Wie wird im deutschen bzw. bayerischen Schulalltag mit sprachlicher Vielfalt (sowohl Dialektvielfalt als auch Mehrsprachigkeit) umgegangen? Bringt dieser Umgang das Potenzial sprachlicher Diskriminierung mit sich? 

Da eine groß angelegte Unterrichtsbeobachtung, die den Anspruch einer gewissen Repräsentativität erheben könnte, im Rahmen dieses Promotionsvorhabens nicht geleistet werden kann, sollen Rückschlüsse auf den tatsächlichen Umgang mit sprachlicher Vielfalt im Schulalltag
(1) über eine nähere Beleuchtung der in Schulbüchern und Lehrplänen
vertretenen sprachlichen Ideologien
(2) und mittels der Erhebung der Spracheinstellungen von LerhrerInnen
gezogen werden.

Für Ersteres werden die entsprechenden Lehrwerke und -richtlinien einer kritischen Diskursanalyse unterzogen. Studien wie z. B. Maitz/Elspaß 2012 und Maitz 2015 haben bereits gezeigt, dass Dialekte in Schulbüchern vielfach in einem negativen Licht dargestellt werden. Es wird deutlich, dass trotz rechtlicher Vorgaben, die von Pluralismus und einer wertschätzenden Haltung gegenüber sprachlicher Vielfalt geprägt sind, in der Praxis wohl eher ein stark ausgeprägter Standardismus (ebd.) und ein monolingualer Habitus (Gogolin 1994) den Unterricht dominieren.
Zur Erhebung der Spracheinstellungen der LehrerInnen sollen zum einen Matched-Guise- Experimente durchgeführt werden. Zum anderen soll ein in Rubin 1992 und Rubin/Smith 1990 erprobtes experimentelles Design verwendet werden, bei dem ein- und dasselbe sprachliche Material unterschiedlich bewertet wurde, je nachdem was für ein Bild von einem Sprecher/einer Sprecherin den ProbandInnen, während sie die Aufnahme hörten, gezeigt wurde. Ergänzend zu diesen Ergebnissen sollen die LehrerInnen anschließend explizit zu bestimmten Spracheinstellungen und ihrem Umgang mit sprachlicher Vielfalt befragt werden. Eine stichprobenartige Beobachtung einzelner Unterrichtssitzungen kann bei erfolgter Genehmigung auch hinzugenommen werden.

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