Buchprojekt: Zurückgespult. Arbeit und Alltag von AugsburgerInnen aus der Türkei

Herausgegeben von:

Hagen-Jeske, Ina/Herrmann, Leonie/Kronenbitter, Günther/Şen, Yaprak/Wagner, Lisa

Erscheint 2020

 

Über 45% aller AugsburgerInnen haben einen Migrationshintergrund – mehr als in den meisten deutschen Städten. Jedoch fehlen fundierte Studien auf lokaler Ebene, welche Einblicke in alltägliche Migrationserfahrungen der Zugewanderten geben. Das Buchprojekt legt den Fokus auf Migrationsgeschichten von Menschen, die im Rahmen der deutsch-türkischen Anwerbeabkommen nach Augsburg gekommen sind. Die Erinnerungen der so genannten „GastarbeiterInnen“ sollen dadurch festgehalten und die Augsburger Stadtgeschichte um migrantische Perspektiven ergänzt werden.

Das Publikationsprojekt geht zurück auf den Arbeitskreis Vielfalt in Augsburg, der sich 2015 gründete, um Migrationsgeschichte und ihre Bedeutung für die Stadt Augsburg zunächst am Beispiel der Zuwanderung aus der Türkei festzuhalten. Diese Initiative entstand auch der Erkenntnis heraus, dass sich die Dokumentation nicht mehr länger verschieben lässt: Wer damals in jungen Jahren nach Augsburg kam, ist jetzt im Altersruhestand, einige ZeitzeugInnen sind bereits verstorben.

Mittlerweile wurden über 40 ZeitzeugInnen-Interviews geführt und zahlreiche Dokumente und Objekte in verschiedenen Archiven ausfindig gemacht. Diese wurden in Seminaren am Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/Volkskunde sowie in Qualifikationsarbeiten von Studierenden wissenschaftlich ausgewertet. Das geplante Buch will nun diese unterschiedlichen Studien zusammenfassen, Einblicke in das Quellenmaterial liefern und in ansprechender Form der Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Artikel befassen sich mit dem Arbeitsleben in der Textilindustrie, Wohnen, Bildung, Freizeit und Religion. Einige Beiträge sind übergeordneten Fragen von Erinnerungskultur, gesellschaftlicher Anerkennung und methodischen Überlegungen gewidmet.

Das Buchprojekt schließt folglich eine Lücke der Augsburger Stadtgeschichte, die ZeitzeugInnen werden außerdem anerkannt und wertgeschätzt. Gleichzeitig bietet es zukunftsgerichtete Chancen: Die aufgezeichneten Geschichten sind vielfältig und widersprechen Überfremdungszenarien sowie rechtspopulistischen einfachen Wahrheiten über Zuwanderung. Migration wird im lokalen Selbstbild und kollektiven Gedächtnis verankert und so zum selbstverständlichen Teil der Stadtgesellschaft.

 

 

Beteiligte Personen

Beteiligte Personen (Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/Volkskunde):

Dr. Ina Hagen-Jeske

Leonie Herrmann, M.A.

Prof. Dr. Günther Kronenbitter

Yaprak Sen, M.A.

Wagner Lisa
 

Kooperationspartner:

Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim)

Interkulturelles Netz Altenhilfe (INA)

 

 

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