Der Welttag der Philosophie 2025 | Bericht über ein Schulprojekt am Holbein-Gymnasium Augsburg

Welltag der Philosophie 2025_Auftakt
Welttag der Philosophie 2025 am Holbein-Gymnasium Augsburg © Universität Augsburg
Welltag der Philosophie 2025
Welttag der PHilosophie 2025 am Holbein-Gymnasium Augsburg Thomas Körner-Wilsdorf
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Plakat/Welttag der Philosophie 2025 Thomas Körner-Wilsdorf
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Plakat/Welttag der Philosophie 2025 Thomas Körner-Wilsdorf
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Plakat/Welttag der Philosophie 2025 Thomas Körner-Wilsdorf

 

Am 20. November 2025 fand am Holbein-Gymnasium in Augsburg der jährliche „Welttag der Philosophie“ statt. Insgesamt 18 Studierende der Philosophie und Erziehungswissenschaften boten 13 Workshops für rund 180 SuS der Q12 an, die sich alle folgendem Überthema widmeten: „Den Werten auf der Spur – Orientierung für ein friedliches Miteinander“. Das Schulprojekt begann um 8 Uhr mit einer Begrüßung durch Herrn Thomas Körner-Wilsdorf, der mitveranstaltenden Lehrkraft des Gymnasiums, in der Turnhalle – erstaunlich gute Stimmung dafür, dass Studierende um diese Uhrzeit gewöhnlich philosophisch eher im Bereich der „Ontologie des Halb-Schlafs“ verortet sind.

Im Fokus standen die Werte Eigenverantwortung, Gewaltlosigkeit, Toleranz und Bildung. Ihre Bedeutung tritt heute besonders deutlich hervor, da sie Jugendlichen helfen, in einer komplexen Welt Urteilsfähigkeit und Haltung auszubilden. Angesichts digitaler Reizüberflutung und gesellschaftlicher Spannungen gewinnen sie eine Relevanz, die im Schulalltag sowie im gesellschaftlichen Miteinander kaum überschätzt werden kann. Die Workshops eröffneten den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, diese Werte nicht nur theoretisch kennenzulernen, sondern in eigenen Erfahrungen, Diskussionen und Beispielen praktisch zu erproben und einzuordnen. 

Besonders spannend war die Zusammenarbeit der beiden Studiengänge: Philosophie-Studierende brachten begriffliche Klarheit, ethisch-analytische Tiefe und die Fähigkeit ein, alltägliche Selbstverständlichkeiten in produktive Fragen umzuwandeln. EWS-Studierende ergänzten dies durch didaktische Struktur, methodische Vielfalt und ein feines Gespür für Gruppendynamik und Lernprozesse.

Ein zentraler Gewinn des Projekttages lag darin, den Schülerinnen und Schülern Raum zu geben, selbst zu denken, zu hinterfragen und eigene Deutungen zu entwickeln. Die Jugendlichen stellten fest, dass Philosophie nicht zwangsläufig mit komplizierten Texten beginnt, sondern mit einem ganz einfachen „Warum?“. Warum handeln wir so, wie wir handeln? Warum glauben wir, was wir glauben? Warum ist etwas gerecht? Warum fühlen wir uns frei? Warum verspüren wir in manchen Bereichen ein starkes Bedürfnis, Verantwortung zu übernehmen, und in anderen nicht? Es wurde erfahrbar, dass Werte mehr erfordern als reine Wissensvermittlung; sie verlangen eigenständige Reflexion und Begründung. So entstand eine Arbeitsweise, in der Theorie und Praxis in ein produktives Wechselspiel traten - ein schönes Beispiel dafür, wie Hochschullehre und Schule sich gegenseitig auf fruchtbare Weise bereichern können.

Am Ende blieb der Eindruck eines Tages, der Mut macht. Mut für Bildung und die Idee, dass Werte nicht nur diskutiert, sondern auch erlebt werden können. Ein Tag, der dazu ermutigt, einen Erkenntnisweg selbst zu beschreiten, statt sich mit vorgekautem und schnell reproduziertem („Pseudo"-)Wissen zufriedenzugeben. Kurzum: Mut, selbst zu denken, oder in Immanuel Kants Worten: "[...] Muth, [s]ich [s]eines eigenen Verstandes zu bedienen!"

 

– Ein Bericht von Nurten Güler Güclü –

 

 

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