Laufende Forschungen

Abstracts und Projektvorstellungen

Savoirs d’État. Herrschaft und staatsrelevantes Wissen in der Frühen Neuzeit (Prof. Dr. Lothar Schilling)

 

Neuerscheinung im September:

Schilling, Lothar / Vogel, Jakob (Hrsg.), Transnational Cultures of Expertise. Circulating State-Related Knowledge in the 18th and 19th centuries (Colloquia Augustana, 36), Berlin 2019.

 

Ankündigung auf Verlagshomepage

"Une révolution avantageuse et nécessaire". Strategien der sprachlichen und medialen Vermittlung von Reformprojekten der OeG Bern, 1759-1798 (Dissertationsprojekt Lisa Kolb) 

Im Zentrum des Forschungsvorhabens steht die Frage nach einer charakteristischen Sprache der Ökonomischen Aufklärung im Berner Ancien Régime. Die Oekonomischen Gesellschaft Bern versuchte von 1759 an, verschiedenste (meist landwirtschaftliche) Reformprojekte zu entwickeln, zu propagieren und zu implementieren. Ziel war die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Berner Republik und damit einhergehend die Sicherstellung einer guten und gerechten Ordnung. Angesichts der Zweisprachigkeit der Berner Bevölkerung einerseits und der Ansprache eines gelehrten wie eines breiteren ungebildeten Publikums andererseits waren spezifische und differenzierte Wege der Popularisierung und Legitimierung der Reformvorschläge erforderlich. Die Vielzahl verwendeter Medien, die sich dezidiert am jeweiligen Zielpublikum ausrichteten, korrespondierte, so die Grundannahme des Projekts, mit einer Ausdifferenzierung auf sprachlicher Ebene. Wie unterschieden sich die Argumentationslogiken, die Begriffe, Bilder und Topoi in Preisausschreiben, Flugblättern, Volkskalendern, Enzyklopädien und Journalen der Gesellschaft? Lassen sich dennoch Gemeinsamkeiten feststellen, die es erlauben, von einer typischen Sprache zu sprechen? Das europaweite Renommee der Gesellschaft dürfte nicht zuletzt ihrer sprachlichen und medialen Anschlussfähigkeit gegenüber verschiedenen Adressatenkreisen geschuldet gewesen sein. Um diese These zu überprüfen, analysiere ich in meinem Dissertationsprojekt gleichermaßen das aufgefächerte Medienportfolio wie auch prägende Diskurse mit einem besonderen Augenmerk auf Übersetzungsvorgänge – zwischen der deutschen und französischen Sprache und umgekehrt, aber auch zwischen verschiedenen soziokulturellen Sprachsystemen.

 

Das Promotionsprojekt wird gefördert durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes.

Niklaus Emmanuel Tscharner im Gespräch mit einem Landwirt auf seinem Mustergut Kehrsatz bei Bern.

 

Artilleristische Expertise. Akteure militärtechnischen Wissens im Europa des Konfessionellen Zeitalters (Dissertationsprojekt Marius Mutz) 

Das wissensgeschichtliche Dissertationsprojekt erforscht in Auseinandersetzung mit akteurszentrierten Ansätzen Genese und Funktion des Expertenstatus von fünf Akteuren, die im Europa des konfessionellen Zeitalters über artilleristisch-militärtechnisches Spezialwissen verfügten: Rochus zu Lynar, Carlo Theti, Johann Albrecht von Sprinzenstein, Daniel Specklin und Paul Buchner. Seit dem 16. Jahrhundert konnten Herrschaftsträger nicht mehr auf Fachleute verzichten, welche die Produktion und Anwendung von schweren Schießpulverwaffen (sowie Verteidigungsmaßnahmen gegen sie) beherrschten und organisierten. Aufgrund ihrer Expertise waren diese Akteure militärischer „Sicherheit“ europaweit gesucht. Soziale Stellung, Netzwerke und Mobilität der Protagonisten sowie Prozesse von Wissensaneignung und Wissenstransfer werden mit Hilfe eines für das 16. Jahrhundert modifizierten Expertise-Konzepts analysiert. Unter breiter Einbeziehung archivalischer Quellen deutscher, österreichischer und italienischer Provenienz soll die Arbeit die für die bisherige Forschung kennzeichnende disziplinäre Engführung der untersuchten Wissensbestände überwinden, die den flexiblen Praktiken der in komplexe Beziehungsgeflechte eingebundenen Experten nicht gerecht werden. Schwerpunktmäßig wird das Wirken der fünf Akteure in habsburgischen, bayerischen und sächsischen Territorien untersucht.

Handwerker in einer Gießhütte bei der Fertigung von Geschützen (Kupferstich aus der Serie "Nova Reperta" Jan van der Straets);

 

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