Vortrag von Dr. Katja Boser im Rahmen des KuK-Kolloquiums
Wenn hunderte Menschen bei Schnee und Minusgraden einer Gruppe volljähriger und unverheirateter Männer beim Tanzen zuschauen, dann ist in Dinkelscherben im Landkreis Augsburg Schäfflertanz. Dieser Brauch findet dort seit 1893 alle sieben Jahre statt. Die in der Brauch- und Ritualforschung verortete narrationsanalytische Dissertation von Dr. Katja Boser nimmt auf der Basis kulturwissenschaftlicher Theorien zu Ländlichkeit und Immateriellem Kulturerbe in den Blick, wie der Schäfflertanz von den Träger:innen als Tradition verhandelt wird. Im Zentrum des Vortrags steht die Frage, wie sich aus einer volkskundlich-kulturwissenschaftlichen Perspektive Brauchhandlungen gegenwärtig erforschen lassen. Ausgangspunkt hierfür ist die im Rahmen des Dissertationsprojektes durchgeführte Datenerhebung. Präsentiert werden die Ergebnisse aus Feldforschung und qualitativen Interviews und deren narrationsanalytische Auswertung. Ergänzt wird die Methodenreflexion durch eine akzentuierte Betrachtung des Aspekts Gender im Kontext der Brauchhandlung. Anhand dieser werden Prozesse der Traditionsbildung aufgezeigt.
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