Christoph Weller: "Vom Wert der Transdisziplinarität in der Konfliktforschung"

„Vom Wert der Transdisziplinarität in der Konfliktforschung: Transdisziplinarität als konfliktiver, karrierehinderlicher Arbeitseinsatz“ ist der Titel von Christoph Wellers Vortrag im Panel „Inter- and transdisciplinarity and Innovation in Peace and Conflict Research" bei der Jahrestagung „ “ der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung (AFK) am 11. - 13. März 2026 in Leipzig

 

Abstract: Die Ansprüche und Erwartungen an die Konfliktforschung spiegeln in erheblichem Maße die gesellschaftspolitischen Herausforderungen wider, die sich aus den jeweils aktuellen weltgesellschaftlichen Entwicklungen ableiten lassen. Werden daran anknüpfend konzeptionelle Texte über die Friedens- und Konfliktforschung geschrieben, taucht immer wieder die Forderung nach Transdisziplinarität auf (vgl. z.B. Alger 2008; Galtung 2010; Drulak 2011; Brunner 2016; Roque-Hernandez 2022; Nickisch 2025). Nun scheint die Friedens- und Konfliktforschung prädestiniert dafür zu sein, sich zumindest in Richtung von Transdisziplinarität zu bewegen, gehören doch die Interdisziplinarität und die Praxisorientierung zu ihren konstitutiven Merkmalen, womit zwei wesentlichen Kennzeichen transdisziplinärer Forschung bereits entsprochen wäre. 

Auf der Grundlage der Erfahrungen mit Transdisziplinarität am Augsburger Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung geht der Beitrag darauf ein, was die wesentlichen Kennzeichen von Transdisziplinarität sind und inwiefern die Konfliktforschung prädestiniert dafür ist, transdisziplinär zu forschen und weiterführende Beiträge zur Transdisziplinarität der Wissenschaft zu leisten. Das Transferzentrum Frieden Augsburg (TFA), die Entwicklung einer und die Umsetzung partizipativer Forschungsprojekte am Augsburger Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung sind Beispiele für die praktische Umsetzung von Transdisziplinarität, an denen sich zugleich die großen Herausforderungen von Transdisziplinarität anschaulich vorführen lassen.

Doch insgesamt findet die praktische Umsetzung von Transdisziplinarität in der Konfliktforschung nur in ausgewählten Fällen statt, weil sie ziemlich quer zu den strukturellen Rahmenbedingungen der Wissenschaft und Forschungsförderung in Deutschland steht. Außerdem ist der Arbeitseinsatz, der bei transdisziplinärer Forschung erforderlich ist, sowohl auf wissenschaftlicher Seite als auch auf Seiten der einbezogenen Praktiker*innen enorm, wodurch die Umsetzung von Transdisziplinarität an Attraktivität verliert, insbesondere im Hinblick auf den Erfolg individueller Karrierewege innerhalb der Wissenschaft.

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