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Mythos "Neue Frau". Produktive Umgestaltung eines Weiblichkeitsbildes zu einer transkulturellen und transmedialen Identität durch Autorinnen der Neuen Sachlichkeit

Die Dissertation beschäftigt sich mit dem Frauenbild in Deutschland zur Zeit der Weimarer Republik und dessen Rezeption. In den Goldenen Zwanzigern kamen zu dem bis dato bestehenden Rollenbild der Frau eine Reihe von neuen Klischees hinzu, denen sich Frauen scheinbar zuordnen ließen: zusammengefasst als das Klischeebild der ‚Neuen Frau‘. Dieses Bild wies große Disparitäten zum realen Leben der Frauen auf, dennoch erfuhr es einen Hype in den Goldenen Zwanzigern. Die Arbeit beschäftigt sich genau mit diesem disparatem Verhältnis und zeigt auf, wie zeitgenössische Autorinnen mit Hilfe ihrer Texte das eindimensionale Bild der ‚Neuen Frau‘ aufgreifen, es aufsprengen und produktiv umgestalten, um mit Hilfe von transkulturellen und transmedialen Identitätskonstitutionen eine eigene (weibliche) Sicht auf die Frau der Goldenen Zwanziger aufzuzeigen.

 

 

 

 

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Menschenwürde, Menschenrechte, Performativität. Theatrale Präsentationen von Geflüchteten als ethische Strategie der Kommunikation zwischen Selbst und Anderem


Die Dissertation konzentriert sich auf die Frage, wie Performativität als ethische Strategie definiert und genutzt werden kann, um Identität und Menschenwürde im Kontext von Menschenrechtsverletzungen theatral zu artikulieren. Dies wird anhand ausgewählter Theateraufführungen mit Geflüchteten im europäischen Raum beispielhaft dargelegt. Durch die Inszenierung formulieren die darstellenden Geflüchteten ihren Anspruch auf Selbstachtung in der europäischen Gesellschaft, wodurch auch die europäische Rolle thematisiert und hinterfragt wird. Das Verhältnis von eigenen und fremden Erfahrungen wird auf der Bühne neu ‚durchgespielt‘. Auf diese Weise wird Einfluss auf den Diskurs, die Narrative und die Mythen über ‚illegale‘ MigrantInnen und Flüchtlinge genommen. Performative Erscheinungsformen verhandeln konstant die moralischen, gesellschaftlichen und diskursiven Prozesse und Normen. Durch die körperliche Anwesenheit des Schauspielers und der Zuschauer ist es möglich, Performativität mit den phänomenologischen Aspekten von ‚Selbst‘ und ‚Anderem‘ zu fassen. Die transeuropäischen Produktionen werden in Bezug auf Aspekte der Asyl- und Menschenrechte und auf ihre transkulturelle Art, Würde und Identität darzustellen, analysiert und verglichen. Gefördert im Rahmen des Bayerischen Eliteförderungsgesetzes.

 

 

 

 

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Fremdheit und Differenzerfahrung in Texten von Autoren und Autorinnen aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur

Im Rahmen des Dissertationsprojekts werden Texte der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur von Autorinnen und Autoren aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion im Hinblick auf Subjektkonstitution, Fremdheit und Differenzerfahrung untersucht. Ziel ist es, einen neuen Umgang mit Sprache und die Entwicklung eines neuen Subjektverständnisses herauszuarbeiten. Die Thematik der Vergangenheitsbewältigung ist allen Texten gemein und verbindet diese miteinander. Die Subjektdarstellung erfolgt mithilfe der Aufarbeitung des Geschehenen und wird individuell vollzogen. Familiäre Beziehungen, das Verhältnis zur Religion, territoriale Entfremdung und ein neuer Zugang zur Sprache dienen hierbei als Vergleichsmomente der unterschiedlichen Texte. Das dort jeweils präsentierte Subjekt ist keinesfalls autonom. Um diese Argumentation zu stützen, wir neben Lévinas’ Auseinandersetzung mit dem Anderen auch Ricoeurs Phänomenologie des Selbst herangezogen. Kernelement ist die narrative Identität, die dem Projekt einen Zugang zur Untersuchung im hermeneutischen Kontext gestattet. Ricoeur entwickelt ein Konzept der Ipseität/Selbstheit, die an einem Ort jenseits des Subjektdenkens der Neuzeit wie ihrer Dekonstruktion zu verorten ist. Die Abhängigkeit des vermeintlich primären Subjekts von einem ihm fremden Anderen ist auch hier eines der Leitmotive und ergänzt Lévinas‘ Ausführungen. Es soll belegt werden, dass die anhaltende Infragestellung des Subjekts in den zeitgenössischen deutschsprachigen Texten von Autoren und Autorinnen aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion ein andauerndes Spiel mit eben diesem bedingt, das im Schwellenmoment vollzogen wird. Entscheidendes Element ist hierbei die Sprache, durch welche die Situation des Dazwischen geschaffen wird und welche die grundlegende Fremdheitserfahrung im Selbst markiert.

 

 

 

 

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Weltbeschreibung zwischen Literatur und Wissenschaft – Raoul Schrotts Erste Erde. Epos im Kontext von Alexander von Humboldts Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung

Der österreichische Schriftsteller, Literaturwissenschafter und Übersetzer Raoul Schrott hat 2016 mit Erste Erde. Epos einen Text vorgelegt, der das gesamte Wissen über die Welt in einem einzigen Buch zu fassen versucht – und sich somit in die Tradition eines Universalgelehrten wie Alexander von Humboldt einschreibt, der im 19. Jahrhundert mit seinem Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung ein ähnliches Unterfangen anstrebte, wenn auch mit anderen Mitteln, Zielen und Voraussetzungen. Schrotts Anspruch, das heutige Wissen über die Welt in einem einzigen Text zu vereinen, erscheint im hochgradig spezialisierten und ausdifferenzierten 21. Jahrhundert, in dem eine allumfassende Beschreibbarkeit von Welt stark infrage gestellt wird, erstaunlich. Gerade diesem – nicht zuletzt von den Erkenntnissen der modernen Physik des 20. Jahrhunderts ausgelöstem – Zweifel, stellt Schrott ein Werk entgegen, dass Dichtung und Wissenschaft zu einem universellen Epos vereint. Mit welchen literarischen Stilmitteln und narrativen Strategien versucht der Autor seinem Anspruch gerecht zu werden? Ist es heute überhaupt noch möglich, Welt zu beschreiben und wenn ja, welche Rolle spielt hierfür die Imaginationskraft der Literatur? An der Schnittstelle der Beantwortung dieser Fragen ergibt sich die Möglichkeit, das sich wandelnde Verhältnis von Literatur und Wissenschaft von Humboldt bis heute sichtbar zu machen sowie die von Schrott verwendete Gattung Epos neu zu begründen, sie als Wegweiser einer potenziellen Aufhebung der Dichotomie von Literatur und Wissenschaft zu begreifen und Konsequenzen für eine zeitgenössische Ethik des Schreibens aufzuzeigen.

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