Zum Projekt

Nachhaltigkeit' ist keine Erfindung der Moderne – bereits in der Antike entwickelten griechische und römische Kulturen Konzepte und Praktiken zum schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen. Das Forschungsprojekt untersucht erstmals systematisch, wie antikes Umweltwissen über Jahrhunderte tradiert wurde und welche Rolle es für die Entstehung des modernen Nachhaltigkeitsdiskurses spielte. Ausgangspunkt ist Hans Carl von Carlowitz' wegweisende Schrift "Sylvicultura oeconomica" (1713), in der die Prinzipien einer "nachhaltenden" Forstwirtschaft definiert wurden. Von Carlowitz bezog sich dabei explizit auf antike Autoren und deren Wissen über Waldpflege und Ressourcenschonung – ein bislang kaum erforschter Aspekt der Nachhaltigkeitsgeschichte.
Das Projekt verfolgt drei zentrale Forschungsziele: Erstens wird die Antikenrezeption in frühneuzeitlichen Nachhaltigkeitsdebatten analysiert, um Grundmuster der Wissenstradierung zu verstehen. Zweitens werden antike Quellen – insbesondere griechische Kultgesetze aus Tempelanlagen – auf ihr 'Umweltbewusstsein' und ihre Schutzbestimmungen für natürliche Ressourcen hin untersucht. Drittens sollen konkrete Praktiken der Ressourcenreglementierung in der Antike identifiziert werden, etwa religiös motivierte Verbote von Jagd, Baumrodung oder Wasserverschmutzung in heiligen Bezirken. Die Ergebnisse ermöglichen nicht nur neue Einblicke in antike Umweltvorstellungen, sondern zeigen auch die kulturelle Tiefendimension heutiger Nachhaltigkeitskonzepte auf und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung.

 

 

Epochenübergreifende Tagung zu Hans Carl von Carlowitz und der Antikenrezeption in der "Sylvicultura oeconomica"

 

„Antike Wurzeln der Nachhaltigkeit? Hans Carl von Carlowitz, Antikenrezeption und frühneuzeitliche Umweltdiskurse in der Sylvicultura oeconomica“, 19.-21. März 2026, IEK, Augsburg

 

Hans Carl von Calowitzʼ „Sylvicultura oeconomica“ (1713) gilt nach wie vor als ein Gründungsdokument der ‚Nachhaltigkeit‘. Doch auf welchen Traditionen baute von Carlowitz auf und in welchem kultur- und sozialgeschichtlichen Kontext steht sein Werk? Diesen Fragen möchte eine epochenübergreifende Tagung nachgehen, die insbesondere die bislang nicht systematisch erforschte Antikerezeption der „Sylvicultura oeconomica“ in ihren diskursiven Bezügen untersuchen will. Die Tagung zielt insgesamt darauf ab, die Vergangenheitsorientierung der im Text dargelegten ‚nachhaltenden‘ Forstwirtschaft herausarbeiten und einen Beitrag zu einer Geschichte der Nachhaltigkeit zu liefern. Dabei geht es nicht um eine lineare Herleitung von Carlowitzʼ Ideen aus antiken Quellen, sondern vielmehr darum, in einem interdisziplinären Zugriff die spezifischen Modi der Rezeption antiker Texte und deren jeweilige soziokulturellen und umwelthistorischen Kontexte in den Fokus zu rücken. Ausgehend von einer Auseinandersetzung mit von Carlowitz, der Kultur seiner Zeit und v.a. zentralen Passagen der „Sylvicultura oeconomica“, sollen dementsprechend unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden, die sowohl (1) die Hintergründe der rezipierten antiken Vorläufer-Texte in den Blick nehmen, als auch (2) nach den spezifischen frühneuzeitlichen Rezeptionsbedingungen und intellektuellen Traditionslinien fragen.

 

Ort: Institut für Europäische Kulturgeschichte

Eichleitnerstraße 30, 86159 Augsburg, Gebäude F1, Raum 201

Datum: 19.-21.03.2026

Veranstalter: PD Dr. Dr. Christopher Schliephake (Alte Geschichte, Universität Augsburg/Hannover) mit Prof. Dr. Ulrich Niggemann (Institut für Europäische Kulturgeschichte/Universität Augsburg) und Prof. Dr. Lothar Schilling (Geschichte der Frühen Neuzeit/Universität Augburg)

Kontakt: christopher.schliephake@uni-a.de

 

Programm

 

Donnerstag, 19.03.26

 

15.00 Begrüßung und Kaffee

 

Sektion I: Hans Carl von Carlowitz im Kontext der Umweltdebatten seiner Zeit – Neue Perspektiven auf historische Nachhaltigkeitsforschung

15.30-16.00    Christopher Schliephake / Ulrich Niggemann / Lothar Schilling (Augsburg) Einführung: Zur historischen Nachhaltigkeitsforschung – von der Antike bis zur Sylvicultura Oeconomica

16.00-16.45    Lothar Schilling (Augsburg): Versorgungssicherheit durch Erfahrung im Horizont humanistischer Bildung – zum Nachhaltigkeitsverständnis des Hans Carl von Carlowitz und zur Fragestellung der Tagung

 

- Pause –

 

Sektion II: Die ‚Erfindung der Nachhaltigkeit‘

17.00-17.45    Jens Soentgen (Augburg): Nachhaltigkeit und Nießbrauch

17.45-18.30  Mathias Kluge (Bremen): Künstliche Tannen- und Eichenwälder: Die Anfänge nachhaltiger Forstwirtschaft im Mittelalter? 

 

- Abendessen 19.00 Uhr -

 

20.03.26

 

Sektion II: Antike Vorläufer und Rezeptionslinien

09.00-09.45    Oliver Schelske (Leipzig): Die (umweltbezogene) Semantik der antiken Quellen und ihre Bedeutungsdimensionen in philologischer sowie rezeptionsgeschichtlicher Perspektive

09.45-10.30    Isabel Mancebo Leon / Moritz Waßner (Augsburg): Antike und frühneuzeitliche Naturkunde. Eine Analyse der Quellenarbeit in der Sylvicultura oeconomica auf Basis ausgewählter Fallbeispiele

 

- Kaffeepause -

 

11.00-11.45 Christopher Schliephake (Augsburg): Wie ‚nachhaltend‘ war antike Holzwirtschaft? Von Carlowitz im Dialog mit griechischen und römischen Autoren

11.45-12.30 Niklas Bend (Siegen): „[...] Regionem sylvis horridam oder ein Land das gantz furchterlich ist wegen der vielen Wälder [...]“ Römische Perspektiven auf Waldgebiete und deren Rezeption in der Sylvicultura oeconomica

 

- Mittagessen 13.00-14.30 –

 

Sektion III: ‚Nachhaltigkeit‘ und Christentum

14.30-15.15    Matthias Kaub (Freiburg): Bei der Betrachtung der Geschöpfe Gottes erkennen wir dessen Wohltaten.“ Hanns Carl von Carlowitz und die frühchristliche Theologie.

15.15-16.00    Ulrich Grober: Bewahren und lenken – Spuren der antiken Providentia-Lehre in Carlowitz' ‚Sylvicultura oeconomica‘

 

-Kaffeepause –

 

Sektion IV: Von der ökonomischen Aufklärung zu modernen Nachhaltigkeitsdebatten

16.15-17.00    Philip Hahn (Saarbrücken): War die alteuropäische Ökonomik nachhaltig? Eine kritische Relektüre der Hausväterliteratur

18.15-19.00    Martin Stuber (Bern): Von der Ökonomischen Aufklärung zu den Nachhaltigkeitszielen der UNO – Wissensgeschichtliche Überlegungen zur forstlichen Nachhaltigkeit in gesellschaftlicher Perspektive

 

21.03.26

 

Sektion V: Frühneuzeitliche Diskurs- und Bildwelten

09.00-09.45    Ulrich Niggemann (Augsburg):  Silva, Or a Discourse of Forest-Trees“: Debatten um die Waldnutzung in England und Westeuropa

09.45-10.30    Astrid Zenkert (Düsseldorf): Die Rekreation des Waldes im Garten der Frühen Neuzeit

 

- Kaffeepause -

 

11.00-12.30    Abschlussdiskussion: von Carlowitz (neu) lesen

 

 

Workshop zu "New Approaches in Ancient Environmental History: Sources, Methodologies, Perspectives"

Im September 2025 findet gefördert durch die Universität Augsburg ein internationaler Workshop statt, der aktuelle Ansätze antiker Umweltgeschichte untersucht. Interessenten sind herzlich willkommen - eine Anmeldung per Mail bei Ch. Schliephake ist notwendig. Die einzelnen Sektionen basieren auf quellengestützter Diskussion - ein Quellenreader wird im Vorfeld allen zur Verfügung gestellt. Die Tagung findet im WZU R 102 statt.

 

 

Workshop Program

 

Tuesday, September 02

 

09.15-10.15    Welcome and Introduction: (Ancient) Environmental History – Interdisciplinary Perspectives

 

                                             - break -

 

10.30-12.30    Adeline Grand-Clément (U of Toulouse 2): Greek Sacred Groves: Forest Management and Resilience. A Reappraisal of Sacred Places as ‘Commons’ in Ancient Societies

 

12.30-13.30                     - Lunch break -

 

13.30-15.30    Christopher Schliephake (U of Augsburg): The Environmental Dimension of Greek Oracles – The Example of Dodona

 

15.30-16.00                     - Coffee break -

 

16.00-18.00    Orietta Dora Cordovana (U of Calabria): Myth and Environment in the Perception of Africa between Representation and Materiality

 

19.00                                  - Dinner -

 

 

Wednesday, September 03

 

08.30-10.30    Lukas Duisen (U of Münster): The Rise of the Greek Polis from an Environmental History Perspective: Theoretical Framework, Methodological Considerations, and Sources

 

10.30-11.00                     - Coffee Break -

 

11.00-13.00    Marguerite Ronin (CNRS Nanterre): Irrigation between Agrobusiness and Solutions for the Management of Risks

 

                                             - City Tour: Augsburg’s Historic Water Management / Dinner -

 

 

Thursday, September 04

 

08.30-12.00    Plenary Session/Discussion: Ancient Environmental History, the Topic of ‘Sustainability’ and Funding Opportunities

 

12.00                                  End of Workshop

 

 

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