Die Vielfalt der Sprechblasen: romanische Varietäten in Comic und Graphic Novel
Das Comics Linguistics Lab der Universität Augsburg lud zu einem besonderen Comic-Abend unter dem Titel „Die Vielfalt der Sprechblasen: romanische Varietäten in Comic und Graphic Novel“ ein. Die Veranstaltung fand am 20. Januar 2026 ab 17:30 Uhr im Raum 2110 im Gebäude D, gegenüber der Alten Cafeteria, statt. Die Initiative des Comics Linguistics Lab bündelt und betreibt Forschungen über Sprache in Comics und Graphic Novels aus den romanischen Ländern und wird von Prof. Dr. Daniela Pietrini vom Lehrstuhl für Romanische Sprachwissenschaft konzipiert und organisiert.
Der Abend widmete sich der Vielfalt romanischer Sprachvarietäten in Comics und Graphic Novels. In vier aufeinanderfolgenden Vorträgen wurden unterschiedliche Aspekte der Darstellung und Umsetzung von Regional- und Dialektsprachen vorgestellt, gefolgt von einer gemeinsamen Diskussion. Den Auftakt machte Dr. Frank Paulikat vom Lehrstuhl für Romanische Sprachwissenschaft mit dem Vortrag „Tintin au pays des langues régionales – eine Tour de France der Regionalsprachen in Frankreich mit Tim und Struppi“. Er untersuchte die Übersetzungen der belgischen Tintin-Reihe in verschiedene französische Regionalsprachen seit den 1980er Jahren. Anhand des Albums Les bijoux de la Castafiore zeigte er die Vielfalt sprachlicher Versionen, darunter mehrere Fassungen des Wallonischen, und analysierte, wie die Verschriftlichung der jeweiligen Regionalsprachen umgesetzt wurde. Ein besonderes Augenmerk lag darauf, ob die gewählten sprachlichen Formen regionaltypisch sind oder von individuellen Entscheidungen und Sprachideologien der Übersetzer geprägt werden. Außerdem wurde untersucht, wie variationslinguistisch markierte Elemente des französischen Originals wie Fachsprachen, Umgangssprache oder stilistisch differenzierte Ausdrucksweisen in die jeweiligen Regionalsprachen übertragen wurden.
Es folgte ein Vortrag von Prof. Dr. Daniela Pietrini mit dem Titel „Zwischen Ortmarkierungen und magischen Formeln: Der neapolitanische Dialekt als kreatives Instrument in Comics und Graphic Novels“. Sie stellte die Darstellung Neapels in der italienischen Comic-Kultur vor, wobei der neapolitanische Dialekt als wesentliches Instrument zur Inszenierung der Stadtidentität im Mittelpunkt stand. Anhand ausgewählter Beispiele wurde gezeigt, wie der Dialekt kreativ in verschiedenen Genres eingesetzt wird, ohne auf die tradierten negativ konnotierten Erzählmuster zurückzugreifen.
Danach sprach Dr. Martina Steffen zum Thema „¡Jue pucha, otro carancho! Varietätenlinguistische Besonderheiten im argentinischen Gaucho-Comic Inodoro Pereyra“. Der Vortrag beleuchtete die Sprachverwendung des Comics von Roberto Fontanarrosa, der auf Gaucho-Literatur und Musik zurückgreift. Besonderes Augenmerk lag auf phonologischen, morphologischen, lexikalischen und syntaktischen Besonderheiten, die durch Parodie, Wortspiele und literarische Zitate hervorgehoben werden. Auch historische und aktuelle politische Bezüge flossen in die Analyse ein und zeigten die Varietäten der Sprache im argentinischen Comic.
Abschließend referierte Prof. Anna Giaufret von der Universität Genua über „Le français québécois dans les bulles“. Sie zeigte die Entwicklung der Darstellung von Québecer Französisch in Comics vom frühen 20. Jahrhundert bis zum ersten Viertel des 21. Jahrhunderts und beleuchtete diaphasische, diastratische, diamésische und diatopische Varietäten. Dabei wurde auf das Corpus Ebullition zurückgegriffen, das in das Projekt Fonds de données Linguistiques du Québec der Universität Sherbrooke integriert ist.
Der Comic-Abend bot somit einen umfassenden Einblick in die Vielfalt romanischer Sprachvarietäten in Comics und Graphic Novels, verband sprachwissenschaftliche Forschung mit anschaulichen Beispielen aus populären und literarischen Medien und lud Studierende, Forschende und Interessierte zu einem spannenden Austausch über die faszinierende Welt romanischer Sprachvarietäten in Comics und Graphic Novels und die Diskussion über Sprache, Kultur und kreative Gestaltung ein.