Zwischen Gruß und Grafik – Die Neujahrswünsche von Gabriele Münter (Janina Wenzel B.A.)
Janina Wenzel B.A.
Zwischen Gruß und Grafik – Die Neujahrswünsche von Gabriele Münter
Die Masterarbeit widmet sich erstmals einer systematischen Untersuchung der Neujahrswünsche von Gabriele Münter als zusammenhängende Werkgruppe. Zwischen 1909 und 1935 schuf die Künstlerin insgesamt sechs Druckgrafiken, die in erster Linie als Glückwünsche zum Jahreswechsel konzipiert waren. Die Blätter gehen jedoch weit über die Funktion persönlicher Grußgaben hinaus und bewegen sich an der Schnittstelle zwischen privater Kommunikation, zweckgebundener Gebrauchsgrafik und autonomem Kunstwerk.
Im Zentrum der Arbeit steht die Frage, wie sich die Neujahrsgrüße innerhalb von Münters druckgraphischem Schaffen verorten lassen und welche Entwicklungen sich innerhalb der Werkgruppe beobachten lassen. Die einzelnen Drucke werden hinsichtlich ihrer Motivik, Gestaltung, Drucktechnik, Überlieferung und Funktion untersucht. Während die frühen Neujahrsgrüße der Jahre 1909 bis 1911 durch spielzeugartige Motive und eine heitere Bildsprache geprägt sind, zeichnen sich die späteren Blätter durch eine stärkere formale Reduktion, eine ernstere Thematik sowie veränderte Entstehungs- und Verwendungskontexte aus. Auf diese Weise soll nachvollzogen werden, wie sich die Werkgruppe über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren entwickelte und welche Kontinuitäten und Brüche sich innerhalb dieser Zeitspanne erkennen lassen.
Darüber hinaus werden die Drucke in größere kunst-, kultur- und medienhistorische Zusammenhänge eingeordnet. Hierzu zählen etwa die Tradition des Neujahrsgrußes, die zeitgenössische Auseinandersetzung mit Kindheit, Spielzeug und volkstümlichen Bildwelten sowie die veränderten künstlerischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der 1930er Jahre. Die Arbeit versteht die Neujahrswünsche Münters nicht als bloße Randerscheinung innerhalb ihres künstlerischen Oeuvres, sondern als aufschlussreiche Beispiele für das Zusammenspiel von Kunst, Alltagskultur und persönlicher Kommunikation im frühen 20. Jahrhundert. (betreut durch Prof. Dr. Andrea Gottdang)