Ludwig Lenzgeiger, B.Ed.

Ludwig Lenzgeiger arbeitete an der Universität Augsburg als Mitarbeiter an der Professur für Neueste Geschichte an seinem Promotionsprojekt.

 

 

Wissen und Wirkung. Eine geschichtswissenschaftliche Untersuchung der Zeitdiagnose Wissensgesellschaft, ihrer Entstehung, Entwicklung und Wirkung

 

 

Die Diagnose der „Wissens- und Informationsgesellschaft“ prägt seit den 1960er Jahren die wissenschaftliche Diskussion um die Beschreibung der Gesellschaft in einem internationalen Debattenkontext. Im Laufe der 1970er Jahren weitete sich insbesondere angesichts der Entwicklungen der Informationstechnologie die Bedeutung dieser Gesellschaftsbeschreibung, die als zentrale Elemente sozialen Wandels Wissen und Information identifiziert, aus. Sie gewann stetig an Popularität und fand Eingang in die deutsche sozialwissenschaftliche Diskussion über die angemessen theoretische Beschreibung westlicher, nationalstaatlich organisierter Gesellschaften.

 

Eine nachhaltige Wirkung entfaltete die Zeitdiagnose der „Wissens- und Informationsgesellschaft“ im deutschen Wissenschaftssystem seit den 1980er Jahren, wo diese Gesellschaftsbeschreibung in die Politik gelangte und zunehmend rege Rezeption erfuhr. Insbesondere in den 1990er Jahren stellte die „Wissens- und Informationsgesellschaft“ eine maßgebliche Zustandsbeschreibung der gesellschaftlichen Gegenwart ebenso wie eine Perspektive auf wünschenswerte Zukünfte dar, die die Parameter politischen Handelns und Denkens definierte und auf diese Weise unmittelbar für die politische Landschaft der Bundesrepublik seit den späten 1980er Jahren von Bedeutung war. Bis heute spielen die „Wissens-“, die „Informations-“ respektive die „Wissens- und Informationsgesellschaft“ eine gewichtige Rolle in der politischen wie wissenschaftlichen Kommunikation.

 

Die Biographie dieser Idee, die Zeitdiagnose in ihrer historischen Genese, in ihrer Entstehung, Entwicklung und Wirkungen im System „Wissenschaft“ sowie im System „Politik“ zu untersuchen, ist Gegenstand der Arbeit.

 

Dabei hofft die Untersuchung ebenso einen wissensgeschichtlichen Beitrag zum Verständnis davon zu liefern, wie zeit- und gesellschaftsdiagnostisches Orientierungswissen entsteht, wie dieses innerwissenschaftlich wie außerwissenschaftlich kommuniziert wird, wie selbiges dadurch verwandelt und interpretiert wird sowie schließlich durch die Untersuchung der politischen Adaption einer Zeitdiagnose aufzuschlüsseln, wie Deutungswissen genutzt wird und so schließlich politische Realitäten entstehen, die Handeln koordinieren.

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