Graffiti und Street Art als visuelle Gedächtnis- und Erinnerungspraktiken im urbanen Raum

Urbaner Raum entsteht nicht allein durch Planung, sondern durch alltägliche Praktiken des Markierens und Sichtbarmachens, wie beispielsweise durch Graffiti und Street Art. Diese werden in diesem Projekt neben Kunst- und Kommunikationsformen vor allem als sprachliche und visuelle Erinnerungszeichen angesehen, die an bestimmte Personen oder Ereignisse erinnern sollen.

Im Zentrum stehen somit Text-Bild-Komplexe und die Fragen, wie Erinnerung in einem ephemeren Medium funktioniert, dessen zentrales Merkmal Vergänglichkeit ist; wessen Erinnerungen in Street Art und Graffiti sichtbar werden und welche Geschichten wie und wo im Stadtraum Platz finden. Somit werden Graffiti und Street Art als selbsterzeugte, nicht-staatliche und häufig marginalisierte Gedächtnisformen angesehen und in den Mittelpunkt gerückt.

Theoretisch ist das Vorhaben an der Schnittstelle von kulturwissenschaftlicher Stadt- und Gedächtnisforschung und visuellen Analysen verortet, welche den Text-Bild-Komplex Graffiti und Street Art sprachlich als auch visuell in den Blick nehmen. Methodisch folgt es einem qualitativen, ethnographischen Design. Grundlage bilden die systematische Erfassung und visuelle Analyse von Graffiti in ausgewählten europäischen Städten sowie leitfadengestützte Interviews mit Akteur*innen der Szene. Ziel ist es, urbane Gedächtnispraktiken jenseits staatlich institutionalisierter Formen zu rekonstruieren und ihre kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung sichtbar zu machen.

 

Auf einer Mauer ein Pink/Rosa FCA Schriftzug als Grafiti
Augsburg Bismarckbrücke, Februar 2026 Dr. Leonie Herrmann
Ein Sticker auf einem Post-Briefkasten
Augsburg Bismarckbrücke, Februar 2026 Dr. Leonie Herrmann

Suche