Mensch, Monster, Mischwesen. Die Darstellung des Vampirs in der Europäischen Kunst (1871-1918) (Annika Höldrich M.A.)
Annika Höldrich (M.A.)
Mensch, Monster, Mischwesen.
Die Darstellung des Vampirs in der Europäischen Kunst (1871-1918)
Der Vampir ist ein kulturelles und gesellschaftliches Phänomen, das einer ständigen Veränderung unterliegt. Erst Robert Eggers Neuinterpretation des Stummfilm-Klassikers Nosferatu spielt mit der Wandelbarkeit des Sujets und zeichnet sich durch eine Anlehnung an klare historische und künstlerische Vorbilder aus.
Während die Aufbereitung des Vampirthemas in der Populärkultur sowie den literatur- und filmwissenschaftlichen Forschungsbereichen sehr präsent ist, gilt dies nicht für die Kunstgeschichte.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung des Vampirs in der europäischen Kunst zwischen 1871 und 1918. Durch die Analyse von 25 Werken wird die Ikonografie des Vampirs in der Kunst herausgearbeitet, definiert und neu kontextualisiert.
Die Darstellung des Vampirs wird in Bezug auf historische Überlieferungen wie Michael Ranfts Tractat von dem Kauen und Schmatzen der Todten aus dem Jahr 1728 und die Vermischung von Darstellungstraditionen ähnlicher Wesen wie dem Alb und Aufhocker untersucht. Anschließend wird die Darstellung des weiblichen Vampirs analysiert und in einen zeitgeschichtlichen Zusammenhang eingeordnet. Der weibliche Vampir wird durch die männlichen Künstler als Femme fatale par excellence stilisiert. Nicht nur Philip Burne-Jones’ berühmtes verschollenes Gemälde The Vampire aus dem Jahr 1897 bildet den weiblichen Vampir in diesem Kontext ab, sondern auch die Werke von Max Kahn, Ernst Stöhr oder Etienne Csok. Die Heterogenität der Vampirdarstellungen erreicht ihre höchste Ausprägung schließlich durch die Darstellung des Vampirs als Mischwesen. Die Werke zeichnen sich durch eine Vielfältigkeit aus, die den Vampir zur idealen Bildfläche für die Projektion von sozialen Ängsten werden lässt.
(Masterarbeit 2026)