Neue Videoreihe: Romanistik studieren im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz
Hat ein Romanistikstudium im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz noch Zukunft? Diese Frage stellen sich derzeit viele Studieninteressierte. Schließlich können KI-Systeme heute Texte formulieren, Fremdsprachen übersetzen und bei zahlreichen sprachbezogenen Aufgaben unterstützen. Doch bedeutet das automatisch, dass fundierte Sprachkenntnisse und ein Sprachstudium an Bedeutung verlieren?
Mit genau dieser Frage beschäftigt sich eine neue fünfteilige Videoreihe des Lehrstuhls für Romanische Sprachwissenschaft der Universität Augsburg. Ziel der Reihe ist es, unterschiedliche Perspektiven auf das Verhältnis von Romanistik und Künstlicher Intelligenz sichtbar zu machen und zu zeigen, welche Rolle sprachliche, kulturelle und wissenschaftliche Kompetenzen auch in einer zunehmend digitalisierten Welt spielen. Im Mittelpunkt der ersten drei Videos stehen Studierende der Augsburger Romanistik, die erzählen, warum sie sich bewusst für Französisch, Italienisch oder Spanisch entschieden haben und weshalb sie überzeugt sind, dass sich ein Romanistikstudium auch im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz lohnt. Dabei wird schnell deutlich, wie vielfältig die Antworten ausfallen: Manche berichten von ihrer Begeisterung für Sprachen, andere von der Faszination für unterschiedliche Kulturen oder von den internationalen Perspektiven, die ein Romanistikstudium eröffnet. Wieder andere betonen, dass Sprache weit mehr ist als Grammatik und Wortschatz - sie ist ein Schlüssel zum Verständnis von Geschichte, Gesellschaft, Identität und Kommunikation. Gerade diese Vielfalt der Antworten macht deutlich, dass es nicht den einen Grund für ein Romanistikstudium gibt, sondern viele unterschiedliche Zugänge, Interessen und persönliche Erfahrungen.
Die beiden abschließenden Videos ergänzen diese persönlichen Perspektiven durch wissenschaftliche Einordnungen. Prof. Dr. Daniela Pietrini beleuchtet die Frage aus der Sicht der Romanischen Sprachwissenschaft und hebt hervor, dass Sprachen weit mehr sind als Kommunikationsmittel. Sie eröffnen Zugänge zu anderen Denk- und Lebensweisen und fördern die Fähigkeit, unterschiedliche kulturelle Perspektiven zu verstehen und einzuordnen, denn gerade in einer Zeit zunehmender Digitalisierung und zugleich erstarkender nationalistischer Tendenzen gewinnen interkulturelle Kompetenz, Perspektivenvielfalt und die Fähigkeit zum Dialog weiter an Bedeutung. Ein Romanistikstudium leistet hierzu einen wichtigen Beitrag.
Prof. Dr. Joachim Steffen (Lehrstuhl Angewandte Sprachwissenschaft, Romanistik) zeigt, dass Künstliche Intelligenz ein leistungsfähiges Werkzeug sein kann, ihre Antworten jedoch entscheidend von der Qualität der Eingaben abhängen. Gute Ergebnisse setzen präzise Prompts, sprachliches Feingefühl und fachliches Wissen voraus. Vor allem aber braucht es die Fähigkeit, die von KI erzeugten Inhalte kritisch zu bewerten, Fehler zu erkennen und Ergebnisse einzuordnen. Gerade deshalb werden fundierte Sprach- und Fachkenntnisse durch Künstliche Intelligenz nicht ersetzt, sondern gewinnen sogar an Bedeutung.
Die Idee zu der Videoreihe entstand aus der Beobachtung, dass die Diskussion über Künstliche Intelligenz häufig auf die Leistungsfähigkeit automatischer Übersetzungen reduziert wird, wobei die eigentlichen Kompetenzen eines Sprachstudiums leicht aus dem Blick geraten. Konzipiert und inhaltlich entwickelt wurde die Reihe von Prof. Dr. Daniela Pietrini (lehrstuhl Romanische Sprachwissenschaft), während Felicia Monte, studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Romanische Sprachwissenschaft sowie Studentin der Fächer Französisch, Italienisch und Geographie, die Videointerviews führte. Durch ihre offene Gesprächsführung entstanden authentische Gespräche, die die Vielfalt der Beweggründe für ein Romanistikstudium eindrucksvoll widerspiegeln.
Die aktuelle Diskussion über Künstliche Intelligenz zeigt, dass sich die Anforderungen an Sprachkompetenz verändern, ohne dass diese an Bedeutung verliert. Wer KI sinnvoll einsetzen möchte, muss Fragen präzise formulieren, Ergebnisse kritisch prüfen und ihre sprachlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Voraussetzungen verstehen, und ein Studium der Romanistik vermittelt genau diese Kompetenzen. Es verbindet fundierte Sprachkenntnisse mit interkulturellem Verständnis, analytischem Denken und der Fähigkeit, Sprache als kulturelles und gesellschaftliches Phänomen zu reflektieren. Damit liefert es wichtige Voraussetzungen für einen verantwortungsvollen und kompetenten Umgang mit Künstlicher Intelligenz.
Wir laden Sie herzlich ein, unsere Videoreihe anzusehen und die unterschiedlichen Perspektiven unserer Studierenden sowie der beiden Dozierenden kennenzulernen. Die Beiträge zeigen, dass Künstliche Intelligenz und Romanistik keine Gegensätze sind. Vielmehr wird deutlich, dass die wissenschaftliche Beschäftigung mit Sprache, Kommunikation und Kultur gerade in einer Zeit rasanter technologischer Entwicklungen aktueller denn je ist.