Markt
Toxizität, Altlasten und Abfälle (Prof. Dr. Simone M. Müller)
Abfall ist eines der komplexesten, umstrittensten und am stärksten belasteten Themen, denen wir Menschen in unserem täglichen Leben begegnen. Er enthält Erzählungen von Verfall und Niedergang, von Verschmutzung und Toxizität, von Wiederauferstehung und Wiederherstellung, aber auch von Gewalt und Ungleichheit. Abfall ist allgegenwärtig - wir können nicht vermeiden, ihm auf die eine oder andere Weise zu begegnen, ganz gleich, wie sehr wir uns bemühen, Abfallobjekte aus dem Blickfeld zu räumen, sie zu vergraben oder zu verbrennen, sie zu entsorgen, wegzuwerfen oder zu zerstören. Alles ist Abfall und Abfall ist überall.
Die DFG-Heisenberg-Professorin Simone M. Müller beschäftigt sich mit verschiedenen historischen Zugängen zur Welt des Abfalls, darunter die globale Abfallwirtschaft ( The Toxic Ship, 2023), Times of Toxics und Toxic Commons.
Book Reviews:
UmweltGrenzen: Eine Umweltgeschichte der Grenze zwischen Alaska und dem Yukon, 1890 - 1935 (Dr. Andreas Mentrup-Womelsdorf)
Für die Gemeinden entlang des Yukon River, eine der größten Wasserscheideregionen Nordamerikas, brachten die vergangenen Jahre enorme Unsicherheiten. Neben den sich rasant verändernden, fragilen Ökosystemen des nördlichen Pazifiks und der nordamerikanischen Arktis mit ihren tauenden Permafrostböden ist es besonders der Zusammenbruch der Lachspopulationen im Yukon River, der Gemeinden in der Grenzregion zwischen den USA und Kanada vor existentielle Herausforderungen stellt. Dabei sollte ein internationales Abkommen zur Stabilisierung der Fischbestände, das vor mehr als 20 Jahren von den USA und von Kanada ratifiziert worden ist, eigentlich einen Kollaps der Bestände verhindern und die Subsistenzfischerei sicherstellen.
Dieses Forschungsprojekt zeichnet die Frühphase der Grenzziehung zwischen Alaska und dem Yukon Territory in den späten 1890er-Jahren nach und fokussiert sich dabei auf die Probleme und die Widersprüche von Regierungshandeln. Wie wird die Präsenz staatlicher Institutionen überhaupt legitimiert? Was sind die besonderen politischen und umweltlichen Schwierigkeiten, die die Muster staatlicher Aufsicht bedingen? Welche Rolle spielen nicht-menschliche Entitäten wie etwa Fisch oder Viren in diesen Prozessen; und welchen Einfluss haben diese Entitäten auf den territorialen Zuschnitt, die Praxis der Territorialisierung, imperialer Herrschaft und auf ihre Fragilität? Basierend auf der Dissertation untersucht das Projekt die Arten und Weisen, in denen und vermittels derer staatliche Akteure und Institutionen versuchten, den (sub-) arktischen Flusslanden ihren Stempel auf- und ihnen Ressourcen abzupressen, dabei aber nicht selten das Scheitern ihrer eigenen Projekte konstatieren mussten.