse in Deutschland zu schaffen.

 

Durchgeführt wird „TELITO“ vom Literaturschloss Edelstetten e.V. unter der Leitung seines Vorsitzenden Prof. Dr. Klaus Wolf. Er lehrt als Professor für Deutsche Literatur und Sprache des Mittelalters und der Frühen Neuzeit mit dem Schwerpunkt Bayern an der Universität Augsburg. Zuletzt erschien von ihm sein Buch Bayerische Literaturgeschichte. Von Tassilo bis Gerhard Polt (C.H. Beck Verlag, 2018).

 

Seine beiden Projektmitarbeiter sind die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Dr. Ingvild Richardsen (München/Augsburg) und der Literaturwissenschaftler Dr. Peter Czoik (München).

 

Dr. Ingvild Richardsen. Promotion im Jahr 2000 an der LMU München in Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Neuere Deutsche Literatur, Philosophie. Arbeitet als Dozentin, Autorin und Kuratorin für Universitäten, Akademien, Film und Fernsehen sowie für Bildungsinstitutionen. Seit 2002 freie Mitarbeiterin der Stiftung Lesen, 2005-2009 freie Mitarbeiterin des Goethe-Instituts München und Kiew. 2006-2014 Dozentin für Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit am Institut für Deutsche Philologie (LMU München), seit 2009 bis heute Dozentin an der Universität Augsburg am Lehrstuhl für Europäische Kulturgeschichte. 2013-2016 zudem Dozentin an der medienakademie münchen. Autorin zahlreicher Publikationen zur Erinnerungskultur und zu vergessenen Schriftstellerinnen, u.a. Carry Brachvogel, Emma Haushofer-Merk und Marie Haushofer. Zuletzt erschienen: Die Fraueninsel. Auf den Spuren der vergessenen Dichterinnen von Frauenchiemsee (Volk Verlag, 2017) und Evas Töchter. Münchner Schriftstellerinnen und die moderne Frauenbewegung. 1894-1933 (Volk Verlag, 2018). Seit 2017 Herausgeberin der Reihe „Vergessenes Bayern“ (LMU, Arbeitsstelle für Literatur in Bayern, Prof. Dr. Waldemar Fromm). 2018 Kuratorin der Ausstellung Evas Töchter in der Monacensia im Hildebrandhaus (16. März bis 16. September).

 

Dr. Peter Czoik. Studium der Neueren deutschen Literatur, Germanistischen Mediävistik und Englischen Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Promotionsstudiengang Literaturwissenschaft mit einer Arbeit über Franz Kafka. 2000-2003 Tätigkeit im Hochschulwesen, u.a. als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Seitdem staatlicher Bibliotheksdienst. Seit 2012 Redaktionsleiter, seit 2017 Koordinator des Literaturportals Bayern (www.literaturportal-bayern.de). Darin zahlreiche Blogbeiträge, Artikel zu bayernrelevanten literarischen „Themen“ (z.B. Schriftsteller in Oberbayern und der Erste Weltkrieg; Ödön von Horváth) und „Spaziergängen“ (z.B. „Oskar Maria Graf am Starnberger See“; „Helmut Dietl und sein München“) sowie über 600 Einzelporträts zu bayerischen Autorinnen und Autoren. Weitere Publikationen u.a. zu Jean Paul, Isabella Braun, Hans Carossa, Friedrich Reck-Malleczewen, Karl Wolfskehl und zu biblischen Themen (u.a. in der Encyclopedia of the Bible and Its Reception). Seit 2018 Operativer Leiter des bavarikon-Projekts Bayerische Schriftstellerinnen vom Barock bis ins 20. Jahrhundert, welches die Digitalisierung und Erschließung der Werke bayerischer Schriftstellerinnen zwischen 1644 und 1945 zum Ziel hat.

 

Kooperationspartner des Pilot-Projektes Telito sind: 

 

  • Museum Tegernseer Tal
  • Literatur Radio Hörbahn
  • Bayerische Staatsbibliothek (BSB)
  • Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT)
Professor
Deutsche Literatur und Sprache in Bayern
Dr. Ingvild Richardsen
Mitarbeiterin
Projekte
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Dr. Peter Czoik
Mitarbeiter
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