Integration der Datenbank Oikoscientia in die transnationale Forschungsplattform République des Lettres

Cover Churbaierisches Intelligenzblatt
Titelblatt des Churbaierischen Intelligenzblatts 1767 © Universität Augsburg
Kupferstich, auf dem Franz Seraph Kohlbrenner, Herausgeber des Churbaierischen Intelligenzblatts, abgebildet ist
Franz Seraph Kohlbrenner, Herausgeber des Churbaierischen Intelligenzblatts Public Domain (Wikimedia Commons)

 

 

Aufbauend auf einer langjährigen wissenschaftlichen Zusammenarbeit bei der Erforschung personeller Netzwerke der Ökonomischen Aufklärung kooperieren der Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit und die an der Universität Bern gehostete Forschungs- und Editionsplattform République des Lettres seit September 2025 bei der Integration des Datenbankprojekts Oikoscientia in diese Plattform. République des Lettres dient der Erschließung transnationaler Netze medizinischen, naturkundlichen und ökonomischen Wissens der Frühen Neuzeit und vereint unterschiedlichste Projekte aus der Schweiz und ihren Nachbarländern. Seit Oktober 2025 werden im Kooperationsprojekt Publikations- und Personendaten aus der am Augsburger Frühneuzeit-Lehrstuhl entstandenen und über Jahre hinweg erweiterten Datenbank Oikoscientia in die transnationale und sprachübergreifende Plattform migriert.

Zu Beginn liegt der Fokus auf den Artikeln des „Churbaierischen Intelligenzblatts“ bzw. des „Münchner Intelligenzblatts“, eines Teilbestands der Datenbank. Dieses periodische Medium wurde für den Zeitraum von seiner Gründung 1766 bis einschließlich 1783, als sich nach dem Tod des Initiators und langjährigen Herausgebers Franz Seraph von Kohlbrenner die editorische Linie änderte, umfassend mit seinen thematischen, räumlichen, textuellen und personellen Referenzen erschlossen. Damit wurde exemplarisch ein klassisches Medium einer eher praktisch ausgerichteten Aufklärung in seinen sowohl regionalen als auch überregionalen (und teilweise sogar globalen) Bezügen entschlüsselt. In einem weiteren Schritt wird ausgewähltes ökonomisches Schrifttum der Aufklärungszeit in größerem Maßstab erfasst, um Transfer- und Zirkulationsprozesse von Informationen und ökonomischen Wissensbeständen aufzuzeigen. Ziel ist es, das Wandern von Inhalten und Texten im dynamischen Publikationsumfeld der späten Aufklärungszeit sichtbar zu machen. Dafür bietet sich das „Churbaierische Intelligenzblatt“ als Periodikum aus der „zweiten Reihe“ an: Es war meist nicht der erste Publikationsort für Neuigkeiten, sondern griff andernorts veröffentlichte Meldungen und Berichte über Innovationen auf und machte sie so neuen Adressatenkreisen zugänglich. Gleichzeitig nahm das „Churbaierische Intelligenzblatt“ seinerseits eine Vorbild- und Scharnierfunktion ein –kleinere Intelligenzblätter druckten die Texte des Periodikums erneut ab. Somit lassen sich an ihm typische Muster in den Wanderungsbewegungen und Transferprozessen des ökonomischen Wissens der Aufklärung exemplarisch herausarbeiten.

Mit der Migration auf die Verbundplattform République des Lettres können die Ergebnisse nun für eine breite (Forschungs-)Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich und nutzbar gemacht werden. Darüber hinaus entstehen durch die Anreicherung und Verknüpfung des Augsburger Datenmaterials im Zuge der Migration Synergieeffekte. Die kommunikativen Praktiken und die länder- und sprachübergreifenden Horizonte gelehrter Akteure der Frühen Neuzeit treten so eindrücklich zutage.

 

Projektverantwortliche: Prof. Dr. Lothar Schilling, Prof. Dr. Regina Dauser, Dr. Lisa Kolb

 

 

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