Von der gedruckten Seite zum digitalen Wörterbuch: Stefano Miani präsentiert innovative Forschung zu KI und Lexikografie auf dem SILFI-Kongress in Krakau
Wie verändert Künstliche Intelligenz die Arbeit in den Geisteswissenschaften? Und welche neuen Möglichkeiten entstehen, wenn historische Wörterbücher und Glossare mit digitalen Werkzeugen und KI-gestützten Sprachmodellen bearbeitet werden? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Dr. Stefano Miani, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Romanische Sprachwissenschaft (Prof. Dr. Daniela Pietrini), im Rahmen des XVIII Kongresses der Società Internazionale di Linguistica e Filologia Italiana (SILFI), der vom 27. bis 29. Mai 2026 an der Jagiellonen Universität Krakau stattfand. Im Zentrum seines wissenschaftlichen Posters mit dem Titel „Dalla pagina allo schermo: co progettare con ChatGPT un dizionario elettronico“ stand ein innovativer Ansatz zur Digitalisierung und elektronischen Aufbereitung historischer lexikografischer Materialien. Ausgangspunkt war ein Glossar mit Neologismen aus den frühen 1930er Jahren, das im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem Projekt "Archivio della lessicografia dell’Otto-Novecento" (ALON) bearbeitet wurde. Ziel des Projekts ist es, Materialien, die ursprünglich ausschließlich in gedruckter Form vorliegen, in digitale und wissenschaftlich nutzbare Ressourcen zu transformieren und damit neue Formen der lexikografischen Forschung zu ermöglichen. Der Beitrag zeigte, wie ChatGPT und andere KI-gestützte Sprachmodelle als flexible Werkzeuge in geisteswissenschaftlichen Arbeitsprozessen eingesetzt werden können. Im Fokus stand dabei nicht nur die technische Unterstützung bei der Strukturierung und Aufbereitung lexikografischer Daten, sondern auch die Frage, wie sich die Zusammenarbeit zwischen Forschenden und KI-Systemen methodisch gestalten lässt. Stefano Miani beschrieb ChatGPT dabei als eine Art „informatico prêt-à-porter“, also als ein unmittelbar verfügbares digitales Hilfsmittel, das komplexe technische Prozesse auch für Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftler zugänglicher machen kann. Zugleich thematisierte das Poster kritisch die Grenzen und Herausforderungen eines solchen Einsatzes. Diskutiert wurden unter anderem Fragen der wissenschaftlichen Kontrolle, der Zuverlässigkeit automatisch erzeugter Inhalte sowie die Notwendigkeit einer reflektierten und methodisch fundierten Nutzung von KI in der linguistischen und lexikografischen Forschung. Der SILFI Kongress „L’italiano: spazi e contatti“ widmete sich aktuellen Entwicklungen der italienischen Linguistik und Philologie in kulturellen, geografischen und technologischen Kontexten. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf Sprachkontakten, Mehrsprachigkeit, digitalen Kommunikationsräumen und der Integration von Large Language Models in Forschung und Sprachdidaktik. Die Società Internazionale di Linguistica e Filologia Italiana SILFI zählt seit ihrer Gründung im Jahr 1985 zu den wichtigsten internationalen Fachgesellschaften der Italianistik und bringt regelmäßig Forschende aus Europa, Nord- und Südamerika, Israel, Japan und Australien zusammen.