Aufgaben und Ziele

Aufgaben

Das Bukowina-Institut widmet sich der Erforschung und Vermittlung von Wissen über Kultur und Geschichte der Bukowina und über Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa in Tiefe und Breite.

Dazu zählen:

  • Vorträge, Tagungen, Ausstellungen und Publikationen zu diversen Themen der bukowinischen Kultur und Geschichte, zu weiteren ostmitteleuropäischen Themen sowie der Verflechtungen zwischen Deutschland und Ostmitteleuropa und speziell auch der Region Schwaben und der Bukowina
  • Lesungen, Filmvorführungen und viele weitere kulturelle Veranstaltungen zu den genannten Themenkomplexen
  • Eigene Forschungen und Unterstützung der Forschungen anderer WissenschaftlerInnen zu diesen Themenbereichen
  • Zusammenarbeit mit WissenschaftlerInnen an Universitäten und Forschungseinrichtungen in der Bukowina und weltweit
  • Eine an das Servicenetz der Universitätsbibliothek angeschlossene, auf Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa, insbesondere auf Bukowina-Themen spezialisierte Bibliothek mit Präsenzbestand und Ausleihdienst
  • Ein Archiv mit Sammlungen zur Bukowina und zur Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen, zur Geschichte des Instituts und Nachlässen wichtiger Bukowinischer Persönlichkeiten
  • Die Ausbildung Studierender auf dem Feld der ostmitteleuropäischen Geschichte und berufsfeldbezogene Orientierung für Studierende und SchülerInnen durch Praktika
  • Bildungsreisen in die Bukowina und nach Ostmitteleuropa

Was ist die Bukowina?

Die Bukowina ist eine historische Region im Osten Europas. Ihr nördlicher Teil mit der Hauptstadt Chernivtsi liegt heute in der Ukraine, ihr südlicher Teil mit der Hauptstadt Suceava gehört zu Rumänien. Von 1774 bis zum Ersten Weltkrieg zählte die Bukowina zu den am stärksten multiethnisch geprägten Kronländern des Habsburger Reiches. In Chernivtsi, damals Czernowitz, erschienen vor dem Ersten Weltkrieg Zeitungen in sechs Sprachen und drei Schriften. Das brachte der Region unter Zeitgenossen den Beinamen „Europa im Kleinen“ ein. Zwangsumsiedlung und Holocaust setzten dem im 20. Jahrhundert ein Ende. In Folge des Zweiten Weltkrieges wurde die Bukowina in ein damals sowjetisches und ein rumänisches Gebiet geteilt, die nach 1945 eine jeweils spezifische historische Entwicklung erfuhren und als Grenzregionen heute Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa miteinander verbinden.

Weshalb hat Augsburg ein Bukowina-Institut?

Auch wenn Augsburg über 1.500 Kilometer von den beiden wichtigsten bukowinischen Städten Chernivtsi und Suceava trennen, sind die drei Städte – und vor allem die Regionen Schwaben und Bukowina – durch eine gemeinsame Geschichte und die Regionen durch eine lebendige Partnerschaft eng verbunden. Bereits 1955 übernahm der Bezirk Schwaben die Patenschaft über die Deutschen aus der Bukowina, die im Rahmen der Umsiedlungen im Zuge des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland, auch Schwaben gekommen waren. 1988 wurde auf Initiative des damaligen Bezirkstagspräsidenten Dr. Georg Simnacher das Bukowina-Institut gegründet, um die Kultur und die Geschichte der Bukowina – die von einer besonderen ethnischen und kulturellen Vielfalt geprägt war – zu erforschen, dokumentieren und bewahren. Seit 2003 ist das Bukowina-Institut ein An-Institut der Universität Augsburg. Es wird von einem Trägerverein unterhalten und vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration sowie vom Bezirk Schwaben finanziellunterstützt. Geleitet von einem fünfköpfigen Vorstand, dessen Vorsitz stets bei einem Professor odereiner Professorin der Universität liegt (seit 2012 Prof. Dr. Marita Krauss, Lehrstuhl für Europäische Regionalgeschichte sowie Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte), ist es Ziel des Institutes, über die Bukowina in ihren regionalen und transnationalen Bezügen zu forschen und zu lehren. Seit 2015 fungiert die Juniorprofessorin für "Transnationale Wechselbeziehungen. Deutschland und das östliche Europa" Prof. Dr. Maren Röger als wissenschaftliche Koordinatorin des Bukowina-Instituts. Seit April 2017 leitet sie das Institut als wissenschaftlich und organisatorische Geschäftsführerin.

Von Anfang an war es dem Bukowina-Institut wichtig, das Wissen um das multiethnische Zusammenleben in der Bukowina für die Gesellschaft hier vor Ort fruchtbar zu machen. Nicht zuletzt durch die Zuwanderung der AussiedlerInnen und SpätaussiedlerInnen aus Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa und die anhaltende Migration im Zuge der EU-Freizügigkeit hat sich das Bukowina-Institut seitdem zu einer wichtigen Institution in der multiethnischen Gesellschaft entwickelt. Seit seiner Gründung verfolgt das Institut den Anspruch, Wissen über die Länder des östlichen Europas, die aufgrund des Kalten Krieges aus der Wahrnehmung der meisten BürgerInnen verschwanden, zu vermitteln und so zu einem gesamteuropäischen Miteinander beizutragen. Neben dem Europabüro des Bezirks Schwaben und dem Hilfswerk Schwaben-Bukowina ist das Bukowina-Institut einer der drei Pfeiler, auf denen die Partnerschaftsarbeit des Bezirks Schwaben mit der rumänischen und der ukrainischen Bukowina fußt.

Erste Anlaufstelle für Forscher und Studierende auf dem Feld der südost- und ostmitteleuropäischen Geschichte in Augsburg

Die wissenschaftliche Forschung des Instituts und der mit ihm verbundenen Juniorprofessur für „Transnationale Wechselbeziehungen. Deutschland und das östliche Europa“ an der Universität Augsburg (seit 2015 Jun. Prof. Dr. Maren Röger, seit 2017 ebenfalls Geschäftsführerin des Instituts) bilden die Basis für die Vermittlungstätigkeit des Instituts. Aktuell werden Forschungsprojekte mit einem zeitlichen Schwerpunkt im 19. und 20. Jahrhundert verfolgt, unter anderem zur Modernewahrnehmung in der Bukowina, zur Infrastrukturgeschichte, zum Zusammenleben der unterschiedlichen Ethnien, aber auch zu den (Zwangs-)Migrationen des 20. Jahrhunderts und ihrer Erinnerungsgeschichte. Dabei interessieren immer auch die verflechtungsgeschichtlichen Aspekte der beiden Geschichtsregionen Schwaben und Bukowina.

 

Damit bildet das Institut in Augsburg die erste Anlaufstelle für Studierende auf dem Feld der ostmitteleuropäischen Geschichte. In inhaltich vielfältigen und interdisziplinären Seminaren, praxisorientierten Übungen und Exkursionen werden analytische, methodische und interkulturelle Kompetenzen vermittelt, die die Studierenden dazu befähigen, später verantwortungsvolle Aufgaben als Multiplikatoren zu übernehmen.

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