Trauer um Johannes Janota

Im Gedenken an Johannes Janota

Am 25. Oktober ist unser Kollege Johannes Janota verstorben.

Er wurde im Jahr 1983 von der Universität Siegen auf den Augsburger Lehrstuhl für Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters berufen, um die Nachfolge Hugo Stopps anzutreten – und er gab dem Lehrstuhl eine Ausrichtung auf eine textorientierte, im eigentlichen Wortsinn philologische Altgermanistik. Diese Prägung ist, auch mit thematisch neuen Akzenten, gültig bis heute, weit über seine Ruhestandsversetzung im Jahr 2003 hinaus. In der Forschung hat er bis zu seinem Tod intensiv gearbeitet und wichtige Ergebnisse vorgelegt. Sein jüngstes Buch aus dem Bereich der Sangspruchdichtung ist gerade eben erschienen.

Seine wesentliche Prägung erfuhr Johannes Janota an seiner Heimatuniversität Tübingen; das dort von seinen Lehrern, allen voran Hanns Fischer, nicht zuletzt aber auch Hans Küng, vertretene wissenschaftliche Niveau, das auch seine Kollegen wie Burghart Wachinger und Walter Haug vertraten, blieb in den vielen Feldern des Faches, die er bestellte, sein fester Maßstab. Im Bereich der mittelalterlichen Dramatik, der Lyrik und der auf das Spätmittelalter bezogenen Literaturgeschichtsschreibung, um nur die prominentesten Gebiete zu nennen, hat er Arbeiten vorgelegt, die von herausragender Bedeutung sind und bleiben werden. Den fachlichen Austausch auch nach seiner aktiven Zeit am Lehrstuhl mit Freunden wie Horst Brunner, mit jüngeren Kolleginnen und Kollegen und mit allen Tätigen des Lehrstuhls (vom Nachfolger bis zu den studentischen Hilfskräften), denen der mittelaltergermanistischen Drittmittelprojekte und der zusätzlichen Mittelalter-Professur in Augsburg, an deren Einwerbung er entscheidend beteiligt war und die Werner Williams innehatte, hat er stets gepflegt.

Mit großem Einsatz gestaltete er weitsichtig und klug moderierend in der Fakultät, der Universität, in Bayern, in Deutschland und darüber hinaus den Weg des Faches Germanistik in Zeiten des Umbruchs maßgeblich mit, etwa als Vorsitzender des Germanistenverbands in den Jahren der Wende (1991 Germanistentag in Augsburg) oder als einer der geisteswissenschaftlichen Pioniere im Bereich der drittmittelfinanzierten Forschung an unserer Universität. Johannes Janota betrieb Wissenschaft in Verantwortung für und mit Relevanz für die ganze Gesellschaft.

An der Entwicklung der Universität Augsburg war er in vielen Gremien strukturbildend ebenso beteiligt wie an der Gründung des Instituts für Europäische Kulturgeschichte.

Die Studierenden wie auch seine promovierenden Schülerinnen und Schüler erlebten in ihm eine Lehrerpersönlichkeit mit hohem Anspruch, zu dem man mit sicherer Hand geführt wurde, und mit klaren Vorstellungen, die auch Raum für kreative und eigenständige Lösungen zuließen. In ihm erlebte man jemanden, der Wissenschaft nicht nur zu seinem Beruf gemacht hatte, sondern dessen Wesen auch im Persönlichen und in Freundschaften, die er pflegte, von der Wissenschaft und ihrer Welt durchdrungen war. Die Begegnung mit ihm, die Anleitung durch ihn, sein Rat und sein Urteil haben viele Menschen tief geprägt und geformt.

In Trauer und dankbarer Erinnerung verbinden wir uns auch mit seinen Angehörigen, besonders mit seiner Witwe, unserer langjährigen Lehrstuhlsekretärin Elfriede Gori.

Für den Lehrstuhl für Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters
Freimut Löser

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