Pascal Pawlitta, M.A.

Pascal Pawlitta fertigt seine Promotionsarbeit am Institut für Zeitgeschichte im Rahmen des Projekts  "Geschichte der Nachhaltigkeit(en). Diskurse und Praktiken seit den 1970er Jahren" an.

 

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Politisierung des Klimas. Die Entstehung der internationalen Klimapolitik (ca. 1979-1992)

 

Der Klimawandel ist als Verhandlungs- und Regelungsgegenstand von der internationalen politischen Agenda heute kaum mehr wegzudenken. Jährlich versammeln sich unzählige Vertreter von Regierungen, Interessenorganisationen und Wissenschaft auf medial viel beachteten „Klimagipfeln“, um über weitere Maßnahmen zum Schutz des Weltklimas zu beraten, die Vereinten Nationen unterhalten diverse multilaterale Institutionen, die sich mit der Klimathematik befassen und nicht zuletzt die teils heftigen weltweiten Reaktionen auf die Ankündigung der USA, sich vom Pariser Klimaabkommen von 2015 zu distanzieren, verweisen auf die Präsenz und Bedeutung dieses globalen Umweltproblems in der internationalen Staatengemeinschaft. Wie das Klima im Verlauf des letzten Drittels des 20. Jahrhunderts zu einem derart bedeutenden Gegenstand politischer Regelungsbemühungen auf internationaler Ebene werden konnte, mithin auf welche Weise die von Seiten der klimawissenschaftlichen Forschung postulierte Problematik eines anthropogenen Klimawandels ihren Weg in die Politik fand, ist von der zeitgeschichtlichen Forschung trotz eines wachsenden Interesses für umwelthistorische Fragestellungen bisher aber noch kaum näher untersucht worden. Hier setzt das Dissertationsvorhaben an, indem es dem Prozess der „Politisierung des Klimas“ in den 1980er und frühen 1990er Jahren nachgeht. Ausgehend von der ersten internationalen wissenschaftlichen Zusammenkunft, die sich mit menschlichen Einflüssen auf das Klima auseinandersetzte, der 1979 in Genf abgehaltenen Weltklimakonferenz, erkundet das Projekt die Entstehung eines internationalen Politikfeldes zum Thema Klimawandel bis in die frühen 1990er Jahre. Neben der Institutionalisierung klimapolitischer Mechanismen im System der Vereinten Nationen – wie die Bildung des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) oder die Erarbeitung der 1992 unterzeichneten Klimarahmenkonvention – richtet sich das Interesse dabei vor allem auf das fortwährend fortgeschriebene Bedeutungsgeflecht an Argumentationssequenzen und mitunter zu Schlagworten geronnenen Deutungs- und Zuschreibungsmustern, die das entstehende politische Handlungsfeld wesentlich strukturierten und nicht zuletzt die (medien)öffentliche Präsenz der Klimathematik prägten. Auf Akteursebene werden neben dem staatlich-politischen Bereich aus UN und nationalen Regierungen auch NGOs wie Greenpeace, der mediale Sektor und die Wissenschaft mit ihren an die Politik herangetragenen Wissensbeständen, Konzeptionen und Empfehlungen in die Analyse einbezogen. Um der bedeutenden Rolle des Nationalstaates in der internationalen politischen Arena Rechnung zu tragen und dadurch zugleich einen weiteren für die Wahrnehmung und politische Bearbeitung der Klimathematik besonders relevanten Blickwinkel auf die internationale Ebene zu eröffnen, finden zudem zwei nationalstaatliche Perspektiven vertieft Beachtung: Jene der USA als international vielfach kritisierter „Bremser“ und die der Bundesrepublik als vermeintlicher „Vorreiter“ in Sachen Klimaschutz.

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