Philip Weidner M.A.

Doktorand
Neueste Geschichte
Telefon: 0821 598-5809
E-Mail:
Raum: 2020 ( D )
Adresse: Universitätsstraße 10, 86159 Augsburg

Beruflicher Werdegang

Seit Oktober 2025: Promotion an der Universität Augsburg zum Thema „Handlungsfelder und soziale Praxis deutschsprachiger Zionismen, ca. 1890–1955“, ab April 2026 im Rahmen eines Promotionsstipendiums der Begabtenförderung des Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienwerks

 

Seit Februar 2026: Wissenschaftliche Hilfskraft der Direktion, Institut für Zeitgeschichte München–Berlin

 

Seit Juli 2019: Kulturvermittlung, Jüdisches Museum Augsburg-Schwaben

 

September 2025 bis März 2026: Freier Historiker, Werkvertrag mit der Erinnerungskommission der Stadt Memmingen

 

Oktober 2022 bis April 2025: M.A. Historische Wissenschaften mit dem Denominationsfach Neuere und Neueste Geschichte, Universität Augsburg. Abschlussarbeit: „Vom Medinat Schwaben nach Erez Israel. Die zionistischen Bewegungen in Bayerisch-Schwaben“

Zusatzzertifikat: Praxisfeld Gedenkstättenarbeit (30 ECTS)

 

April 2025 bis Januar 2026: Wissenschaftliche Hilfskraft, Schwäbische Forschungsgemeinschaft e.V.

 

Oktober 2022 bis März 2025: Studentische Hilfskraft, Professur für Neueste Geschichte – Universität Augsburg

 

April 2021 bis März 2025: Studentische Hilfskraft und Tutor, Professur für Geschichte des europäisch-transatlantischen Kulturraums – Universität Augsburg

 

Oktober 2018 bis September 2022: B.A. Geschichte und Anglistik/Amerikanistik, Universität Augsburg. Abschlussarbeit: „Die Zweite Israelitische Kultusgemeinde Augsburgs in der Zerstreuung. Das Amerika-Exil als kulturzionistische Konsequenz“

Zusatzzertifikat: Studienschwerpunkt Jüdische Studien (64 ECTS)

Promotionsprojekt

Arbeitstitel: Handlungsfelder und soziale Praxis deutschsprachiger Zionismen, ca. 1890–1955

 

Im 19. Jahrhundert entwickelten sich im deutschsprachigen Raum im Spannungsfeld von Emanzipation, gesellschaftlicher Teilhabe und antisemitischer Ausgrenzung neue Entwürfe jüdischer Selbstermächtigung. Zu diesen zählte auch die zionistische Bewegung, deren historische Entwicklung bis in die Gegenwart von besonderer Bedeutung bleibt. Unter dem Begriff Zionismus lassen sich zum Teil gänzlich unterschiedliche, miteinander konkurrierende Vorstellungen von Staatlichkeit, Kulturtradition und Religiosität subsumieren; ihre Akteur*innen debattierten und publizierten über die Zukunft jüdischen Lebens in der Diaspora und in Erez Israel, entwickelten vielfältige Formen kultureller Praxis und organisierten konkrete Vorbereitungen auf die Auswanderung. Im Verlauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und unter dem Verfolgungsdruck des Nationalsozialismus, der Shoah sowie der Neuorientierung jüdischen Lebens nach 1945 erfuhren diese Vorstellungen und Praktiken einen grundlegenden Wandel. 

Während die historische Forschung den Zionismus lange vornehmlich als politische Nationalstaatsbewegung auf dem Weg zur Gründung des Staates Israel betrachtete, interpretieren ihn Ansätze aus den Postcolonial Studies vor allem im Rahmen des Siedlerkolonialismus. Beide Deutungsansätze erfassen die Vielfalt zionistischer Zielvorstellungen sowie die sozialen und kulturellen Handlungsmöglichkeiten ihrer Akteur*innen in der Diaspora nicht ausreichend. Andere neue Arbeiten hingegen rücken die Vielfalt zionistischer Strömungen und ihre Entstehung in der Diaspora in den Mittelpunkt. An diese Forschungen knüpft das Dissertationsprojekt an und erweitert deren Perspektive um eine vergleichende Untersuchung der lokalen und regionalen Ausprägungen zionistischer Praxis. Es untersucht die deutschsprachigen Zionismen zwischen etwa 1890 und 1955 als historisch gewachsenes, plural strukturiertes und kontextabhängiges Phänomen. Im Zentrum steht die Frage, wie sich unterschiedliche Zionismen in konkreten sozialen Praktiken ausdrückten und in welchem Maße diese Praktiken durch lokale und regionale Bedingungen geprägt waren. Analysiert werden hierzu vier Untersuchungsräume – die beiden urbanen Zentren Wien und Berlin sowie die großen landjüdischen Regionen Franken und Bayerisch-Schwaben –, die jeweils unterschiedliche Voraussetzungen und Ausprägungen zionistischer Praxis aufweisen. Die Analyse konzentriert sich auf fünf zentrale Handlungsfelder: die Abwehr von Antisemitismus, die Produktion und Verbreitung zionistischer Ideen, kulturelle und religiöse Praxis, die konkrete Vorbereitung auf die Auswanderung sowie Prozesse der Institutionalisierung. Methodisch verbindet die Arbeit ideen- und sozialgeschichtliche Zugänge mit einer praxeologischen Perspektive und richtet den Blick auf das konkrete Handeln zionistischer Akteur*innen. Ziel ist es, die Vielfalt zionistischer Praxisformen im deutschsprachigen Raum im regionalen Vergleich herauszuarbeiten und dadurch neue Perspektiven auf den Zionismus als soziale und kulturelle Bewegung zu eröffnen.

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