seit 2013

 

“One summer, when there was a great drought at Fredriksstad (Norway), the following words were posted in a W.C. ‘Don’t pull the string for bimmelim, only for bummelum‘. This was immediately understood” (Jespersen 1933: 284).

 

 

Lewis Carroll 1976. Complete Works. New York: 211.

 

„Must a name mean something?“ Alice asked doubtfully. „Of course it must,“ Humpty Dumpty said with a short laugh: my name means the shape I am“ (Carroll 1976: 209).

 

In verschiedenen Arbeiten wurde diskutiert, dass die Lautebene zum Träger von Information werden kann. Das bezog sich meist auf die Bedeutung einzelner Laute. Insgesamt können aber phonetische Merkmale, Töne, Sprachlaute, Lautkombinationen oder komplexere Lautstrukturen wiederholt bestimmte Assoziationskomplexe auslösen und dann mit Bedeutung(facett)en in Beziehung stehen.

Lautsymbolik umfasst Aspekte wie Schallnachahmung/Onomatopoesie (ping-pong, klapp!), den Ausdruck von Gefühlen (au!, ih!) oder Synästhesie, wenn Reize verschiedener Sinnesorgane verknüpft werden (schnapp!). Hinton/Nichols/Ohala (1994) unterscheiden vier Typen nach dem Grad der Verbindung zwischen Laut und Bedeutung: Die physische Lautsymbolik beruht auf einem direkten emotionalen oder physischen Zustand und ist weitgehend nichtsprachlich (Niesen, aua!). Die imitative Lautsymbolik bezieht sich auf Lautnachahmungen, die zum Teil konventionalisiert sind (sss für das Zischen einer Schlange, peng!). Synästhetische Lautsymbolik ist die akustisch-sprachliche Darstellung nichtakustischer Erscheinungen (i – ‘kleiner’, a – ‘größer’). Die konventionelle Lautsymbolik entsteht bei einem wiederholten Miteinander von Form und Bedeutung. Sie ist sprachspezifisch, wird erlernt, weist aber laut Hinton et al. (1994) dennoch universelle Eigenheiten auf (glglitzern, glimmen, Glanz).

Neben Lautsymbolik finden wir auch Begriffe wie Phonosemantik oder Phonästhesie bzw. sound symbolism, phonetic symbolism, phonosemantics, phonesthesia.

 

Die Beschäftigung mit einem „natürlichen“ bedeutungstragenden Aspekt der Wortform reicht bis zu Platon zurück. Später machten sich Jacob Grimm, Wilhelm von Humboldt, Herman Paul, Wilhelm Wundt oder Otto Jespersen dazu Gedanken. Nachdem es Anfang des letzten Jahrhunderts in den U.S.A. zahlreiche psycholinguistische Experimente dazu gab und auch in Europa einige Untersuchungen für das Französische und Deutsche veröffentlicht wurden, hat erst in letzter Zeit wieder die Werbepsychologie dieses Thema entdeckt. Dass Proband/innen tendenziell ähnliche Assoziationen mit Lautkörpern verbinden, wurde zwischenzeitlich wiederholt gezeigt. Der bewusste Einsatz bestimmter Laute im Namen kann Einfluss auf die Vorstellung von Form, Größe oder Helligkeit eines Gegenstandes nehmen oder er lässt Rückschlüsse auf Eigenschaften zu, wie etwa Hoover für den Staubsauger, der sanft brummt und nicht klappert. Heute geht es daher mehr darum, herauszufinden, wie Lautkomplexe geschaffen sein müssen, um bestimmte Assoziationskomplexe auszulösen und warum.

 

 

Maluma (Wolfgang Köhler)

 

 

 

Takete (Wolfgang Köhler)

 

Beispiel für Synästhesie: Wolfgang Köhlers Maluma-Takete-Experiment, bei dem die Versuchspersonen Zeichnungen und Kunstwörter zuordnen sollten und offenbar aufgrund von ähnlichen Eigenschaften von Klangeindruck und Bild urteilten (nach Köhler 1929: 242f.)

 

Nicht bei jedem sprachlichen Zeichen ist die Beziehung zwischen Form und Inhalt arbiträr. Wiederholt zeigt sich ein Zusammenhang zwischen Klangkörper und Assoziationen bei den Sprachbenutzer/innen. Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, die lautsymbolische Wirkung von Wörtern näher zu untersuchen.

  

Lautsymbolik heißt, dass lautliche Einheiten zum Träger von Bedeutungsmerkmalen werden können. Deswegen beeinflussen sie Entstehung, Wandel, Erwerb, Verwendung und Interpretation von Lexemen.

Vg. auch

http://www.esv.info/aktuell/elsen-lautsymbolik-heisst-dass-die-lautebene-zum-traeger-von-informationen-wird/id/83131/meldung.html

 

 

Lautsymbolikexperiment     

 

Zusammen mit Dr. Laszlo Kovacs vom Savaria-Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften, Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät, Eötvös Lornd Universität in Szombathely, Ungarn, führen wir momentan ein Lautsymbolikexperiment am Lehrstuhl Deutsche Sprachwissenschaft, Universität Augsburg, durch.

Wie wollen in unserer Studie die Lautsymbolik bestimmter Vokale und Konsonanten im Deutschen und Ungarischen überprüfen und die Ergebnisse mit denen aus anderen Sprachen wie Englisch, Koreanisch, Japanisch und Chinesisch vergleichen. Die Vorlage und die Vergleichsbasis bildet Shinohara, Kazuko / Kawahara, Shigeto (2016). A cross-linguistic study of sound symbolism: The image of size. Proceedings of the Berkeley Linguistic Society 36. Berkeley. 396-410.

 

Die zwei wichtigsten Thesen lauten: /a/ ist größer als /i/, stimmhafte Obstruenten sind größer als stimmlose Obstruenten.

 

Diese lassen sich aus Ergebnissen zahlreicher Experimente ableiten. Als Erklärungen werden momentan artikulatorisch-kinästhetische (auf Bewegungsempfindung bezogen) und akustische Gründe diskutiert.

 

  • Als ein Motiv für die Assoziation der Sprachlaute mit unterschiedlicher Größe wird in der Korrelation zwischen dem Volumen im Mundraum beim Sprechen der jeweiligen Laute und der relativen Größe, mit der sie in Verbindung gebracht werden, vermutet. Bei der Artikulation hoher vorderer Vokale ist die Mundöffnung klein, die Zunge liegt im Mund weit oben und nähert sich vorn dem Gaumen an. Entsprechend ist der Resonanzraum zwischen Zunge und Gaumen relativ klein. Bei der Aussprache tiefer hinterer Vokalen ist die Mundöffnung deutlich größer, die Zunge wird hinten nach oben gewölbt und liegt wesentlich tiefer als beim /i/. Somit entsteht ein größerer Resonanzraum. Je nach Stimmhaftigkeit der Obstruenten verändert sich die Größe des Mundraums ebenfalls (vgl. Shinohara et al. 2016). Bei der Artikulation von Obstruenten steigt der Luftdruck im Mundraum. Bei stimmhaften Obstruenten ist der Luftdruck unterhalb der Glottis größer als der oberhalb, sodass die Luft nach oben strömen kann. Der Mundraum wird hierzu durch die Umformung des Vokaltraktes vergrößert.
  • Bereits Charles Darwin beobachtete, dass aggressive Tiere tiefe, knurrende Laute produzieren, während sich ängstliche durch hohes Winseln und Schreien auszeichnen. Dies hängt unter anderem mit physikalischen Gesetzen zusammen: Größere Gegner erzeugen größere Resonanzräume. Außerdem wissen wir, dass sie in aggressiven Auseinandersetzungen eher gewinnen als kleinere Gegner, sodass wir außerdem groß mit (potenziell) gefährlich verbinden. Morton (1994) zeigt das universelle Verhältnis der Signalstrukturen von Säugetieren und Vögeln. Sie kommunizieren durch tiefe, raue Töne Aggressivität und Bedrohung, durch helle Unterwerfung und Harmlosigkeit.

    Akustisch gesehen weisen hohe vordere Vokale höhere Frequenzen (F2) auf als andere Vokale, hintere tiefe Vokale die niedrigste. Stimmlose Obstruenten haben eine höhere Stimmfrequenz als stimmhafte. Der frequency code (Ohala 1984, 1994, 1997) geht von der Verbindung zwischen hellen gegenüber tiefen Stimmfrequenzen und kleinen gegenüber großen Vokalisierer/innen aus. Er bezieht sich auf eine Assoziation von hohen vorderen Vokalen, hohen Formantenfrequenzen und geringer Größe.

Einsichten in die Wirkungszusammenhänge lassen sich beispielsweise für die Universalienforschung, für die Spracherwerbssituation, bei Gedichtinterpretationen in der Literaturwissenschaft und für den Einsatz von Produktnamen in der Werbekommunikation nutzen.

(weiter und Literatur in Elsen, Hilke 2016 . Einführung in die Lautsymbolik. Berlin).

 

Mitte April 2019 wurden an beiden Universitäten Fragebögen verteilt. Sie werden nun von den ungarischen Kolleg/innen ausgewertet.

 

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