Anthropomorphe Pflanzenformen. Die gestörte Ordnung der Natur in Franz Sedlaceks „Der Gärtner“ (1928), (Leila El-Dwaik B.A.)
Leila El-Dwaik B.A.
Anthropomorphe Pflanzenformen. Die gestörte Ordnung der Natur in Franz Sedlaceks „Der Gärtner“ (1928)
Der österreichische Künstler Franz Sedlacek (1891–1945) malte 1928 „Der Gärtner“ und präsentiert darin einen Raum voller phantastischer Naturformen jenseits der gewohnten Kategorien von Mensch, Tier und Pflanze. Seinerzeit war Sedlacek international bekannt, jedoch ist sein Werk in der Forschung bislang nur wenig bearbeitet worden. Als Ausgangspunkt der These soll in der Arbeit zunächst historisch aufgearbeitet werden, welches Verständnis von Natur und Naturordnung in der westlichen Gesellschaft zu Sedlaceks Zeit vorherrschte. Sedlaceks anthropomorphe Pflanzen, übergroße Insekten und die verzerrte Gärtnerfigur entsprechen weder hierarchischen Ordnungsmodellen noch der Alltagserfahrung und stellen damit ein phantastisches, unheimliches und gestörtes Naturbild dar. Im Vergleich mit Werken von Carl Spitzweg, Odilon Redon und Alfred Kubin soll das Werk Sedlaceks kunsthistorisch verortet werden. Außerdem ist es unabdingbar die Einflüsse phantastischer Literatur, insbesondere die Texte Gustav Meyrinks, für die Deutung zu berücksichtigen. Zeitgenössische wissenschaftliche Experimente wie Transplantationsversuche oder künstliche Befruchtungen führten zu gesellschaftlichen Ängsten vor einer gefährlichen, grenzüberschreitenden Wissenschaft. Dieser Kontext eröffnet eine weitere Dimension für die Interpretation von Sedlaceks Werk.
(betreut durch Dr. Robert Bauernfeind)