Mit dem Québec-Stipendium auf Forschungsreise: Drei Studierende forschen 2026 in Québec
Die vorlesungsfreie Zeit ist nicht nur eine Zeit für Urlaub, Hausarbeiten und Prüfungsvorbereitungen. Für drei Studierende bayerischer Universitäten bedeutet sie in diesem Jahr auch: Koffer packen und auf Forschungsreise nach Québec gehen. Dort erheben sie Daten für ihre Abschlussarbeiten, dokumentieren Sprache und Erinnerungskultur im öffentlichen Raum und suchen den wissenschaftlichen Austausch mit Expertinnen und Experten vor Ort. Ihre Projekte führen nach Montréal und Sherbrooke und beschäftigen sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit sprachlicher Variation, Sprachpolitik, Mehrsprachigkeit und kultureller Erinnerung. Lea Weiß: Zukunftsformen im gesprochenen Québec-Französisch Clara de Oliveira Seyler: Städtische Erinnerungskultur in Montréal und Mexiko-Stadt Victoria Khorani: Die sprachliche Landschaft der Métro Montréal
Besonders freuen wir uns, dass 2026 erstmals drei Studierende mit einem Québec-Stipendium gefördert werden können. Aufgrund der hervorragenden Bewerbungen wurde in diesem Jahr ausnahmsweise ein zusätzliches drittes Stipendium ermöglicht. Das Québec-Stipendium wird im Rahmen der langjährigen Kooperation zwischen Bayern und Québec an Studierende bayerischer Universitäten und Hochschulen vergeben, die für ihre Abschlussarbeit zu einem Thema mit Québec-Bezug einen Forschungsaufenthalt vor Ort planen. Die Stipendien werden von der Bayerischen Staatskanzlei finanziert und sind mit jeweils 2.500 Euro dotiert. Über die Vergabe entscheidet eine Kommission, der für die Universität Augsburg Prof. Dr. Daniela Pietrini, Inhaberin des Lehrstuhls für Romanische Sprachwissenschaft, sowie Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaftlichen Koordinierungsstelle Bayern-Québec und der Bayerischen Staatskanzlei angehören. Die drei in diesem Jahr geförderten Projekte zeigen dabei eindrucksvoll, wie vielfältig Québec als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung ist. Sie reichen von der grammatischen Variation im gesprochenen Québec-Französisch über die Sichtbarkeit von Sprachen im öffentlichen Raum Montréals bis hin zur Frage, wie Städte ihre Geschichte erzählen und welche Rolle autochthone Perspektiven dabei einnehmen.
Lea Weiß studiert Französisch, Spanisch und Mathematik für das Lehramt an Gymnasien an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Fremdsprachen und internationale Begegnungen begleiten sie bereits seit ihrer Schulzeit. Austauschprogramme in Frankreich und Litauen sowie eine Exkursion nach Südfrankreich haben ihr Interesse an Sprache und Kultur weiter vertieft. Mit dem Québec-Stipendium kann sie diese Begeisterung nun mit einem eigenen sprachwissenschaftlichen Forschungsprojekt verbinden. Im Rahmen ihrer Bachelor- und Zulassungsarbeit untersucht sie die Verwendung der beiden Zukunftsformen „Futur périphrastique“ und „Futur simple“ im gesprochenen Québec-Französisch. Methodisch verbindet sie eine Korpusanalyse mit eigenen Sprachaufnahmen, die sie während ihres Forschungsaufenthalts in Québec erheben wird. Ziel ist es, die Verwendungskontexte der beiden Futurformen miteinander zu vergleichen und damit einen empirischen Beitrag zur Erforschung des Québec-Französischen zu leisten. Wissenschaftlicher Ansprechpartner vor Ort ist Prof. Wim Remysen von der Université de Sherbrooke. Der Forschungsaufenthalt ermöglicht Lea somit nicht nur die Erhebung authentischer Sprachdaten, sondern auch den unmittelbaren Austausch über ihre Korpusanalyse und die Konzeption der geplanten Aufnahmen.
„Ich freue mich sehr über die Möglichkeit, durch das Stipendium mein wissenschaftliches Interesse mit meiner Begeisterung für die französische Sprache und Kultur zu verbinden. Der Forschungsaufenthalt in Québec bietet mir die einmalige Chance, authentische Sprachdaten zu erheben und meine Abschlussarbeit auf eine fundierte empirische Grundlage zu stellen. Gleichzeitig kann ich wertvolle sprachliche und interkulturelle Erfahrungen sammeln, die ich später auch an meine Schülerinnen und Schüler weitergeben möchte.“
Einen anderen Blick auf Québec richtet Clara de Oliveira Seyler, die den Masterstudiengang Interkulturelle Europastudien an der Universität Regensburg studiert. Ihre sprachlichen Schwerpunkte liegen im Französischen und Spanischen, ihr besonderes geografisches Interesse gilt Québec und Mexiko. Québec fasziniert sie bereits seit ihrer Schulzeit. Während eines Praktikums am Goethe-Institut Montréal im Jahr 2023 lernte sie die Stadt intensiver kennen. Vor allem die kulturelle Vielfalt Montréals und Fragen der öffentlichen Erinnerungskultur gaben den Anstoß dazu, sich auch wissenschaftlich mit der Region auseinanderzusetzen. Mit Unterstützung des Québec-Stipendiums kehrt Clara nun für die Recherchen zu ihrer Masterarbeit nach Montréal zurück. Ihr Projekt trägt den Titel „Städtische Selbsterzählungen und autochthone Perspektiven – Ein Vergleich von Montréal und Mexiko-Stadt“. Im Zentrum steht die Frage, wie Städte im öffentlichen Raum ihre eigene Geschichte erzählen und in welcher Weise dabei indigene beziehungsweise autochthone Perspektiven sichtbar werden. Während ihres Aufenthalts untersucht sie unter anderem Denkmäler, Informationstafeln, öffentliche Kunstwerke und weitere Erinnerungsorte. Ergänzend sucht sie den Austausch mit Forschenden aus dem Bereich der Indigenous Studies. Die in Montréal gewonnenen Erkenntnisse und Materialien werden anschließend mit entsprechenden Formen städtischer Selbstdarstellung in Mexiko-Stadt verglichen.
„Ich freue mich riesig, dank des Stipendiums Montréal noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennenlernen zu dürfen und vor allem Fragen nachzugehen, die mich schon damals persönlich beschäftigt haben. Ich bin sehr gespannt, welche Antworten ich finden werde und welche neuen Fragen in meinem Arbeitsprozess aufkommen.“
Victoria Khorani studiert Französisch und Spanisch für das Lehramt an Gymnasien an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. In ihrer Zulassungsarbeit beschäftigt sie sich mit einem Thema, das Sprachpolitik unmittelbar im Alltag einer mehrsprachigen Großstadt sichtbar macht. Ihr Projekt trägt den Titel „Linguistic Landscape der Métro Montréal – Die Umsetzung der Sprachpolitik Québecs im öffentlichen Nahverkehr“. Québec ist die einzige überwiegend französischsprachige Provinz Kanadas und verfolgt seit Jahrzehnten eine aktive Sprachpolitik zum Schutz und zur Förderung des Französischen. Montréal stellt in diesem Zusammenhang einen besonders ergiebigen Forschungsraum dar, da unterschiedliche Sprachen im städtischen Alltag aufeinandertreffen und zugleich sprachpolitische Vorgaben die öffentliche Sichtbarkeit insbesondere des Französischen prägen. Während eines vierwöchigen Forschungsaufenthalts wird Victoria die sprachliche Landschaft der Métro Montréal systematisch fotografisch dokumentieren. Im Mittelpunkt stehen Beschilderungen und andere schriftsprachliche Elemente im öffentlichen Nahverkehr. Untersucht wird, wie sich die Sprachpolitik Québecs in diesem alltäglichen Kommunikationsraum konkret manifestiert und welche Rolle die Beschilderung für die Sichtbarkeit des Französischen spielt. Die fotografische Dokumentation wird durch Gespräche mit Expertinnen und Experten ergänzt.
Für Victoria Khorani verbindet das Projekt wissenschaftliche Interessen an Mehrsprachigkeit, Sprachkontakt und Identität mit einer weiteren persönlichen Leidenschaft, der Fotografie: „Ich freue mich riesig über die Zusage für das Stipendium und die Möglichkeit, in Montréal forschen zu können. Da ich selbst bilingual aufgewachsen bin, faszinieren mich Kontaktsituationen zwischen Sprachen und die Frage, wie Sprache Identität prägt. Besonders freue ich mich darauf, meine Zulassungsarbeit mit eigenen Beobachtungen vor Ort zu verbinden und gleichzeitig Québec kennenzulernen. Außerdem kann ich mein Interesse an Fotografie mit einem sprachwissenschaftlichen Forschungsprojekt verbinden. Die gewonnenen Erfahrungen werden auch meine zukünftige Tätigkeit als Lehrerin bereichern.“