Zeigt die Sprache von Eltern prosodische, lexikalische, syntaktische und pragmatische Unterschiede, wenn sie an männliche oder weibliche Säuglinge gerichtet ist?

 

Psycholinguist/innen erforschen den Sprachstil von Erwachsenen, wenn sie mit kleinen Kindern und Babys reden, auch bezogen auf mögliche Auswirkungen auf den Spracherwerb. Dieser Sprachstil (Baby Talk, motherese) ist u.a. durch eine höhere Stimmlage, einfache Grammatik und einen kindgerechten Wortschatz gekennzeichnet. Das Dissertationsprojekt geht der Frage nach, ob Baby Talk einen Faktor bei der Entwicklung unterschiedlicher Geschlechteridentitäten bedeutet. Daher lautet die These: „Die Interaktion zwischen Eltern und Kindern beeinflusst nicht nur den Spracherwerb, sondern auch die persönliche Identitätsentwicklung.“

Die entsprechenden Analysen werden auf Aufnahmen von Gesprächen zwischen Eltern und vorsprachigen Kindern beruhen. Um die Vergleichbarkeit zu sichern, werden Störfaktoren wie soziale Herkunft, Alter und Entwicklungsstadium der Babys kontrolliert. Im Fokus stehen die Unterschiede im Sprachstil der Eltern, wenn sie mit männlichen oder weiblichen Säuglingen sprechen. Verschiedene Aspekte des Baby Talks werden betrachtet wie zum Beispiel Prosodie, Wortschatz, Grammatik sowie pragmatische Faktoren.

Dabei werden zunächst prosodische Merkmale wie die Sprechgeschwindigkeit und die Tonhöhe der Stimme der Erwachsenen gemessen. Es folgt eine Analyse sprachlicher Eigenschaften wie die Wortschatzgröße (z.B. Wortlisten) und -diversität (z.B. Type-Token-Ratio), syntaktische Komplexität (Mean Lenght Unit) und Vollständigkeit. Die daran anschließende pragmatische Untersuchung vergleicht den Anteil der verschiedenen Sprechakte (Frage, Versprechung, Bestätigung, Bitte usw.) zwischen den einzelnen Interaktionspaaren. Schließlich wird die Signifikanz des Geschlechts des Babys bei den gefundenen Ergebnissen statistisch geprüft.

Wenn bereits vor dem Einsetzen produktiver Sprache Unterschiede im sprachlichen Input der Mädchen und Jungen festzustellen sind, wirft das die Frage auf, ob dies Faktoren sind, die zu unterschiedlichen Geschlechteridentitätsentwicklungen führen können.

Suche