Augsburger Gespräche zu Literatur und Engagement

Gerade in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels, in Zeiten der Globalisierung und Medialisierung zeigt sich, dass insbesondere der Literatur und dem Theater eine herausgehobene Stellung zukommt. Sie (er)finden neue Ausdrucksformen, definieren ihren Raum in der Gesellschaft neu, regen zur Reflexion an und leisten gegebenenfalls Widerstand. In Abgrenzung zur sog. politischen Literatur der 1960er und 70er Jahre legt die gegenwärtige Literatur ihren Fokus stärker auf die Reflexion von Normen und Werten, statt moralische Ansprüche zu generieren. Hier zeigt sich vor allem ihre ethische Relevanz. Auch das Theater als ehemals ‚moralische Anstalt‘ findet neue Formen der gesellschaftlichen Teilhabe.

 

Damit einher geht der Befund, dass der Begriff des Engagements in der gegenwärtigen Literatur und Kultur wieder eine herausgehobene Rolle spielt. Dies zeigt sich auch an der regen Anteilnahme, die zeitgenössische Autorinnen und Autoren, Künstlerinnen und Künstler am gesellschaftlichen Diskurs nehmen. Flankiert wird dieser Befund von der Beobachtung, dass auch der wissenschaftliche Diskurs die politische Literatur und Kunst wieder stärker in seinen Blick nimmt. Auf diese Beobachtungen reagieren die Augsburger Gespräche zu Literatur und Engagement, indem die Diskussionen fundiert, gebündelt und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

 

In enger Kooperation mit dem Friedensbüro Augsburg und dem Sensemble Theater werden einmal im Jahr Autorinnen und Autoren, Kulturschaffende und Studierende eingeladen, um über Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe zu diskutieren. Unter einem jährlich wechselnden, aktuellen Motto wird in geschlossener Runde und im öffentlichen Gespräch darüber diskutiert, wie sich soziale Wirklichkeiten verändern und wie sich Literatur und Theater dazu stellen kann.

Interviews mit Künstler*innen der Augsburger Gespräche

zum Interview

 

Thomas Lehr wurde 1957 in Speyer geboren. Er studierte Biochemie in Berlin und ist dort als freier Schriftsteller tätig. Seine Werke – Zweiwasser oder Die Bibliothek der Gnade. Roman (1993), Die Erhörung. Roman (1994), Nabokovs Katze. Roman (1999), Frühling. Novelle (2001), 42. Roman (2005) – wurden mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Literatur-Förderpreis Berlin, dem Rheingau Literatur Preis, dem Wolfgang-Koeppen-Preis der Hansestadt Greifswald und dem Kunstpreis des Landes Rheinland-Pfalz.
Am 18. August 2010 ist Thomas Lehrs Roman „September. Fata Morgana“ im Hanser Verlag erschienen. Er wurde für den Deutschen Buchpreis 2010 nominiert.

zum Interview

 

Thomas Köck wurde 1986 in Steyr, Oberösterreich geboren. Er ist durch Musik sozialisiert und studierte Philosophie und Literaturtheorie in Wien und an der Freien Universität Berlin, sowie Szenisches Schreiben und Film an der Universität der Künste Berlin. Er arbeitete beim theatercombinat wien, war mit einem Dokumentarfilmprojekt über Beirut zur Berlinale Talents eingeladen, war Hausautor am Nationaltheater Mannheim, bloggt mit Kolleg*innen auf nazisundgoldmund.net gegen rechts und entwickelt mit Andreas Spechtl unter dem Label ghostdance konzertante readymades. Für seine Theatertexte wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. 2018 mit dem Literaturpreis »Text & Sprache« des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft sowie 2018 und 2019 mit dem Mülheimer Dramatikerpreis für die Theatertexte paradies spielen (abendland. ein abgesang) und atlas, zuletzt auch mit dem Publikumspreis der Mülheimer Theatertage NRW.

© Fotografin: Agnesh Pakozdi

zum Interview

 

Susanne Heinrich wurde 1985 bei Leipzig geboren. Sie verfasste schon in ihrer Schulzeit literarische Texte und studierte zeitweise am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Zwischen 2005 und 2011 erhielt sie Aufenthalts-Stipendien in Berlin, Los Angeles und der Villa Massimo in Rom. In diesen Jahren veröffentliche sie zwei Romane und zwei Bände Erzählungen.
Ab 2012 studiert sie Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Mit Das melancholische Mädchen erschien 2019 ihr erster Film, der von der Kritik vielfach begeistert aufgenommen wurde und bisher mit dem Max-Ophüls-Preis und dem Drei-Länder-Filmpreis der Sächsischen Kunstministerin für den besten Spielfilm ausgezeichnet wurde.

Stefan Kaegi

zum Interview

 

“Rimini Protokoll” nennt sich das Berliner Label, das Stefan Kaegi zusammen mit Helgard Haug und Daniel Wetzel im Jahr 2000 gegründet hat. Ziel des Regietrios ist es, die Realität aufzubrechen, um sie auf verschiedenste Weise neu zu präsentieren und auf die Bühne zu bringen. Kaegi inszeniert diese Facetten der Wirklichkeit in dokumentarischen Theaterstücken, Hörspielen und Stadtrauminszenierungen auf internationalem Raum und erhält dafür gemeinsam mit seinen Kollegen des “Rimini Protokolls” zahlreiche Auszeichnungen.

Im Juli 2019 nahm Stefan Kaegi an den “Augsburger Gesprächen zu Literatur und Engagement” im Rahmen des Augsburger Friedensfestes teil, das in diesem Jahr unter dem Thema “Freiheit” stand. Dieses Gespräch soll nun mit “Schau ins Blau” über Gegenstand, Freiheit und Engagement des Theaters fortgeführt werden.

© Ekko von Schwichow

zum Interview

 

Ein halbes Jahr nach den Augsburger Gespräche zu Literatur und Engagement  – spricht Schau ins Blau erneut mit einem der Teilnehmenden, dem Autor Jonas Lüscher. Der gebürtige Schweizer Schriftsteller wurde durch seine vielfach ausgezeichneten Texte "Frühling der Barbaren" (Novelle) und "Kraft" (Roman) bekannt und organisierte darüber hinaus öffentlichkeitswirksame Demonstrationen unter dem Motto ‚In ganz Europa. Für ein solidarisches Europa.‘ am 13. Oktober 2018. Neben den Themen Utopie, Engagement und Essay thematisiert das Interview auch die Bedeutung der Augsburger Gespräche, die Rolle der Literatur sowie die Aufgaben des Schreibenden.

Suche