2026 - (Un)Sicherheit und Frieden

Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement 2026 #(Un)Sicherheit und Frieden

(UN)SICHERHEIT

Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement im Rahmen des

Kulturprogramms des Augsburger Hohen Friedensfestes

im Augsburger Textil- und Industriemuseum

13.-15. Oktober 2026

 

Michael Jordan Foto: Erich Malter
Michel Abdollahi Foto: Asja Caspari
Emre Akal Foto: Christian Kleiner
Angela Aux Foto: Michael McKee
Nava Ebrahimi Foto: Clara Wildberger
Mirna Funk Foto: Dafy Hagai

Nach der „Bedürfnispyramide“ des US-Psychologen Abraham Maslow gehört körperliche, seelische und materielle Sicherheit zu den grundlegendsten Bedürfnissen des Menschen und rückt in die Nähe von Grundbedürfnissen wie Essen, Trinken und Schlaf. Auch für den Staat spielt die soziale Sicherheit und Schutz seiner Bürger*innen eine besondere Rolle. Sicherheit, so scheint es, ist ein normativer moralischer Wert, den es zu verteidigen gilt und der Schutz vor Gefahren, Stabilität und Vorhersehbarkeit im Leben gewährleistet. Ohne grundlegende Sicherheit kann es keinen Frieden geben und auch keine Freiheit. Sicherheit hat viele Facetten und umfasst sowohl staatliche, militärische, ökonomische, ökologische, humanitäre, aber auch individuelle Aspekte.

 

 

Aktuelle Krisensituationen, die sowohl die politische Weltlage als auch das soziale Gefüge des Einzelnen betreffen, führen im 21. Jahrhundert zu einem verstärkten Sicherheitsbedürfnis in Kombination mit einem sich ausweitenden staatlichen Sicherheitsversprechen.

 

 

Sicherheit braucht Vertrauen. Sicherheit ohne Vertrauen kann nicht mit Freiheit in eine Balance gebracht werden. Doch wo sind die Grenzen von Sicherheit, besonders dann, wenn man das Spannungsverhältnis von Freiheit und Kontrolle in den Blick nimmt?

 

 

Nicht selten stimmen die faktische Sicherheitslage und das empfundene Sicherheitsgefühl der Menschen nicht überein. Eine gesteigerte Wahrnehmung von Risiken und das Empfinden einer gestiegenen Verletzlichkeit sowohl in Bezug auf eine Gefährdung von Leib und Leben, als auch in Bezug auf Verlust eines sozialen und materiellen Status werden nicht selten durch populistische Diskurse geschürt und schlagen sich in einem verstärkten Sicherheitsbedürfnis nieder.

 

 

Das Verhältnis von Sicherheit und Gewalt ist ein paradoxes. Häufig dient Sicherheit als Legitimation für die Anwendung von Gewalt. Den Adressaten dieser Gewalt wiederum wird damit die grundlegendste Sicherheit genommen. Rassismus und Gewalt in Polizei und Militär oder Racial-Profiling zeigen, dass Sicherheit eben nicht gleich Sicherheit für alle ist. Umgekehrt zeugen Angriffe auf Polizei, Rettungspersonal, Politiker:innen oder Mitarbeitende in Behörden von einer fragilen Sicherheit für Personen, die für die leibliche und soziale Sicherheit zuständig sind.

 

 

Zu fragen ist: Wie kann Sicherheit - als grundlegendes menschliches Bedürfnis und als Voraussetzung für Frieden aber gleichzeitig auch als missbrauchsanfälliges Konzept und Legitimation für Gewalt und Bedrohung für Andere – für ALLE hergestellt und geschützt werden?

 

 

Die Augsburger Gespräche wollen dieses Jahr vor allem nach der Dialektik von Sicherheit und Unsicherheit fragen. Wie werden diese Themen inhaltlich, aber vor allem in den künstlerischen Ausdrucksweisen selbst verhandelt? Zeichnen sich die Künste nicht gerade durch ein hohes Maß an Unsicherheit aus, stellen das Risikobehaftete in den Mittelpunkt und gelten als Experimentierfeld, das Mut erfordert und keinen doppelten Boden besitzt? Welche Rolle können sie also spielen im Diskurs um Sicherheit und Unsicherheit, welche Haltung zu dem Sicherheitsbedürfnis einer Gesellschaft nehmen sie ein, wie wird in ihren jeweiligen Ausdrucksformen darüber nachgedacht und welche Diskurse können sie dadurch anregen?

 

 

Diese und andere Fragen sollen im Mittelpunkt der diesjährigen Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement stehen. Gemeinsam mit Studierenden wird in Form von Werkstattgesprächen drei Tage hinter geschlossenen Türen diskutiert. Es kommen unter anderem Michel Abdollahi, Emre Akal, Angela Aux, Nava Ebrahimi und Mirna Funk. Abgerundet werden die Tage durch eine öffentliche Podiumsdiskussion, die live auf BR2 übertragen wird. Die Moderation übernimmt Niels Beintker, der seit Jahren dieses Format begleitet und auch die drei Tage über anwesend sein wird.

 

 

Der Zeichner Michael Jordan begleitet seit nunmehr drei Jahren die Augsburger Gespräche mit seinen graphic recordings und wird auch in diesem Jahr wieder mit dabei sein.

 

 

 

 

 

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