Drifting Apart: Internationale Institutionen in der Krise und das Management von Dissoziationsprozessen

Die Institutionen der globalen Ordnung stecken in einer tiefen Krise. Sie findet ihren deutlichsten Ausdruck im Rückzug prominenter Mitgliedstaaten. Sie kündigen wie Großbritannien ihre Mitgliedschaft, bauen wie China Konkurrenzinstitutionen auf oder halten sich wie Russland offen nicht mehr an ihre Verpflichtungen. Diese Prozesse der Dissoziation von Staaten aus bestehenden Institutionen können zu erheblichen Spannungen führen zwischen den verbleibenden Mitgliedern und jenen, die sich von einer Institution abwenden. Fälle wie die Erosion der russisch-westlichen Sicherheitskooperation oder die faktische Umkehr des türkischen EU-Beitrittsprozesses zeigen, dass Dissoziation erhebliche Sprengkraft birgt und Beziehungen dauerhaft beschädigen kann. Trotz ihrer Brisanz hat die bisherige Forschung derartige institutionelle Zerfallsprozesse kaum in den Blick genommen.

 

Das Projekt „Drifting Apart“ will diese Lücke in der Forschung schließen und Beratungswissen über den Umgang mit Dissoziation bereitstellen. Beim Betreten des akademischen Neulandes geht es zunächst explorativ vor. Das Projekt untersucht anhand von fünf historischen und aktuellen Fallstudien, wie sich der Umgang mit Prozessen der Dissoziation auf das Spannungsniveau zwischen den beteiligten Staaten auswirkt. Besonderes Augenmerk wird auf die Frage gelegt, welche Konfliktdimensionen die Beteiligten in den Vordergrund stellen. Damit soll geprüft werden, ob Dissoziationsprozesse, die von den Beteiligten primär als ideelle Konflikte behandelt werden, zu einem stärkeren Spannungsanstieg führen als jene, die von den Beteiligten vor allem als Konflikte über materielle Güter verstanden werden. Ziel des Projektes ist es, den Verlauf von Krisen internationaler Institutionen besser zu verstehen, die Ursachen der Spannungen in Dissoziationsprozessen zu bestimmen und Strategien zur Entschärfung von Dissoziationsprozessen zu entwickeln.

 

Unter der Teilprojektleitung von Prof. Dr. Elke Seefried entsteht an der Professur für Neueste Geschichte das Teilprojekt zur Auflösung des Warschauer Pakts:

 

Zukunftsvorstellungen während des Umbruchs – Selbstverortungen und Bündnisperspektiven in der Sowjetunion am Ende des Kalten Krieges

bearbeitet von Susanne Maslanka

 

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt erhalten Sie hier.

 

 

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