Alexander Weidle

Doktorand, Research Fellow
Transnationale Wechselbeziehungen
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Promotionsprojekt:

Institutionalisierte Erinnerung und ihre Grenzen: Landsmannschaft und Lebensgeschichten der „Buchenlanddeutschen“ (AT)

Projektbeschreibung

Bukowina-Institut

Migration zählt zu den zentralen Zäsuren im Leben von Menschen. Entsprechend zählt auch die Auseinandersetzung mit und das Sprechen über die Migrationserfahrungen in zahlreichen Familien zur alltäglichen Praxis – ebenso wie das Engagement in Vereinen und Gemeinschaften, in denen Kulturen, Sprachen und Narrative der alten Heimat gepflegt werden. Diesem Zusammenhang von Institution und Individuum in der Erinnerung an (Zwangs-)Migrationserfahrungen widmet sich das vorliegende Dissertationsprojekt. Im Zentrum stehen die Institutionen und Erzählungen einer MigrantInnengruppe, die im Zuge von Flucht und Vertreibung der Deutschen auf das Territorium der heutigen Bundesrepublik und der Republik Österreich kam: Die Bukowina- oder Buchenlanddeutschen. Jene stehen beispielhaft für eine der kleinen Gruppen unter den insgesamt zwölf Millionen Menschen, die zum Ende des Zweiten Weltkrieges aus Ost- und Südosteuropa zuwanderten.

 

Das Dissertationsprojekt untersucht in einem ersten Schritt sowohl das institutionelle Agieren der Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen auf politischer Ebene als auch die sinn- und identitätsstiftenden Erzählungen, Medien und Praktiken, die jenseits „harter“ politischer Forderungen wie der Grenzrevision entwickelt wurden. Damit fokussiert das Projekt die längsschnittartige Abbildung verschiedener Kontinuitäten, die von ersten Versuchen der Vergemeinschaftung in der alten Heimat bis zur Auflösung der Landsmannschaft im Jahr 2019 reichen.

 

In einem zweiten Schritt geht das Dissertationsprojekt auf Basis einer umfänglichen Sammlung an Oral History-Interviews, die drittmittelgefördert zwischen 2018 und 2020 am Bukowina-Institut der Universität Augsburg realisiert wurden, den individuellen Perspektiven nach. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern sich institutionell geprägte Erzählungen der frühen Nachkriegszeit in betroffenen Familien bis heute konserviert haben: Damit geht es zum einen um die Nachwirkung der institutionellen Praktiken. Denn obwohl mittlerweile 80 Jahre seit der Umsiedlung vergangen sind und auch die Erfahrungen der (Zwangs)Migration im Rahmen von Flucht und Vertreibung knapp 75 Jahre zurückliegen, kommen jenen in Familiengedächtnissen noch heute große Bedeutung zu. Zum anderen erlauben die Interviews eine Analyse der Grenzen der Vergemeinschaftung. Denn nicht nur im Inneren der Landsmannschaft gab es Gegenstimmen, sondern auch unter den (Zwangs)MigrantInnen aus der Bukowina und ihren Nachkommen partizipier(t)en nicht alle an den angebotenen Medien und Praktiken. Wer jene „anderen Vertriebenen“ jenseits der einschlägig bekannten (aber systematisch nicht erforschten) LiteratInnen und JournalistInnen waren, blieb in wissenschaftlichen Arbeiten bislang unbestimmt. Hier setzt das Projekt an und untersucht die Erzählungen von Distanzierung und Entfremdung ebenso wie die von begeisterter Teilhabe an den identitätsstiftenden Praktiken. Entsprechend will das Dissertationsvorhaben nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der (Nach-)Geschichte von Flucht und Vertreibung leisten, sondern darüber hinaus zur Migrations- und Erinnerungsgeschichte, zu Gruppenkohäsionsprozessen und der Nationalismusforschung beitragen.

Wissenschaftlicher Werdegang

Seit 10/2019 Promotionsstudent im Fach Neuere und Neueste Geschichte (Universität Augsburg)

 

01/2019 ­­– 12/2020 Projekt-/ bzw. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bukowina-Institut (Augsburg): Veranstaltungskoordination und Projektleitung im Oral-History-Projekt „Bukowina-Deutsche“: Erfindungen, Erfahrungen und Erzählungen einer (imaginierten) Gemeinschaft seit 1775.

 

10/2016 – 06/2018 Masterstudium „Master of Education“ (Universität Augsburg / Adam-Mickiewicz-Universität Poznań); Thesis: „Zwei von 10.000. Ein biographischer Beitrag zur Historiographie der Kindertransporte.“

 

01/2016 ­­– 12/2018 Studentische/wissenschaftliche Hilfskraft (Bukowina-Institut Augsburg / Juniorprofessur „Transnationale Wechselbeziehungen: Deutschland und das östliche Europa“ / Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte (Universität Augsburg))

 

10/2011 – 09/2017 Studium der Fächer Geschichte, Deutsch und Erziehungswissenschaften auf gymnasiales Lehramt (Universität Augsburg); Thesis: „Die „Hierarchie der Rasse" im Dorf. Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg: Umgang und Erinnerung am Beispiel Gestratz.“

Publikationen (Auswahl)

  • Sammelband (hrsg. mit Maren Röger): „Bukowina-Deutsche. Erfindungen, Erfahrungen und Erzählungen einer (imaginierten) Gemeinschaft seit 1775“, München 2020.
  • Aufsätze

    Einleitung (mit Maren Röger, S. 7-20); Aufsatz „Von Netzwerken des Erzählens. Interviews mit Bukowina-Deutschen heute“ (S. 185-200); „Stimmen, Fotografien und Dinge: Quellenedition zum Interviewprojekt mit Bukowina-Deutschen“ (S. 201-314), in: Maren Röger, Alexander Weidle: „Bukowina-Deutsche. Erfindungen, Erfahrungen und Erzählungen einer (imaginierten) Gemeinschaft seit 1775“, München 2020.

 

„Ernst und Rudolf Farnbacher“, in: Jüdisches Museum Augsburg Schwaben (Hrsg.): Ausstellungskatalog zur Ausstellung „Kinder auf der Flucht 1939/2015“ (eingereicht).

 

  • Tagungsbericht: „Die Geschichte der Bukowina nach dem Visual Turn“, 17.10.2019-19.10.2019, in: H-Soz-Kult, 21.02.2020 (gemeinsam mit Gaelle Fisher).
  • Rezension: „Neue Perspektiven auf die Umsiedlung der Bukowinadeutschen“. Rezension zu Mariana Hausleitner: „Viel Mischmasch mitgenommen“. Die Umsiedlungen aus der Bukowina 1940, in: Deutsch-Rumänische Hefte 22, Heft 12.2, S. 40.
  • Beiträge: „Bukowina-Deutsche“, „Deutsches Volkshaus in Czernowitz“ und „Der Czernowitzer Stadtteil Rosch“, in: Maren Röger, Günther Kronenbitter (Hrsg.): „Exkursionsreiseführer Lemberg und Czernowitz. Multikulturelle Städte im Osten Europas“. Universität Augsburg/ Bukowina-Institut 2017.

Vorträge (Auswahl)

  • 10/2020 Von Netzwerken des Erzählens: Interviews mit Bukowina-Deutschen heute; Konferenz „Bucovina - Identitate și transformare”, Bukowina-Institut Rădăuți (online)
  • 11/2019 Reflektiert ins Referendariat: Präsentationstraining mit Videofeedback; Bayerischer Philologenverband, Regensburg
  • 10/2019 Formen und Funktionen privater Familienalben der Bukowina-Deutschen; Konferenz „Die Geschichte der Bukowina nach dem Visual Turn“, Bukowina-Institut Augsburg
  • 01/2019 Schattenspieler Schostakowitsch. Zwischen künstlerischer Freiheit und ideologischem Zwang; Historische Einführung zum Konzertabend am Leopold-Mozart-Zentrum Augsburg
  • 05/2018 Die ‚Hierarchie der Rasse‘ im Dorf: Ländliche Erinnerung an Zwangsarbeitende während des Zweiten Weltkriegs; Konferenz „Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkriegs – Auswirkungen und Erinnerung“; Institut für Nationales Gedenken in Szczecin/Polen 

Förderungen und Stipendien

seit 01/2021 Research-Fellow (Bukowina-Institut)

 

seit 11/2020 Graduiertenschule für Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Augsburg

 

07/2019 bis 04/2020 Förderung des Interview-Projektes „Bukowina-Deutsche: Erfindungen, Erfahrungen und Erzählungen einer (imaginierten) Gemeinschaft“ durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM)"

 

07/2019 Teilnehmer des 13. Aldersbacher Schreibpraxis-Seminars (Institut für Zeitgeschichte, Verlag De Gruyter Oldenbourg)

 

05/2018 Mobilitätsbeihilfe des Bayerischen Hochschulzentrums für Mittel-, Ost- und Südosteuropa der Universität Regensburg (BAYHOST) für Konferenzreise nach Szczecin/Polen

 

10/2017 bis 02/2018 Studien-Stipendium des Ministeriums für Wissenschaft und Hochschulbildung der Republik Polen

 

10/2015; 10/2017 Oskar-Karl-Forster-Stipendium; Universität Augsburg

Lehrveranstaltungen

  • SoSe 2019 Übung: Oral History in der Praxis: Planung, Durchführung und Analyse von Zeitzeugengesprächen

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