DVPW-Impulstagung „Weltordnung im Wandel - Politikwissenschaft in Kriegszeiten“ an der TU Chemnitz
„Krieg als methodologische Herausforderung - für eine wissenschaftssoziologische Selbstreflexion der Internationalen Beziehungen" ist der Titel von Christoph Wellers Beitrag zur
Impulstagung der
Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) am 22. - 23. Januar 2026 an der TU Chemnitz Abstract: Kriegszeiten steigern die Nachfrage nach politikwissenschaftlicher Expertise, nicht nur bei der Einnahme der entsprechenden Rolle in Talkshows, sondern auch bei der gerade in demokratischen Gesellschaften (noch) verbreiteten Suche nach fundierter politischer Orientierung bezogen auf hochrelevante Fragen und Entscheidungen. Wer sich bezogen auf die Bearbeitung internationaler Konflikte nicht dem jeweils hegemonialen Diskurs (oder Gegendiskurs) unkritisch anschließen, sondern eine differenzierte eigene Überzeugung entwickeln möchte, benötigt politikwissenschaftliche Stimmen, die auch ihre methodologischen und (vor-)theoretischen Annahmen transparent machen. Diese umfassen mindestens den eingenommenen Beobachtungs-Standpunkt bezogen auf epistemologische Differenzen (z.B. kolonial vs. dekolonial), die verwendete IB-Brille bezogen auf theoretische Differenzen und die vertretenen normativen Überzeugungen und Präferenzen (Menschenrechte oder nationale Interessen oder globale Gerechtigkeit etc.) hinsichtlich politischer Differenzen. Mit dieser dreifachen Transparenz geht auch einher darüber aufzuklären, dass die Wissenschaft von der internationalen Politik über keine Möglichkeiten („Feldherrenhügel“) verfügt, bezüglich dieser drei Differenzen wissenschaftliche Wahrheiten zu generieren und unumstrittene Expertise bereitzustellen - auch nicht für die Primetime des Fernsehens! Vielmehr geht es gerade in Kriegszeiten, die von normativen Meinungsäußerungen, die differente Positionen durch Desavouierung zum Verstummen bringen wollen, stark dominiert werden, um die Anerkennung wissenschaftlicher Expertise als politischer Wissenschaft. Doch warum gelingt es dieser politischen Politikwissenschaft nur so selten, auch die Voraussetzungen ihrer jeweiligen Erkenntnisse zur Diskussion zu stellen und den politischen Streit darüber anzuzetteln, welche methodologischen und (vor-)theoretischen Annahmen für eine Politikwissenschaft in Kriegszeiten besonders geeignet sein könnten und welche vielleicht eher nicht? Der Beitrag möchte der Dramatisierung der „Politikwissenschaft in Kriegszeiten“ mit einigen Hinweisen auf das Drama einer sich als unpolitisch verstehenden „Politikwissenschaft“ begegnen (s.o) und darauf aufbauend mit Thesen zum Verständnis dieses Dramas zu einer wissenschaftssoziologischen Selbstreflexion der Internationalen Beziehungen einladen.