„Praktiken des Friedens“: Veranstaltungsreihe des Transferzentrums Frieden erfolgreich gestartet

Die Veranstaltungsreihe „Praktiken des Friedens“ des Transferzentrums Frieden Augsburg (TFA) fragt danach, wie Frieden nicht nur als politisches Ziel oder wissenschaftlicher Begriff, sondern als alltägliche soziale Praxis verstanden, reflektiert und gestärkt werden kann. Darin werden wissenschaftliche Perspektiven der Friedens- und Konfliktforschung mit Erfahrungen aus kommunaler Praxis, Bildungsarbeit, Zivil- und Stadtgesellschaft verbunden. Im Zentrum stehen konkrete Friedenspraktiken: Zuhören, Aushandeln, solidarisches Handeln, diskriminierungskritische Reflexion, Konfliktbearbeitung und die gemeinsame Entwicklung von Handlungsmöglichkeiten in gesellschaftlich herausfordernden Situationen. Die Veranstaltungsreihe greift dabei Themen wie Antisemitismus, feministische Friedenspraxen, Wohnungslosigkeit, Macht und sexualisierte Gewalt auf und wird von der Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF) finanziell gefördert.

Termine der Veranstaltungsreihe:

16.06.2026, 19 Uhr: „Die neuen Warlords. Gewaltdynamiken einhegen“: Vorstellung des Friedensgutachtens 2026, S-Forum der Stadtbücherei

Die Veranstaltung vermittelt zentrale Analysen und Empfehlungen des aktuellen Friedensgutachtens in die Augsburger Stadtgesellschaft. Sie verbindet wissenschaftliche Expertise zu internationalen Konflikten mit einer moderierten Diskussion über friedenspolitische Handlungsmöglichkeiten und gesellschaftliche Verantwortung.

17.07.2026, 19:30 Uhr: “Frieden gemeinsam selber machen“. Auftakt-Abendveranstaltung der 10. Peace Summer School mit Gilda Sahebi, Augustanasaal, Im Annahof

18.07.2026, 9:15 Uhr: Workshop „Spect-Actors: Forumtheater als Praxis“. Veranstaltung im Rahmen der Peace Summer School, Argon Lounge Augsburg

Das interaktive Theaterformat, angelehnt an das Theater der Unterdrückten von Augusto Boal,  macht Machtasymmetrien, Ungleichheit und Verantwortung erfahrbar. Durch performative und partizipative Methoden werden Alltagskonflikte auf die Bühne gebracht, eingefroren und dann gemeinsam verändert. Die Teilnehmenden reflektieren eigene Positionierungen, Handlungsmöglichkeiten und Grenzen friedensorientierter Praxis.

18.07.2026, 14: 30 Uhr: Workshop „Feministische Praktiken des Friedens“. Veranstaltung im Rahmen der Peace Summer School, Argon Lounge Augsburg

Der Workshop verbindet feministische Friedensperspektiven mit reflexiven Methoden. Ausgehend von Erfahrungen aus Alltag, Care, Körper, Arbeit, Konflikt und politischem Handeln wird gefragt, wie feministische Friedenspraxen entstehen, wo sie scheitern und wie sie bewusst gestärkt werden können.

19.07.2026, 9:15 Uhr: Workshop „Wohnen als Friedensfrage: Solidarität statt Konkurrenz“. Veranstaltung im Rahmen der Peace Summer School, Argon Lounge Augsburg

Der Workshop thematisiert Wohnungslosigkeit als Erfahrung struktureller Gewalt und gesellschaftlicher Ausgrenzung. Im Mittelpunkt steht Selbstorganisation und Peerarbeit als solidarische Friedenspraxis: Frieden wird dort praktisch, wo Menschen sich zusammenschließen, Ausschlüsse sichtbar machen und Handlungsmacht zurückgewinnen

Oktober 2026: Friedenspraktiken in Israel und Palästina, mit „Combatants for Peace“ (Termin und Ort werden noch bekanntgegeben)

Die Veranstaltung bringt Perspektiven von Menschen ein, die sich aus gewaltvollen Konfliktkontexten heraus für Verständigung, Dialog und gewaltfreie Transformation einsetzen. Im Zentrum steht die Frage, wie Friedenspraxis unter Bedingungen massiver Gewalt, Polarisierung und politischer Blockaden möglich bleibt.

25.11.2026, 18 Uhr: Workshop „Sexualisierte Gewalt“, Hollbau, Im Annahof

Der Workshop widmet sich sexualisierter Gewalt als friedens- und konfliktrelevantem Thema und fragt nach Prävention, Verantwortung, Schutz, Aufarbeitung und Handlungsmöglichkeiten in pädagogischen und gesellschaftlichen Kontexten. Dabei werden sowohl fachliche Perspektiven als auch erfahrungs- und praxisbezogene Reflexionen einbezogen.

Praktiken des Friedens

In einem gesellschaftlichen Klima, in dem Frieden zunehmend hinter Debatten um Bedrohung, Sicherheit und Aufrüstung zurücktritt, eröffnet diese Veranstaltungsreihe in der Friedensstadt Augsburg Räume für die gemeinsame Reflexion von Friedenswissen, Praxiserfahrungen und gesellschaftlichen Konfliktlagen. In der Veranstaltungsreihe wird an aktuelle friedenswissenschaftliche Debatten angeknüpft, die Frieden als gesellschaftliche Praxis und nicht allein als politischen Zustand verstehen. Der Fokus auf „Praktiken des Friedens“ macht sichtbar, wie friedliches Zusammenleben in alltäglichen Kontexten ausgehandelt und gestaltet wird.

Die Veranstaltungsreiche leistet außerdem einen Beitrag zur Weiterentwicklung eines multidirektionalen Transferverständnisses, indem es wissenschaftliches, erfahrungsbasiertes, professionelles und zivilgesellschaftliches Wissen miteinander ins Gespräch bringt und so den Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis, Aktivismus und Zivilgesellschaft stärkt. Das Transferzentrum Frieden Augsburg versteht Wissenstransfer nicht als einseitige Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern als multidirektionalen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. Ziel des Transferprojektes ist es, Friedenswissen in konkrete gesellschaftliche Handlungsfelder zu übersetzen und zugleich Erfahrungen aus der Praxis für die Weiterentwicklung friedens- und konfliktwissenschaftlicher Perspektiven nutzbar zu machen. Damit trägt das Projekt auch zur Weiterentwicklung praxisorientierter Friedens- und Konfliktforschung bei.

 

 

 

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